Die letzten TEDDY-News verpasst? Keine Zeit, unsere täglichen Updates auf unserem Blog und Social Media zu checken? Keine Sorge! Hier ist alles, was ihr nicht verpassen solltet.
Die Berlinale ist nicht mehr weit und das TEDDY-Team versammelt sich, um die 29. Ausgabe des TEDDY-AWARDS vorzubereiten. Letzte Woche haben wir die neuen Büroräume bezogen und uns mit ausreichend Schokolade, Obst und Kaffee versorgt. Es kann losgehen!
Auch dieses Jahr werden wieder viele tolle Künstler und Künstlerinnen im Rahmen vom TEDDY auftreten. Besonders stolz sind wir, Ingrid Caven ankündigen zu können. Seit Ende der Siebziger ist sie eine der Größen des Chanson, oft verglichen mit Marlene und der Piaf. Auch Tocotronic-Fans sollte ihr Name ein Begriff sein, schließt die Band doch seit Jahren ihre Konzerte mit Cavens Chanson „Die großen weißen Vögel“.
Bevor die Caven Sängerin wurde, spielte sie in zahlreichen Filmen von Rainer Werner Fassbinder. Mit ihm verband sie eine lebenslange Freundschaft, zwei Jahre davon waren sie sogar verheiratet. Sie wird in einer Hommage an Fassbinder einige ihrer Klassiker zum Besten geben. Der Regisseur ist übrigens auch das Gesicht unserer Plakate dieses Jahr. Rinaldo Hopf malte ihn, cabine hat das Plakat gestaltet.
Neben der Caven freuen wir uns auf die Wiener Band POP:SCH, die mit ihrer Anti-Homophobie-Hymne „shut up haters“ für Stimmung sorgen wird. Und natürlich auf den großen Udo Kier, der auf der Gala mit dem Special TEDDY AWARD ausgezeichnet wird.
Ein alter Bekannter wird auch wieder dabei sein: Jochen Schropp moderiert zum vierten Mal die Preisverleihung. Yay!
Eröffnungs- und Closing Party finden dieses Jahr wieder im SchwuZ statt. Und es wird wild :)
Wer es wie wir kaum erwarten kann und unbedingt mehr lesen will, kann auf dem Blog lesen wie Sebastian langsam aus der Fressnarkose erwacht und Audrey über die homophobe Seite Hollywoods berichtet.
Das Programm mit allen Veranstaltungen ist jetzt online. News gibt es hier und auf der TEDDY-Seite, die Lesefaulen warten auf die nächste Letzte Woche im Überblick mit allen wichtigen Infos.
Hier findet ihr alle Filme, die in diesem Jahr um einen TEDDY Award konkurrieren. Während der Berlinale werden zudem die Interviews mit den Filmemachern, Trailer und alle weiteren Infos hier zu finden sein.
USA 2015
106′
Director: Mark Christopher
Cast: Ryan Philippe, Salma Hayek, Neve Campbell, Mike Myers
„Wir haben das Ausgehen revolutioniert“, sagt Klubbetreiber Steve Rubell. Im legendären Studio 54, der Mutter aller Nachtclubs seit der Erndung von Disco, wurde aus Clubbing mehr als nur Socialising zu Musik. Jenem prunkvollen Mix aus Art Déco und Plüsch, frivolem Siebziger-Hedonismus und drogengestärktem 24-hours-Partypeople-Tum setzte Regisseur Mark Christopher 1998 ein Denkmal. Auf Wunsch der Produzenten wurde sein Film über die New Yorker Edeldisco jedoch stark verändert und kam mit 25 Minuten neu gedrehtem Material und einem vom Originalscript abweichenden Ende ins Kino. 17 Jahre nach der Premiere der Produzentenfassung zeigt Panorama erstmals die mühsam rekonstruierte Urfassung der Geschichte vom jungen blondgelockten Jersey Boy Shane O’Shea, der sich in der berückend glitzernden Sex, Drugs and Disco-Welt verliert, und erst kurz vor der polizeilichen Schließung des Clubs den Absprung schafft. Die integrale Version ist wuchtiger, düsterer, drogenschwangerer und vor allem schwuler als die damals autorisierte Bearbeitung.
07.02.2015, 22:30, Colosseum 1 10.02.2015, 19:30, Kino International
11.02.2015, 17:45, CineStar 3
11.02.2015, 23:00, Cubix 7 & 8
Tarik kann nicht über den Verlust seiner Kinder weinen. Tarik kann über sein ruiniertes Leben nicht weinen. Stattdessen verhüllt er den Schnauzer unter einem Schleier und schwingt beim Straßenumzug die Hüften zu Musik: Tarik ist ein H’Dya, ein traditionell in Frauenkleidung tanzender Künstler. Tariks Vater, der die Prozessionen durch die leeren Straßen Marokkos anführt, weint sich die Augen aus, als sein geliebtes Zugpferd Larbi nicht mehr will, und kämmt die Pferdmähne zärtlich mit seinem Gebiss. Der neue, brutale Partner von Tariks Ex-Frau nistet sich auf Tariks Toilette ein. Und Tariks Freund Murad wird wegen seiner Homosexualität bedroht und beleidigt. War wirklich, wie alle behaupten, etwas im Wasser? Oder spielt sich das alles nur in Tariks Kopf ab? In surreal-schönen, schwarz-weißen Bildern erzählt Hicham Lasri in seinem dritten Spielfilm von Traditionen und Trance, von Intoleranz und Gewalt, von Freundschaft und Körperlichkeit. Und von Tierliebe, deren Angemessenheit fraglich ist. Unterstützt von rauem Marokko-Rock, komponiert Lasri David-Lynch-artige Rauschzustände für ein modernes maghrebinisches Kinoerlebnis.
Zwei Menschen in einem Hotelzimmer. Ein privater, intimer Raum. Dies ist die Geschichte der Stadt, die das Verschwinden und die Zerstörung ihrer Einwohner betrauert, deren Kämpfe die Richtung verloren haben.
Seit sein Vater die Familie im Stich gelassen hat, reibt sich der 15-jährige Serginho zwischen den neuen Anforderungen seines Alltags auf. Er arbeitet bei seinem Onkel auf dem Markt, bietet seiner labilen Mutter Halt und kümmert sich um seinen kleinen Bruder. Aber wo ist sein Platz in einer Welt, die ihn zwingt, zu früh erwachsen zu sein? Voller Sehnsucht nach Zuneigung lässt er sich mit seinen Freunden Mudinho und Sivinha durch São Paulo treiben, besucht eine Tante, die am Stadtrand in einem Zirkus arbeitet, und verbringt soviel Zeit wie möglich bei Ney, einem Privatlehrer, dem er sich sehr verbunden fühlt. Serginho wird jedoch immer wieder enttäuscht. Er will mehr von seiner Mutter, von seinen Freunden, von seiner Zukunft, von Ney. Unbeeindruckt vom Machismo in seinem Umfeld gibt er nicht auf, nach einem Weg zwischen Verantwortung und Geborgenheit zu suchen.Mit charismatischem Charme verleiht der erst 17-jährige Hauptdarsteller Matheus Fagundes der Figur des emotional und sexuell aufgewühlten Serginho eine berührend zuversichtliche Unbeschwertheit und lässt ihn das Gewicht gesellschaftlicher Erwartungen mit tiefem Vertrauen auf ein mögliches Glück tragen.
USA 2015
11′
Director: Joanna Arnow
Cast: Eleanore Pienta, Keith Poulson, Joanna Arnow
Interior, Tag. Matt und Isabel liegen nackt im Bett. Sie haben Sex. Sie sitzt auf ihm, die beiden geben sich leidenschaftlich hin. Joanna, die Mitbewohnerin, kommt ins Zimmer und setzt sich neben die beiden auf die Bettkante. Isabel und ihr Freund lassen sich nicht von ihr stören. Matt (nach einer kurzen Weile, ohne zur Seite zu blicken): „Was macht sie hier?“ Joanna: „Ich kann nicht schlafen.“Isabel (ohne aufzuhören, Sex zu haben): „Waren wir zu laut?“ Joanna (ohne Anstalten zu machen, zu gehen): „Nein.“ Bad at Dancing ist ein Kammerspiel und eine Komödie. Ein Sexspiel. Isabel ist mit Matt zusammen, Joanna wäre gerne mit Matt zusammen. Joanna versucht einiges, um ihr Ziel zu erreichen. Die drei bewegen sich in Umarmungen von Körper zu Körper – angezogen und nackt. Immer im Innen. Immer direkt. Eifersucht und Emotion erhalten einen surrealen Rahmen. Die Frage nach der Notwendigkeit von Grenzen stellt sich neu. Eine Rikscha fährt immer auf drei Rädern.
10.02.2015, 22:30, CinemaxX 3 12.02.2015, 17:45, Colosseum 1 13.02.2015, 16:00, CinemaxX 5 15.02.2015, 16:00, Kino International
Brasilien 2015
83′
Director: Filipe Matzembacher, Marcio Reolon
Cast: Mateus Almada, Maurício José Barcellos, Elisa Brites, Francisco Gick
https://www.youtube.com/watch?v=E42_LXLLLTY
Martin und Tomaz, seit Jahren gute Freunde, befinden sich auf dem Sprung ins Erwachsenenleben. Wegen einer Erbschaftsangelegenheit schickt Martins Vater seinen Sohn in die Heimat der Familie im Süden Brasiliens. Tomaz begleitet ihn dorthin. Der kleine Abstecher in den Küstenort entwickelt sich für beide zur großen Reise zu sich selbst. Denn nicht nur das Meer vor den Türen des Landhauses übt eine langsame, aber unaufhaltsame Sogkraft aus – auch die beiden Freunde untereinander. Atmosphärisch dicht folgt Filipe Matzembachers und Marcio Reolons autobiografisch inspiriertes Spielfilmdebüt seinen beiden Hauptfiguren in ein Wochenende, das deren Beziehung nachhaltig verändern wird. Beira-Mar ist ein Spaziergang durch die Grenzgebiete zwischen Liebe und Freundschaft – eine Auslotung von sexueller Orientierung und persönlicher Identität. Die hervorragende Kamera ergründet die vielschichtigen Gefühlszustände der Protagonisten ebenso wie die Tonspur das Meeresrauschen: behutsam und gewaltig zugleich. Stets auf Augenhöhe mit Sujet und Figuren, schafft der Film einen Augenblick des Zaubers und der Zärtlichkeit. Manchmal sind das Suchen und das Finden von Liebe eben ein und dasselbe.
06.02.2015, 21:45, CineStar 8 07.02.2015, 20:30, Colosseum 1 08.02.2015, 12:30, Kino Arsenal 09.02.2015, 16:30, Delphi Filmpalast 15.02.2015, 13:00, HKW Kino 1
Frankreich/ USA 2015
98′
Director: Étienne Faure
Cast: Pierre Prieur, Adrian James, Raquel Nave, Rebekah Underhill
Maurice, ein junger, wortkarger Obdachloser, schlägt sich in Brooklyn mit Gelegenheitsarbeiten durch und übernachtet in geparkten Autos – bis er im „Bizarre“ landet, einem für seine Burlesque-Shows berühmten Underground-Club. Die spielerischen Revuen sexueller Selbstbestimmung und kreativen Andersseins faszinieren Maurice, die beiden Besitzerinnen lieben ihn. Schnell gehört er zu ihrer Wahlfamilie, wo er dem in sich gekehrten Luka näherkommt. Lukas wachsender Zuneigung kehrt Maurice jedoch den Rücken. Er sieht vor seiner eigenen emotionalen Existenz, treibt ziellos durch die Stadt und sucht im Boxsport nach Stabilität. Dort trifft er auf Charlie. Maurice sieht seine verschlossenen Empfindungen unter Strom gesetzt und entfacht einen immer größeren, von Zärtlichkeit und Bedrohung erfüllten Gefühlswirbel.Étienne Faure drehte vor Ort. In den fulminanten Daseinsentwürfen der im „Bizarre“ in Brooklyn auftretenden Künstler lässt er das Versprechen einer unabhängigen Zukunft für seinen ziellos Flüchtenden aufstrahlen. Hochsensibel beobachtet er dessen seelische Verlorenheit und Verstörung und verdichtet sie in einer lmisch verzaubernden Trance.
USA 2015
32′
Director: Jennifer Reeder
Cast: Jennifer Estlin, Kelsey Ashby-Middleton, Morgan Reesh, Marissa Castillo
„Blood Below the Skin“ schildert eine Woche im Leben dreier Teenager, die dieselbe Klasse einer Highschool besuchen. Die Mädchen aus unterschiedlichen Verhältnissen bereiten sich auf den wichtigsten Abend in ihrem Leben vor – die Prom Night. Sie haben eine Tanzgruppe gebildet und proben eine Choreografie. Zwei fühlen sich zueinander hingezogen und verlieben sich. Die Dritte muss ihrer Mutter beistehen, die der Weggang des Vaters völlig aus der Bahn wirft. Jede für sich endet in ihrem Refugium, ihrem Zimmer und Bett, Geborgenheit und einen Ort, an dem sie den neuen Gefühlen Raum geben kann. Die Musik von den Plattentellern stellt Synchronizität zwischen den Mädchen her – das Kontinuum von Raum und Zeit wird um die Dimension der Musik erweitert.Jennifer Reeder erzählt alltägliche Geschichten mit Stilelementen eines magischen Realismus, der an das lateinamerikanische Kino denken lässt. Es braucht nur die Kraft der Gedanken, um dem anderen von seiner Liebe zu erzählen.
10.02.2015, 16:00, CinemaxX 11.02.2015, 17:45, Colosseum 1 12.02.2015, 11:00, Hebel am Ufer 12.02.2015, 21:30, Neues Off 13.02.2015, 22:00, CinemaxX 3 15.02.2015, 16:00, Kino International
Frankreich/ Kanada 2014
4′
Director: Isabelle Prim
Christine Boisson wird in ihrer Pariser Wohnung interviewt. Was sie erzählt und was dazu auf der Leinwand erscheint hat offensichtlich mit der legendären Calamity Jane zu tun. Doch in welcher Beziehung stehen die beiden Frauen genau zueinander?
09.02.2015, 16:30, ADK Hanseatenweg 12.02.2015, 18:30, Kino Arsenal 1
Deutschland/ Südkorea 2014
80′
Director: Lior Shamriz
Cast: Kim Won-mok, Lee Je-yeon, Ye Soo-jeong, Won Tae-hee
Ein Mann strebt nach Autonomie und lebt in der ständigen Angst, von seinem Liebhaber vereinnahmt zu werden. Korea: Als Unk den Jungen Boazauf der Straße anfährt, entspinnt sich eine Amour Fou, die sich zu eine Ballade der Abhängigkeiten entwickelt.
10.02.2015, 22:00, ADK Hanseatenweg 12.02.2015, 14:30, Kino Arsenal 1
Cha và con và
Big Father, Small Father and Other Stories
Vietnam / Frankreich / Deutschland / Niederlande 2014
100′
Director: Phan Dang Di
Cast: Do Thi Hai Yen, Nguyen Ha Phong
Saigon, späte Neunzigerjahre. Der Fotografiestudent Vu mietet ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Mit seiner brandneuen Kamera, einem Geschenk seines Vaters, erkundet er die Menschen, Orte und Dinge in seiner Umgebung. Vor allem fasziniert ihn sein Mitbewohner Thang, ein charismatischer junger Mann, der sich im Nachtleben von Saigon, inmitten von Drogendealern, Spielern und Prostituierten zu Hause fühlt. Thang macht Vu mit der Bartänzerin Van bekannt und er schläft mit ihr – obwohl er sich mehr zu dem Freund hingezogen fühlt. Eines Tages wird ein anderer Mitbewohner, ein Straßensänger, überfallen. Vu und Thang eilen zu Hilfe, werden verfolgt und sind schließlich gezwungen, in Vus Dorf im Mekong-Delta zu fliehen. Dort stellt ihm der Vater seine zukünftige Braut vor. Doch Vus Interesse an dem Mädchen ist gering, stattdessen beobachtet er voller Eifersucht, wie Thang mit ihr flirtet …
Magische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund tabuisierter Homosexualität und staatlich sanktionierter Eingriffe in die Privatsphäre. Phan Dang Di nutzt Natur- und Landschaftsmotive wie die sumpfigen, undurchdringlichen Dschungelwälder des Mekong als Metaphern für Gefühlswelten und Seelenzustände.
13.02.2015, 16:00, Berlinale Palast 14.02.2015, 09:30, Friedrichstadtpalast 14.02.2015, 12:30, Haus der Berliner Festspiele 14.02.2015, 17:30, Haus der Berliner Festspiele 15.02.2015, 12:00, Haus der Berliner Festspiele
In der Silvesternacht jagt ein Rettungswagen durch Berlin. Ein junger Mann, Matthias, hat Schlaftabletten genommen, ringt mit dem Tod. Rückblende: Ein anderer junger Mann, Philipp Klahrmann, ist ambitionierter Lehrer. Die Schüler mögen ihn, auch die Lehrerin Tanja. Sie verliebt sich in Philipp. Die beiden werden ein Paar. Da begegnet Philipp dem alten Schulfreund Jacob wieder, der ihn an die frühere homosexuelle Beziehung erinnert. Philipp hat die Neigung verdrängt, doch auf Dauer lässt sie sich nicht unterdrücken. Er lernt Matthias kennen, verliebt sich in ihn. Die leidenschaftliche Beziehung zu dem Jungen bringt ihn in schwere Konflikte. Tanja ist schwanger, er mag sie und will sie nicht enttäuschen. Für Philipp beginnt ein schmerzhafter Prozess des Sich-Erkennens. Er weiß nicht, wohin mit sich und seinen Problemen, stößt die anderen vor den Kopf. Tanja wendet sich gekränkt von ihm ab. Matthias, für den Philipp die große Liebe ist, unternimmt einen Selbstmordversuch. Philipp überwindet schließlich die Angst vor der öffentlichen Meinung und bekennt sich zu seiner Homosexualität. DEFA-Stiftung
„Zyklopisches 3D ist der räumlichste Eindruck, den ein einzelnes Auge zu erzeugen in der Lage ist. Es scheint also bloß so, als gallopiere die himmlische Horde durch den Raum. Tatsächliche Tiefe bleibt verwehrt – das Gesetz will es so.“ (Ken Jacobs)
09.02.2015, 20:30, ADK Hanseatenweg 11.02.2015, 12:30, Kino Arsenal 1
Daniel, ein 25-jähriger Literaturstudent, liegt in der Badewanne. Aus dem Off ertönt seine Stimme: „Ich war noch nie mit einem Jungen oder Mädchen zusammen, trotzdem kann ich mich über einen Mangel an Liebe in meinem Leben nicht beklagen.” Doch wie ist es für einen jungen Mann, wenn sich diese Liebe auf kleine Jungen richtet, sein Begehren nie ausgelebt, sich nur auf sexuelle Fantasien beschränken kann oder medikamentös unterdrückt werden muss? Der Film begleitet Daniel bei seinem Kampf um Selbstakzeptanz und der hoffnungslosen Suche nach einem Freund. Über schlichten, wohlkomponierten Bildern, die Daniel beim Frisör, beim Schlittschuhlaufen, beim Gassi gehen mit dem Hund der Mutter zeigen, liegt immer seine Off-Stimme, die selbstreflektierend zu klären versucht, wie er mit seinem Coming-out und seinen unerfüllbaren Sehnsüchten umgehen und ein erfülltes Leben führen kann.Da sie weder die Stimme ihres Protagonisten verfremden, noch sein Gesicht unkenntlich machen wollte, entschied sich Veronika Lišková nach Treffen mit mehr als 20 pädophilen Männern für Daniel, dem wohl bewusst ist, wie angreifbar er sich macht, der aber trotzdem ungewöhnlich offen mit seiner Prägung umgeht.
Vor 50 Jahren hätte der Regisseur Hans Scheugl Wien verlassen und in Amerika ein neues Leben beginnen können. Zu John, dem amerikanischen Freund von damals, hat er keinen Kontakt mehr. Eine Annäherung an das, was war, und das, was hätte sein können.
12.02.2015, 17:15, ADK Hanseatenweg 13.02.2015, 18:00, Kino Arsenal 1
Österreich 2015
91′
Director: Peter Kern
Cast: Amira Casar, Nicole Gerdon, Winfried Glatzeder, Heinz Trixner
Die junge, attraktive Konzernchefin Hanna von Stezewitz (Amira Casar) hat alles, und was sie nicht hat, das nimmt sie sich. Sie ist eine arrogante und skrupellose Strippenzieherin, die Politik und Banken kontrolliert – eine perfekte Inkarnation des Raubtierkapitalismus, die am liebsten Lack und Leder trägt. Gegen die Langeweile sucht sie immer extremere Kicks, und dass sie dabei ein junges Mädchen mit Karrierehoffnungen missbraucht, ist für sie ein Kollateralschaden, der mit Geld repariert wird. Nur der Patriarch der Familie, ihr bettlägeriger Großvater, und seine reaktionäre Weltsicht stehen ihr im Weg. Um endlich frei zu sein, engagiert sie einen Killer. Als Hanna in der Nonne Sarah, der Krankenschwester des Großvaters, überraschend eine ebenbürtige Liebhaberin findet, scheint ihr Glück perfekt. Aber hat sie wirklich alles unter Kontrolle? Peter Kern gelingt ein bitterböses und opulentes Sittengemälde, in dem alle, arm wie reich, bestechlich oder zumindest verführbar sind und die Kriminalität mit dem Kapital unter einer Decke steckt. Ein Reigen der Korruption, und wer den Takt stört, der wird aus dem Weg geräumt.
Schweden 2014
94′
Director: Bitte Andersson
Cast: Peggy Sands, Alle Eriksson, M Wågensjö, Lina Kurttila
Nachdem die hippe Lesbenband Dyke Hard mit ihrer ersten Single einen Megahit gelandet hat, kommt es zum kreativen Kollaps. Die Frontfrau setzt sich ab, und die Restband steht kurz vor dem Aus, als die Mädels von einer Battle of the Bands in „the big city“ erfahren, die in drei Tagen stattfindet und bei der sie ihre Karriere kickstarten wollen. Ein Road-Abenteuer voller Gefahren, Intrigen und Hindernisse nimmt seinen Lauf. Die Frauen landen in einem Geisterhaus und danach unschuldig im Todestrakt. Mit Hilfe eines schwulen Gefängniswärters gelingt ihnen die Flucht. Es kommt zu einer Verschnaufpause bei einer Bilderbuch-Oma mit versteckter Agenda, während der sie beinahe ihr Ziel aus den Augen verlieren. Aber das Blatt wendet sich erneut, und nach einem Kampf mit Cyborgs und Ninjas schaffen sie es gerade noch zum Bandwettstreit.Trash as trash can! ist das ehrgeizige Motto dieses irren Camp-Sexploitation-Horror-Trash-Musicals garantiert ohne jeglichen guten Geschmack. Ein augenzwinkernder, mit halsbrecherischem Tempo inszenierter, polymorph-perverser Spaß, der sich bezüglich seines Kultpotenzials durchaus mit John Waters, Russ Meyer und der Austin-Powers-Reihe messen kann.
Belgien/Finnland/Niederlande/ Mexiko/ 2015 105′ Director: Peter Greenaway Cast: Elmer Bäck, Luis Alberti, Rasmus Slatis, Jacob Öhrmann
1931 reist der sowjetische Regisseur Sergei Eisenstein nach Guanajuato, um seinen Film Que viva México zu drehen. Er begegnet dort einer anderen Kultur und deren Umgang mit dem Tod, entdeckt eine weitere Revolution – und den eigenen Körper. Greenaway zeichnet Eisenstein als exzentrischen Künstler, der mit der Hybris des international gefeierten Regie-Stars nach Mexiko reist. Ziemlich bald gerät er in Schwierigkeiten mit seinem amerikanischem Finanzier, dem Schriftsteller Upton Sinclair. Zugleich beginnt er, in der ebenso sinnenfrohen wie bedrohlichen Fremde seine Heimat und das Stalin-Regime neu zu reflektieren und erlebt die Veränderung von einem konzeptuellen Filmemacher zu einem an der condition humaine interessierten Künstler. Unter seinem Blick setzen sich die Zeichen, Eindrücke, religiösen und heidnischen Symbole der mexikanischen Kultur neu zusammen. Detailaufnahmen, geteilte Bilder, eine dramatisierende Montage – um die Wandlung seines Helden, der sich selbst als traurigen Clown bezeichnet, zu inszenieren, zitiert und variiert Greenaway dessen filmische Mittel. Szene für Szene nähert sich der Film dem Menschen Eisenstein, der von einem unerwarteten Begehren überrascht wird.
Schon als zwölfjähriger Junge kämpfte Roberto als Anhänger der Sandinistischen Revolution in Nicaragua für Bildung und soziale Reformen. Seinen politischen Kampf setzte er an der Seite der kommunistischen Tupamaros in Uruguay fort. Dreißig Jahre später kämpft er dafür, als Stephanía, als Frau, leben zu können und ringt um die Anerkennung durch Gesellschaft und Familie. Der Dokumentarlmer Aldo Garay begleitet Stephanía seit mehr als zwanzig Jahren und präsentiert mit El Hombre Nuevo das persönliche und liebevolle Porträt einer Frau, die auf ein bewegtes Leben zwischen Gewalt, Drogen, Prostitution und politischem Einsatz zurückblicken kann. Szenen aus ihrem Alltag werden mit Interviewaufnahmen unterschnitten, darunter auch Gespräche mit alten Bekannten, Weggefährten und Geschwistern sowie eine sehr leidenschaftliche Unterhaltung mit ihrer Mutter. So entsteht ein gleichermaßen vielschichtiges und intimes Bild der Gesellschaft zur Zeit der politischen Umbrüche in den Siebzigerjahren bis heute.
08.02.2015, 20:00, CineStar 7 09.02.2015, 14:30, CineStar 7 11.02.2015, 14:00, Kino International 14.02.2015, 17:30, Cubix 7
Dänemark 2015
109′
Director: Christian Braad Thomsen
Cast: Rainer Werner Fassbinder, Irm Hermann, Harry Baer, Andrea Schober
Als Rainer Werner Fassbinder, der wohl bedeutendste deutsche Nachkriegsregisseur, 1982 im Alter von nur 37 Jahren kometenhaft verglühte, hinterließ er in der europäischen Filmlandschaft ein bis heute nicht wieder gefülltes Vakuum und ein einzigartiges, vielschichtiges und facettenreiches Werk von erstaunlicher Konsequenz und Schlüssigkeit. Der dänische Filmregisseur und -historiker Christian Braad Thomsen war seit 1969 eng, wenn auch respektvoll distanziert mit Fassbinder befreundet. Fassbinder – Lieben ohne zu fordern sind seine persönlichen Erinnerungen auf der Basis von in den Siebzigerjahren geführten Gesprächen und Interviews mit Fassbinder und dessen Mutter Lilo. Dazu kommen aktuelle Interviews mit Irm Hermann und Harry Baer, die beide zum engsten Kreis um Fassbinder gehörten. Ausgehend von Fassbinders außergewöhnlicher Kindheit in einem traumatisierten Nachkriegsdeutschland, ist der in sieben Kapitel aufgeteilte Film eine erhellende, intime und bewegende Hommage, die von der anhaltenden Aktualität von Mensch und Werk zeugt: Gerade heute fordern sie zur ästhetischen, kreativen und kritischen Auseinandersetzung und zu Reibungen heraus.
07.02.2015, 17:00, Cubix 7 10.02.2015, 16:30, Kino International 11.02.2015, 14:30, CineStar 7 12.02.2015, 15:15, Colosseum 1 14.02.2015, 20:00, CineStar 7
1966 revolutionierte Yvonne Rainer mit ihrer Performance „Trio A“ den modernen Tanz, indem sie auf radikal unspektakuläre Weise das menschliche Bewegungsrepertoire analysierte. Beeinflusst von Merce Cunningham und John Cage entwickelte sie sozialpolitische Choreografien, in denen sie alltägliche Bewegungen auf der Bühne durcharbeitete, als bewussten Gegenpol zu den Erwartungen des Publikums. Weil sie auf keinen Fall gefällig wirken wollte, begann sie mit Film zu experimentieren, und zwar mit dem gleichen revolutionären Impetus wie in der Körperarbeit. Mit 56 Jahren hatte sie ihr Coming Out als Lesbe und 1997 gewann sie mit MURDER and murder den Teddy Award. Regisseur Jack Walsh gelingt es, den künstlerischen Werdegang einer konsequenten und sympathischen Avantgardistin von den Fünfzigern bis heute mit vielen Filmausschnitten, Archivaufnahmen und Neuinterpretationen ihrer Choreografien zu illustrieren. Tanzexperten und Wegbegleiterinnen wie Carolee Schneeman und B. Ruby Rich ergänzen Rainers eigene Erinnerungen. Heute, mit 80 Jahren, arbeitet sie immer noch auf der Bühne, seit eine Anfrage von Michail Baryschnikow sie im Jahr 2000 zu einem späten Comeback als Choreografien bewegte.
07.02.2015, 22:30, CineStar 7 12.02.2015, 20:00, CineStar 7 13.02.2015, 14:30, CineStar 7 13.02.2015, 17:00, Kino International 15.02.2015, 15:30, Colosseum 1
Adi und Florin, zwei illegalisierte Migranten aus Rumänien, verdienen ihr Geld als Escorts in Genfer Bars. Von der Realität losgelöst, spielen sie vor einem Bluescreen ihre Erfahrungen nach und unterhalten sich über ihre Träume vom Geld und vom Kino.
11.02.2015, 20:30, ADK Hanseatenweg 13.02.2015, 16:30, Kino Arsenal 1
Die Fetischwelt kennt für jede besondere Vorliebe eine Nische, und Arwed hat sich auf eine sehr spezielle Kundschaft eingestellt: Er betreibt ein privates Gefängnis, in dem er ganz nach Wunsch die zahlenden Gäste hinter Gittern schikaniert. Als Gefängnisdirektor ist er der Zeremonienmeister, der mit seinem Partner Dennis den Häftlingen während einer Woche ihre wildesten Knastfantasien erfüllt. Die Gefangenen wiederum sehen die Tage und Nächte in Handschellen und Fußfesseln als Erholungsurlaub – hier können sie endlich mal richtig abschalten. Das Rollenspiel wirkt wie improvisiertes Theater, in dem der Regisseur Arwed und sein Assistent Dennis jeden Abend die Dramaturgie für den nächsten Tag in den kargen Zellen und auf den Fluren der Haftanstalt planen. Die Menschlichkeit bleibt aber auch beim Auspeitschen nicht auf der Strecke, denn die Quälenden sind sich ihrer Verantwortung gegenüber den Gefangenen auf geradezu fürsorgliche Weise bewusst, trotz der harten Gefängniswärterpose. Aus dem Off stellt Jan Soldat seine Fragen in einem Interviewstil, der auch seine Kurzfilme prägt.
Deutschland 2015
89′
Director: Rosa von Praunheim
Cast: Hanno Koffler, Andreas Marquardt, Luise Heyer, Marion Erdmann
https://www.youtube.com/watch?v=FizdXkuEBRk
Wenn Karate-Champion Andreas Marquardt über sich nachdenkt, überkommt ihn Bitternis: „Ich habe keine Gefühle zugelassen. Ich war ein eiskalter Typ, ein Block, mir war alles scheißegal.“ Als er zwei Jahre alt war, übergoss ihn sein Vater mit Wasser und stellte ihn bei Minustemperaturen auf den Balkon. Ein anderes Mal zerquetschte er ihm die Hand. Mit Sechs begann die Mutter, ihn zu verführen: „Dein Schwanz gehört mir, Freundchen.“ Später wurde Andreas Zuhälter, verdiente Millionen. Bis er in den Knast kam. Nur Marion hielt zu ihm, die Schöne, die für ihn auf den Strich ging und ihm Mut machte … In einer Mischung von Interviews und nachinszenierten Szenen aus der Autobiograe von Andreas Marquardt beschreibt Rosa von Praunheim ein Leben, das aus Demütigung und Angst in Verachtung, Selbsthass und Brutalität umschlägt. Gedreht in stilisierten Kulissen, deren Fototapeten die Atmosphäre des alten West-Berlin wieder erstehen lassen, entsteht ein erschütternder Einblick in die existenziellen Verletzungen einer Seele durch familiäre Gewalt und die verzweifelte Gegenwehr. Kann es gelingen, den Teufelskreis zu durchbrechen? Und wie geht Andreas Marquardt heute mit diesen Erfahrungen um?
Indonesien/ USA/ Thailand 2015 80′ Director: Josh Kim Cast: Thira Chutikul, Ingarat Damrongsakkul, Iirah Wimonchailerk, Arthur Navarat
Die ärmlichen Außenbezirke von Bangkok sind eine Welt, in der man sehr früh lernt, erwachsen zu sein. Nach dem Tod beider Eltern leben der elfjährige Oat, seine kleine Schwester und sein älterer Bruder Ek bei ihrer Tante. Ek arbeitet in einer Stricher- und Transenbar und hat schon seit der Schulzeit eine Liebesbeziehung mit Jai, dem Sohn reicher Eltern. Diese ungleiche Liebe wird auf eine entscheidende Probe gestellt, als der jährliche Tag der Einberufung naht, an dem per Lotterie entschieden wird, wer zum Militärdienst muss und wer zu Hause bleiben kann. Der kleine Oat stiehlt beim Maachef der Gegend Geld, um damit den geliebten Bruder, den Ernährer der Familie, vom Militär freizukaufen. Das hat dramatische und traumatisierende Folgen.Aus der Sicht des kleinen Bruders erzählt, wirft der Film einen erfrischend ungeschönten und unvoreingenommenen Blick auf ein eigentlich liebevolles Milieu, in dem jedoch die gesellschaftlichen Verhältnisse von Käuflichkeit, Korruption und falschen Idealen bestimmt sind.
08.02.2015, 20:00, CinemaxX 7
09.02.2015, 20:30, Cubix 7&8
10.02.2015, 14:00, Kino International
15.02.2015, 21:30, Zoo Palast 1
USA 2015
100′
Director: Justin Kelly
Cast: James Franco, Zachary Quinto, Emma Roberts
San Francisco, 1998. Michael arbeitet als queerer Aktivist, der sich leidenschaftlich für die schwul-lesbische Jugend engagiert. Aus einer tiefen Sehnsucht nach Zugehörigkeit heraus schafft er dabei unermüdlich neue Perspektiven für sein eigenes Dasein: Mühelos integriert er den jungen Tyler in die langjährige Partnerschaft mit seinem Freund Bennett. Die drei bereisen Amerika, um das Lebensgefühl schwuler Teenager zu filmen. Anschließend stellen sie die Finanzierung für Michaels eigene LGBT-Zeitschrift auf die Beine. Doch Michael sieht sich in einer falschen Existenz. Nach einem vermuteten Herzanfall sucht er nach einem neuem Gleichgewicht zwischen Sexualität und Spiritualität. Er verlässt Wahlfamilie und Freunde und verankert sich mit meditativer innerer Einkehr und heterosexuellen Experimenten fest im christlichen Glauben.Einfühlsam, in geschickt gegenübergestellten Zeitebenen, nähert sich Justin Kelly in seinem Spielfilmdebüt der ungewöhnlichen Wandlung von Michael Glatze, dem Mitbegründer des Magazins „Young Gay America“ und ehemals bedeutenden Inspirator der LGBT-Community, der nach jahrelanger beharrlicher Selbstreefexion Homosexualität radikal ablehnt und zum Prediger wurde.
Portugal 2014
31′
Director: João Pedro Rodrigues, João Rui Guerra da Mata
Wer bewohnt die alte Iec Long Feuerwerks-Fabrik? Eine Spurensuche in Macao nach der Geschichte von Knallkörpern, Kinderarbeit und den Geistern einer majestätischen Ruine.
Frankreich 2015
85′
Director: Véronique Aubouy
Cast: Julia Perazzini, Nina Langensand, Megane Ferrat, Pauline Leprince
Annemarie Schwarzenbach war eine schillernde Figur der Bohème der Zwanzigerjahre. Die begabte Schriftstellerin war lesbisch, drogensüchtig, Globetrotterin, von betörender Androgynität und, zum Leidwesen ihrer dominanten Nazi-verehrenden Mutter, Antifaschistin. Die Berliner Fotografen Marianne Breslauer bezeichnete sie als das schönste Wesen, das ihr je begegnet sei. Schwarzenbach starb jung, mit 34. Bis Ende der Achtzigerjahre vergessen, werden ihre Bücher seither wieder gedruckt und ihre Biograe rekonstruiert. Véronique Aubouy tut mehr, als Annemarie Schwarzenbach vor dem Vergessen zu retten. Sie holt sie in die Gegenwart. 16 junge Schauspieler und Schauspielerinnen agieren in wechselnden Rollen als Schwarzenbach und deren Freunde und Geliebte. Sie sind zunehmend fasziniert von der Sogwirkung dieser Figur. Das Oszillieren zwischen den Geschlechtern wird zu einem gemeinsamen Projekt. Was als Casting, in dem die jungen Schauspieler aufgefordert werden, ihre Biografien an die der Schriftstellerin anzudocken, beginnt, endet als Beziehungsreigen, in dem die Grenzen zwischen Realität und Inszenierung verschwimmen.
Sie fühlt sich wie ein Junge, mehr noch als die meisten Jungen selbst. Der Dokumentarfilm begleitet die ellfährige Hawaiianerin Ho’onani, die davon träumt, an ihrer Schule die traditionelle Hula-Gruppe anzuführen. Das erzählerische Tanztheater gilt als Herzschlag des hawaiianischen Volks und verlangt viel Übung. Auch hier möchte Ho’onani auf die Seite der Jungen. Eigentlich ist das nicht erlaubt, aber Ho’onani hat Glück mit ihrer charismatischen Lehrerin Kumu Hina. Sie weist Ho’onani einen besonderen Platz in der Mitte zu. Denn auch im alten Hawaii gab es schon ein Leben zwischen den Geschlechtern. Einen Platz für diejenigen, die beide umarmen, Mann und Frau. Kumu Hina weiß, wovon sie spricht. Sie war vor über 20 Jahren ein Mann.Mit ihrem tiefem Wissen vermittelt Kumu Hina den Schülern die Kultur ihrer Vorfahren, die aller christlichen Missionarstätigkeit zum Trotz nicht vergessen ist. Das Zauberwort heißt Aloha. Es bedeutet ein Leben in Harmonie mit dem Land. Und es meint Liebe, Respekt und Wertschätzung für jede und jeden.
Uhrzeit, Kino
08.02.2015, 14:00, CinemaxX 3 10.02.2015, 10:00, Filmtheater Friedrichshain 11.02.2015, 17:30, CinemaxX 7 13.02.2015, 17:30, CinemaxX 1 15.02.2015, 16:00, Kino International
Australien/ Schweiz/ USA 2014 28′ Director: Alexander Carver, Daniel Schmidt Cast: Raul De Nieves, Lydela Leonor, Lea Cetera, Carlos Solis-Keyser
1511 verführen und ermorden die Native People in Puerto Rico einen Vertreter der Kolonialmacht. 300 Jahre später, ein weiteres Kapitel kolonialer Geschichte: Im Auftrag der spanischen Krone reist der Arzt Francisco Javier de Balmis 1803 zusammen mit einer Anzahl Waisenkinder nach Puerto Rico. Sie sind Träger des Lebendimpfstoffs, mit denen Balmis eine erste Massenimpfung gegen Pocken durchführt. Ein Blick in die Gegenwart: 2014 produziert Puerto Rico mit Subventionen aus den USA eine große Anzahl von Pharmazeutika.In La Isla está Encantada con Ustedes verbinden die Filmemacher Stränge kolonialer und postkolonialer Geschichte zu einem lyrischen Film, in dem sich die Dynamiken der Macht und die Lust des Einzelnen spiegeln und ergänzen. Ein moderner Reigen, der das Gestern im Heute neu inszeniert. Der sexuell konnotierte Blick dominiert. Eine Comédie, in der die Wirklichkeit den Machtstrategien untergeordnet ist – und die zeigt, wie Gesundheit und Ökonomie gestern und heute aufs engste miteinander verflochten sind.
Argentinien 2015
103′
Director: Marco Berger
Cast: Ailín Salas, Javier De Pietro, Julián Infantino, Malena Villa
Ein Schmetterling, Sinnbild für Wiedergeburt und Neubeginn, symbolisiert Rominas und Germáns Welt, die aus zwei parallelen Wirklichkeiten besteht. In der einen wachsen sie als Geschwister auf, die sich begehren und versuchen, ihre Liebe ohne sexuelle Erfüllung zu gestalten. In der anderen begegnen sie sich als junger Mann und junge Frau, die eine unbeholfene Freundschaft aufbauen, anstatt ihren Gefühlen füreinander zu folgen. Germán findet sich in einer unstimmigen Beziehung mit Mariela wieder. Marielas Bruder interessiert sich für Bruno. Bruno wiederum ist mit Romina zusammen, sucht aber Germáns Nähe. Im spielerischen Wechsel zwischen beiden Realitäten finden sich die Liebenden zu immer neuen Paaren zusammen, um ihren intuitiven Empfindungen nachzuspüren. Scheu. Und gleichzeitig bereit, alles zu verlieren. Aus seiner faszinierenden Filmidee entwickelt der Teddy-Award- Gewinner von 2011, Marco Berger, ein eindrucksvolles Universum unendlich vielfältiger Liebes- und Freundschaftsentwürfe. Ein von ungewöhnlicher Dynamik beseelter Raum, in dem emotionale Verunsicherung, sexuelle Konfusion, Inzest, Selbsttäuschung, Intuition und spirituelle Verbundenheit ihren Platz haben.
07.02.2015, 20:30, Kino International
08.02.2015, 20:15, CineStar 3
09.02.2015, 23:00, Cubix 7&8
14.02.2015, 19:00, Zoo Palast 1
Tulsa, Oklahoma, ist eine Stadt im Herzen des Bible Belt mit knapp 400.000 Einwohnern, mehr als 4000 Kirchen und nur einem einzigen schwullesbischen Jugendzentrum. Dort treffen sich Larissa, Ben, D und andere Jugendliche, die von ihren Eltern aufgrund ihrer Entscheidung, schwul, lesbisch oder transidentisch zu leben, entweder nicht akzeptiert werden oder aber, im Gegenteil, nach ihrem Outing einen starken Familienzusammenhalt und bedingungslose Liebe zu spüren bekommen. Fast ausschließlich als Beobachter schildert Jannik Splidsboel das Leben der drei Teenager, ihre erste große Liebe oder die Sehnsucht danach, ihr Coming-Out und ihre Zukunftsträume. Unaufgeregt, fast beiläufig, zeigt er, wie D Schritt für Schritt seine prekäre Lebenssituation verbessert und Ben von seinem Bruder lernt, sich selbst zu verteidigen. Larissa und ihre Freundin liefern eine der glitzerndsten und farbenprächtigsten lesbischen Kussszenen der Filmgeschichte. Misfits zeigt drei “normale” Jugendliche, die versuchen, in einem fundamentalreligiösem Umfeld queer zu leben, ihre Geschlechterrolle zu finden, zu lieben und geliebt zu werden.
07.02.2015, 14:30, CineStar 7
12.02.2015, 17:00, CineStar 7
13.02.2015, 12:00, CineStar 7
14.02.2015, 14:00, Kino International
USA 2014
100′
Director: Sebastián Silva
Cast: Kristen Wiig, Sebastián Silva, Tunde Adebimpe, Agustin Silva
Der Wunsch nach einem Baby ist für den Künstler Freddy zur Obsession geworden. Er umgibt sich mit Fotos aus seiner Kindheit, arbeitet fieberhaft an einem Kunstprojekt über Neugeborene und hat mit seinem Partner Mo ihre beste Freundin Polly dafür gewinnen können, ein Kind zu bekommen. Zahlreiche Zeugungsversuche verlaufen jedoch nicht so einfach wie gedacht. Auch die Umsetzung der geplanten Video-Installation gestaltet sich für Freddy kompliziert. Als auch noch der „Bischof“, ein geistig verwirrter Nachbar, die drei mit massiven Schikanen quält, gerät ihr unbeschwertes Dasein in eine gefährliche Schieflage. Eine Reihe überraschender Begebenheiten lassen die Frustrationen eskalieren und Freddy und seine Freunde das Gefühl für die Realität verlieren.Schonungslos und mit satirischer Schärfe entwirft Sebastián Silva das bitterböse Bild einer in vermessener Selbstbezogenheit lebenden Boheme. Der Regisseur selbst spielt Freddy und beleuchtet in ihm die Behäbigkeit, Verbissenheit, Ignoranz und Egomanie eines Gesellschaftskreises, der dabei ist, sich von seinen ursprünglichen Lebensentwürfen zu entfremden.
Tam, ein ängstlicher Einzelgänger, wird von seinen Mitschülern regelmäßig gemobbt. Im engen, dunklen Haus der Eltern schlagen ihm ebenfalls Ablehnung und Misstrauen entgegen, und der Vater verprügelt ihn. Eines Tages verabredet sich Tam online mit dem gleichaltrigen Phum in einem alten, verlassenen Schwimmbad. Beide suchen Sex, finden aber Trost und Geborgenheit in ihrer Begegnung. Zwischen den Jungen entsteht eine enge Verbindung, und bald streifen sie gemeinsam Tag und Nacht über Müllhalden und durch die dunklen Ecken der Stadt. Phum öffnet Tam die Türen zu einer phantastischen Parallelwelt voller Geister und gefährlichen Begegnungen. Obwohl er sich zum ersten Mal geborgen und geliebt fühlt, kann Tam kaum mehr zwischen Traum und Realität unterscheiden und wird immer tiefer in eine Spirale von Paranoia und Gewalt hineingezogen. In seinem Spielfilmdebüt führt Boonyawatana seine Hauptfigur in einen doppelbödigen Mikrokosmos voller Abgründe und spielt dabei geschickt mit den Konventionen unterschiedlicher Genres.
Deutschland 2014
10′
Director: Pauline Boudry, Renate Lorenz
Zwei Performer, Mitglieder einer Untergrund-Organisation, ein Vorhang und pinker Rauch in einem verlassenen Schwimmbad. Räumen die Vorhänge und der Dunst den Körpern, die sie maskieren und tarnen, ein “Recht auf Opazität” (Edouard Glissant) ein?
Zum ersten Mal in der ursprünglich geplanten, halbstündigen Version zu sehen: Die erste filmische Arbeit des Avantgarde-Regisseurs Ken Jacobs – ein Dokument der pulsierenden jüdischen Nachbarschaft Manhattans, in der Jacobs aufwuchs.
09.02.2015, 20:30, AKD Hanseatenweg
11.02.2015, 12:30, Kino Arsenal 1
Eine Reality-Soap-Opera aus der Kunstwelt: Eine Familie feiert den Geburtstag des Vaters. Jedes Familienmitglied arbeitet in der Kunstszene und wird von Akteuren des Kunstmarkts verkörpert. Dabei werden gut gehütete Realitäten der Kunstwelt enthüllt.
Chile 2015
29′
Director: Omar Zúñiga Hidalgo
Cast: Samuel González, Antonio Altamirano
Lucas und Antonio. Zwei junge Männer, die sich in einem abgelegenen Fischerdorf im Süden Chiles kennen und lieben lernen. Der eine lebt dort, der andere ist auf Besuch. Sinnlichkeit bestimmt die Geschwindigkeit der Erzählung und das Leben der beiden in den nächsten Tagen: Spiegel sein im anderen. Sich erkennen. Sich zulassen. Als das Dorf gegen die Liebe der beiden Männer rebelliert, markiert die Erfahrung dieser Begrenzung einen größeren Schritt im Erwachsensein von Lucas und Antonio.Eine einfache Geschichte von Liebe und Hingabe, inszeniert im Stil des Cinéma direct. Ein nicht so einfaches Setting im tiefsten Süden von Chile, wo alles, was aus dem vermeintlich Normalen ausbricht, sofort vernichtet, betraft werden muss. Die Figuren wissen um die Begrenzung im Dörflichen. Die romantische Idee, Widerstand zu leisten, währt nur kurz, wichtiger ist das Leben und die gefundene Liebe. Weitergehen. Über sich hinausgehen.
09.02.2015, 16:00, CinemaxX 5 11.02.2015, 22:00, CinemaxX 3 13.02.2015, 17:45, Colosseum 1 15.02.2015, 16:00, Kino International
Frankreich/ Litauen/ Niederlande 2015
88′
Director: Alanté Kavaïté
Cast: Julija Steponaityté, Aisté
Durité, Juraté Sodyté, Martynas Budraitis
Tanzende Loopings und Pirouetten von Kunstfliegern elektrisieren die 17-jährige Sangailė. Aber sie hat Höhenangst und könnte sich nie in ein Cockpit setzen. Schweigsam und verschlossen verbringt sie den Sommer auf dem Land in der Ferienvilla ihrer Eltern und besucht so oft wie möglich die nahe gelegenen Flugshows. Dort begegnet sie Auste, die mit beeindruckender Selbstbestimmung und Phantasie ihren Alltag gestaltet. Austes offensive Unbefangenheit fasziniert Sangailė. Gemeinsam probieren die beiden Mädchen alles aus, was das Landleben zu bieten hat. Schnell kommen sie sich dabei näher. Als Sangailė Auste schließlich ihr intimstes Geheimnis entdecken lässt, empfindet sie eine ungewohnte Geborgenheit, aus der sie den Mut schöpft, ein erstes Mal zu fliegen.In schwerelosen, lichtdurchfluteten Kinobildern fügt Alanté Kavaïté die isolierten Gefühlswelten zweier gegensätzlicher Mädchen zum Universum einer jungen Liebe. Einfühlsam und mit sinnlicher Intensität erzählt sie von tiefer Nähe, leidenschaftlicher Hingabe und labilen Kollisionen, von Verletztheit und Selbstvertrauen.
07.02.2015, 20:00, CinemaxX 7
08.02.2015, 22:45, CineStar 3
09.02.2015, 14:00, Kino International
15.02.2015, 19:00, Zoo Palast 1
Brasilien 2014
119′
Director: Lirio Ferreira
Cast: Daniel de Oliveira, Caroline Abras, Sandra Coverloni, Rômulo Braga
Ein Schiff mit einem Zirkus an Bord nähert sich einer Insel im südlichen Atlantik. Am Abend bei der Vorstellung präsentiert der Zirkusbesitzer und Illusionist Kaleb den Artisten Zolah, dem sofort alle Herzen zufliegen. Zolah ist Pedro, der die Insel vor 20 Jahren als Neunjähriger verließ. Die Wiederbegegnung mit seiner Mutter Rosa und seiner introvertierten Schwester Raquel konfrontieren den weitgereisten Akrobaten mit alten Verletzungen und verdrängten Sehnsüchten. Raquels Welt ist das Meer, in dessen Tiefen sie sich immer wieder zurückzieht. Sie wünschte, Pedro wäre ein Teil davon. Fragen erwachen in Pedro. Warum hat seine Mutter ihn damals fortgeschickt? Während Inselbewohner und Zirkuskünstler in einen munteren Austausch miteinander treten, suchen Pedro und Raquel nach Raum für sich. Schuldgefühle, Rivalität und besitzergreifender Stolz werden für die Familie zur Herausforderung. Lirio Ferreira reflektiert die Risikobereitschaft der Geschwister in Bildern von eindrucksvoll virtuosen Zirkusnummern, welche er mit Elementen der antiken Tragödie und magischen Bildern vom Meer zu einem fulminanten Kinoerlebnis zusammenfügt.
Kenia 2014
60′
Director: Jim Chuchu
Cast: Kelly Gichohi, Janice Mugo, Jimmy Wanjala, Tim Mutungi
Mehrere Monate zogen Mitglieder des multidisziplinären Kunst Kollektives NEST durch Kenia und sammelten Geschichten von jungen LGBTI Menschen, von ihren Erfahrungen und ihrem Alltag in dem noch sehr homophob geprägten Land. Aus unzähligen anonymen Interviews entwickelten sie fünf Drehbücher für Kurzfilme, die einen Überblick über die gegenwärtige Situation und die Probleme der sexuell marginalisierten Jugendlichen liefern. In kurzen, schnörkellosen Szenen, klaren, poetischen Schwarz-Weiß-Bildern und ruhigen Tönen inszenierte Jim Chuchu die Episoden, die so unterschiedliche Themen wie Selbstfindung und Selbstbestimmung, Zwangsheterosexualisierung und Akzeptanz behandeln, eines jedoch gemeinsam haben: Alle erzählen vom Verlangen nach Liebe und der Angst davor, diese öffentlich zu leben. Eine Angst, die immer wieder zu der Frage führt, ob es besser ist, sich zu verstecken, zu resignieren und das Land zu verlassen oder zu bleiben und offen für sexuelle Vielfalt zu kämpfen. Trotz des Verbots, ihren Film in Kenia öffentlich zu zeigen, haben sich die NEST-Mitglieder für Letzteres entschieden und führen den Kampf um Anerkennung weiter.
08.02.2015, 17:45, CineStar 3
12.02.2015, 20:00, Kino International
13.02.2015, 17:00, CineStar 7
14.02.2015, 12:00, Zoo Palast 2
Deutschland/ Spanien 2014
61′
Director: Ion de Sosa
Cast: Manolo Marín, Moisés Richart, Marta Bassols, Coque Sánchez
Wir schreiben das Jahr 2052, aber die Zukunft steckt noch mit einem Fuß in der Vergangenheit. Nichts an den auffällig künstlichen Wolkenkratzern oder der Strandpromenade aus Neonlinien deutet darauf hin, dass es nicht doch erst 1975, 1995 oder 2015 ist. Menschen sind kaum zu sehen und viele Wohnungen stehen leer. Eine stille Einöde aus freigelegten Drähten, Stuckfragmenten und einer dicken Staubschicht. Wer hier ausharrt, ist sichtlich stolz auf sein Heim und stellt seinen Krempel zur Schau oder schwingt ausgiebig das Tanzbein. Es ist nicht gerade der Ort, wo man einen Kopfgeldjäger erwartet, aber die Roboter müssen nun einmal eliminiert werden, zumal sie uns Menschen immer ähnlicher sehen.Ion de Sosas freie Adaption von Philip K. Dicks „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ ist rätselhaft. Sie ist sowohl minimalistisches Genrestück und versteckte Abhandlung über Verschiedenheit als auch ein nahezu dokumentarisches Essay über den irrealen Status quo in Spanien. Und wie es der Titel andeutet, träumen Androiden wirklich: von abgelegenen Orten und neuen Möglichkeiten, alten Sommerhits, einer Umarmung und einem Schaf an der Leine vor einem Panorama aus Hochhäusern und Bergen.
07.02.2015, 21:30, Delphi Filmpalast 08.02.2015, 22:30, Kino Arsenal 1 11.02.2015, 22:00, AKD Hanseatenweg 14.02.2015, 16:30, CineStar 8
Argentinien/ Dänemark 2015
22′
Director: Leonardo Brzezicki
Cast: Julian Larquier, Diego Echegoyen, Laila Maltz, Martina Juncadella
Einmal am Tag drehen Hauskatzen buchstäblich am Rad. Totaler Energieausbruch, der maximal eine halbe Stunde dauert. Niemand weiß warum. Das ist einfach so. Juan geht es ganz ähnlich. Warum weiß auch er nicht, es hat ihn einfach gepackt. Der Verlust der Hingabe. Warum soll er einen Ball über das Netz spielen und warten, dass er zurückgeschlagen wird, und dabei darauf achten, dass er innerhalb der weißen Markierungslinien bleibt? Liebt er Pedro noch, nein, oder doch? Pedro kennt das schon und nimmt ihn an die Hand. Gemeinsam gehen sie in die Nacht und streunen, Katzen gleich, durch die Straßen von Buenos Aires. Der Film folgt weniger einer erzählerischen Logik als menschlichen Gefühlen, ohne jedoch jemals die Fäden der Handlung ganz aus den Händen zu geben.
Dänemark/ Deutschland/ Niederlande/ USA 2014
92′ Director: Laura Nix, Andy Bichlbaum, Mike Bonanno
https://www.youtube.com/watch?v=LqjYjiCZSUw
Nach bald zwei Jahrzehnten des humorvollen Guerilla-Aktivismus gegen die Gier der Wirtschaft und die Korruption der Politik unter dem Banner der Yes Men haben Alltag und Sinnkrisen die beiden Gründer eingeholt. Mike Bonanno hat Frau und Kinder, während Andy Bichlbaum die Hoffnung auf eine dauerhafte Beziehung mit seinem Freund noch nicht aufgegeben hat. Ihre kritischen Aktionen, in denen sie sich unter anderem als Sprecher der US-Handelskammer oder von Shell ausgeben, um der verwunderten Presse einen Richtungswechsel zu verkünden, verpuffen bisweilen ohne die gewünschte Wirkung. Die gewachsene private Verantwortung hat ihren Effekt auf die gemeinsamen Aktionen. Dennoch fühlen sie sich verpflichtet, dem Klimawandel, der alle bisherigen Probleme der Menschheit in den Schatten stellt, energisch entgegenzutreten. Und so holen sie sich externe Helfer, um neue, spektakuläre Aktionen durchzuführen. Aus wechselnder Tagebuchperspektive von Andy und Mike erzählt der inzwischen dritte Film über die Yes Men (PanoramaPublikumsPreis 2009) vom Auf und Ab einer kreativen Freundschaft und dokumentiert vergnüglich gescheiterte wie auch gelungene Aktionen der beiden von 2009 bis heute.
10.02.2015, 20:00, CineStar 7 11.02.2015, 22:30, CineStar 7 12.02.2015, 22:30, Colosseum 1 13.02.2015, 14:00, Kino International
Ein Makake, der in Japan zum Kellner ausgebildet wurde, sitzt allein in einer verlassenen Gaststube. In diesem dystopischen Setting wartet der Affe auf seinen Auftritt, gefangen in seiner Rolle, gezwungen das menschliche Dasein aufzuführen.
10.02.2015, 19:00, AKD Hanseatenweg 11.02.2015, 16:15, Kino Arsenal 1
Albanien/ Deutschland/ Italien/ Kosovo/ Schweiz 2015
90′ Director: Laura Bispuri Cast: Alba Rohrwacher, Flonja Kodheli, Lars Eidinger, Luan Jaha
Hana wächst in der archaischen Berglandschaft Albaniens auf. Hier herrschen noch die alten Gesetze und tradierten Geschlechterrollen. Sie flieht vor dem Schicksal einer Ehefrau und Dienerin, indem sie nach dem Kanun – dem traditionellen Recht – den Schwur ewiger Jungfräulichkeit ablegt. So opfert sie für die vermeintliche Freiheit ihre Weiblichkeit. Von nun an wird sie wie ein Mann behandelt, sie erhält einen Dolch und den Namen Mark. Doch nach zehn Jahren in der Abgeschiedenheit entschließt sie sich, ihr Leben zu ändern und setzt sich in den Zug nach Mailand. Dort wohnt ihre Schwester mit Familie. Und die hat nicht unbedingt auf Hana gewartet …In ihrem Debütfilm begleitet Laura Bispuri eine junge Frau auf einer schwierigen und schmerzhaften Odyssee fort aus der archaischen Bergwelt in das moderne Leben der Großstadt. Der Film erzählt die Geschichte einer Frau, die ihre Geschlechtlichkeit neu entdeckt. Die einfühlsame Studie bedient sich allegorischer Bilder, um die Ambivalenzen in Hanas Gefühlsleben anzudeuten, und kommt mit wenigen Dialogen aus. Sie vertraut auf Blicke, Gesten und eine Hauptfigur, die sich der eigenen Widersprüchlichkeit stellt.
12.02.2015, 19:00, Berlinale Palast 13.02.2015, 12:00, Friedrichstadtpalast 13.02.2015, 19:00, Haus der Berliner Festspiele 13.02.2015, 21:00, Friedrichstadtpalast
Frankreich 2015
80′
Director: Vincent Dieutre
Cast: Simon Versnel, Vincent Dieutre, Emmanuel Pierrat
Ein Paar fährt nach Italien. Auf der Reise wird ihnen der Zustand ihrer Beziehung bewusst: Sie streiten, gehen getrennte Wege, überlegen sich scheiden zu lassen. Vincent Dieutre hat Viaggio in Italia neuverlmt und seinem eigenen Leben angeglichen. Bei ihm werden Alex und Kate zu Alex und Tom, gespielt von ihm selbst und seinem Freund Simon. Dieses neue Paar bewegt sich an den gleichen Orten, erlebt Paralleles, und doch ist ihre Neapel- Erfahrung zwangsläufig eine ganz andere. Die Stadt hat sich verändert, Beziehungen werden anders geführt, Tourismus ist digitaler geworden. Während das Paar sich entfremdet, bewegt sich Vincent, der Filmemacher, mit seiner Kamera durch die Stadt. Rossellinis Film habe ihn geformt, sagt er. Wir hören seine Gedanken zu einem Remake, Notizen an sich selbst, Gespräche mit einem Copyright-Anwalt. Isabella Rossellini sagt ab. Am Ende ist in der Welt von Vincent und Simon, von Tom und Alex, die Prozession der Schlussszene einem Fußballspiel gewichen: Was dort noch heilig war, wird hier zur Ausschreitung. Aber das Wunder von Rossellinis Film bleibt und schreibt sich in die Körper der beiden Männer ein: Stimmen überlagern Bilder, Bilder überlagern Körper.
09.02.2015, 19:00, Delphi Filmpalast 11.02.2015, 21:45, CinemaxX 4 12.02.2015, 11:00, CineStar 8 13.02.2015, 17:30, Kino Arsenal 1
Träume und Erinnerungen werden zu Geheimnissen. Fünf kurze Geschichten: „Helicopter“, „Sunday“, „Doggie-photographer“, „Mausoleum“ und „Apocalypses“ nehmen Bezug auf den Mythos der Göttinnen des Schicksals, die die Fäden des menschlichen Lebens spinnen.
12.02.2015, 17:15, AKD Hanseatenweg 13.02.2015, 18:00, Kino Arsenal 1
Japan 2015
82′
Director: Daigo Matsui
Cast: Ai Hashimoto, Jun Aonami, Yû Inaba, Gô Rijû
Als Gothic Lolita erreicht die 17-jährige Shiori mit ihrem Blogcast viele Fans. Wann immer sie kann, spricht sie dort über sich, gibt Schminktipps und freut sich über die wachsende Zahl ihrer Besucher. Nach dem Shooting für einen Musikclip begegnet die selbstbewusste Shiori einem seltsamen Mädchen, der jungen Ayumi. Sie ist ein Fan von Shiori und kopiert deren Stil. Sie ist verstört, einsilbig, als hätte sie noch nichts Eigenes zu sagen. Sie ist von zu Hause abgehauen, um Shiori zu folgen. Verunsichert, aber auch geschmeichelt, lässt Shiori sich auf Ayumi ein. Die Geschichte der verqueren Freundschaft zweier Mädchen ist auch eine quietschbunte Reise durch die artifiziellen Welten japanischer Teenager. Sie machen verrückte Sachen und träumen von ihrem Durchbruch. Privates wird ausschließlich in Blogs besprochen. Die Auösung tradierter Kommunikationsformen spiegelt der Film auch in seiner Ästhetik wider. Online-Chats überlagern das Geschehen. Der Smartphone-Bildschirm wird auf die Leinwand gebracht. Zwei Musikclips von Seiko Oomori – im Film Shioris Lieblingsmusikerin – aufgreifend, endet der Film wie ein Comictraum.
Taiwan 2015
178′
Director: Chang Tso-Chi
Cast: Lee Hong-Chi, Chen Jen-Shuo, Huang Shang-Ho, Lu Hsueh-Feng
Die Kamera heftet sich an die Fersen zweier Brüder, der eine schwul, der andere hetero. Beide suchen einen Job und Geld, um zu überleben. Beide suchen sich selbst, sehnen sich nach Rückhalt. Der jüngere Bruder verkauft Gemüse auf dem Markt und trifft dort eine junge Frau, die nicht sprechen kann, aber gerne allerhand verrückte Sachen anstellt. Der Ältere fühlt sich zu einem Nachtclubtänzer hingezogen und verstrickt sich in dubiose Geschäfte. Der Film nimmt den Rhythmus ihres Driftens und Abdriftens auf, ist ganz nah an seinen Helden. Einsame Momente am Fluss, ausgelassene Streifzüge durch die Clubszene im nächtlichen Taipeh, das Geschrei auf dem Markt, stille Stunden zu zweit – immer wieder wechselt die Tonlage und damit die Stimmung. Zui Sheng Meng Si beweist einmal mehr, dass das junge taiwanesische Kino nicht auf eine klassische Dramaturgie zurückgreifen muss, um sein Publikum zu fesseln. Es ist ein Leben in der Schwebe, ohne feste Koordinaten. So wird der Film auch zu einem Sittengemälde, zum Panorama einer Gesellschaft, die der jüngeren Generation keinen Platz zu bieten hat.
Wie intolerant ist Hollywood gegenüber Homo- und Transexuellen? Dieser Frage ging eine Umfrage* unter tausenden Hollywood-Schauspielern nach. Das Ergebnis zeigt ein trauriges Bild der Traumfabrik.
Billie kann kaum glauben, dass ihre Mutter sich einer Geschlechtsanpassung unterziehen will. Aber James – so der neue Name – hat sich zeitlebens gewünscht, ein Mann zu sein. Auch bei Billie ist einiges im Wandel. Nachdem sie neugierig die heimlichen Liebesspiele eines Schülerpaares beobachtet hat, erkunden die Jugendlichen zu dritt ihre Sehnsüchte und Grenzen. Als James Billie vor Schaden zu behüten versucht, droht ihre fragile Beziehung zu zerbrechen. Die als Dokumentarfilmerin bekannte Sophie Hyde verwendet in ihrem ersten Spielfilm dokumentarische Stilmittel. Um ein Höchstmaß an Authentizität zu erreichen, wurde ein Jahr lang gedreht, aber immer nur dienstags, und die Geschichte währenddessen entwickelt.
Eine Gruppe tanzt auf einem Sportplatz zur Musik von Supertramp. Die Geschwister tragen Blumen an das Grab im tiefen Schnee, Blumenkränze im Haar. Der Vater dirigiert die Geschwister. Sie umarmen sich. Die Erinnerung hält Einzug über Bilder, die im Amulett des Bruders, Gabriel, geborgen sind. Die Mutter ist tot – wie die Leere füllen, die sie hinterlässt? Jedes einzelne Familienmitglied sucht seinen Weg. Muss seinen Weg neu bestimmen. Es sind ruhige Bilder und Gesten, die durch diesen Film führen. Mystische Bilder und Gedanken, die immer auch auf das Konkrete im Hier und Jetzt treffen. Wirklich wichtig ist nur, wie es weitergeht, mit der Mutter im Herzen.
Bim bam boom, begrüßen Sie die Moreno Sisters! Unter dem Namen LAS LUCHAS MORENAS praktizieren sie den Nationalsport Mexikos: Wrestling. Alle drei gehören zur Moreno Dynastie: Rossy, Esther und Cynthia kämpfen als Profi-Wrestlerinnen. Der Lucha Libre ist aber auch Teil Ihres Lebens: Sie kämpfen mit Schweineköpfen, Blumen und Federn. Marie Losiers charakteristische tanzende Kamera umkreist die drei Frauen und schafft dabei eine fröhliche, musikalische Ode an die Fantasie, an das Kind, das in jedem Erwachsenen steckt und an die Kultur Mexikos. Marie Losier, geboren 1972 in Frankreich, ist Filmemacherin und Kuratorin. Zurzeit lebt und arbeitet sie in Berlin.
Auf dem Sterbebett blickt der Maler Michelangelo Caravaggio (1571–1610) auf sein Leben zurück. Seine Kindheit in Bergamo und Mailand, die Förderung seines Talents durch Kardinal Del und vor allem die Begegnungen mit seinen Modellen scheinen noch einmal auf. Die Vorbilder für seine biblischen Figuren findet Caravaggio unter Außenseitern: Bei seinen Ausflügen zu den Armen, Dieben und Trinkern lernt er auch den Spieler Ranuccio und dessen Geliebte, die Prostituierte Lena, kennen. Jarman zeichnet das (fiktive) Porträt eines Künstlers zwischen Ausschweifung und sozialem Protest, wobei er Caravaggios Kunst kongenial auf die Filmleinwand übertrug. CARAVAGGIO wurde 1986 mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet.
João, 52, Schauspieler und Transvestit, hat seine besten Jahre schon hinter sich. Er ist krank, hat Liebhaber und Weggefährten verloren und wirkt müde, setzt seinen Lebenswandel indes unbeirrt fort. Gemeinsam mit seiner Mutter bewohnt er zwei Zimmer in einer abgeriegelten kleinbürgerlichen Wohnanlage, nachts tritt er in kleinen Theatern und Schwulenbars auf. Mindestens genauso viel Zeit wie für Joãos Performances und sein unvergessliches Gesicht nimmt sich der Film für die einsamen Momente in schäbigen Backstage-Räumen und die präzise Erkundung eines – mal zärtlichen, mal unbarmherzigen und brutalen – Milieus, dessen flüchtiger Glanz billige Oberfläche ist. Auf vielschichtige Weise verbinden sich dokumentarische Beobachtung, Inszenierung und fiktive Elemente zu einer Erzählung über Leben und Tod.
Das Anfang der Vierzigerjahre gegründete Netzwerk um die Zeitschrift DER KREIS überlebte als einzige Schwulenorganisation die Herrschaft des Naziregimes und blühte in der Nachkriegszeit zu einem international beachteten Underground-Club auf. Legendäre Maskenbälle in Zürich boten 800 Besuchern aus ganz Europa einen sicheren Freiraum. Hier verliebt sich 1956 der schüchterne Lehrer Ernst Ostertag in den Travestie-Star Röbi Rapp. Ernst sucht nach einem Weg, über die Grenzen des “Kreises“ hinaus für die Normalität seines Schwulseins zu kämpfen, ohne seine Anstellung als Lehrer zu verlieren.
Stefan Haupts neuer Film entfaltet das faszinierende Universum einer der ersten schwulen Emanzipations-Communitys.
Im Brandenburgischen fürchtet man den Wolf. Nach dieser Nacht aber werden die Leute sich wünschen, es wäre nur ein Wolf gewesen, der sie heimsucht, statt dieses beunruhigenden Albtraums in Gestalt eines Fremden, der mit einem Samuraischwert bewaffnet am Waldrand aufgetaucht ist und eine Spur der Verwüstung gezogen hat. Vor allem für den jungen Dorfpolizisten Jakob ist die Begegnung mit dem Samurai eine Konfrontation mit den eigenen Dämonen und den verleugneten Seiten seiner selbst. Von klein auf unterdrückt, brechen sie in dieser Situation Furcht einflößend stark auf – und es wächst im Verborgenen der Drang, das Geschenk seines Gegners anzunehmen, sich lustvoll und enthemmt der Grenzüberschreitung hinzugeben.
Nach dem Tod seiner Großmutter kehrt Hansel aus San Francisco zurück nach Kuba, um sich um seinen Bruder Marcos, der Trisomie 21 hat, zu kümmern. Die beiden sind sich fremd geworden. Marcos vermisst seine Großmutter und will ihren Tod nicht akzeptieren. Sie war die Einzige, zu der er großes Zutrauen hatte, die sich liebevoll und geduldig um ihn kümmerte, ihn vieles lehrte. In Hansel sieht Marcos vorerst nur einen Eindringling in seine Welt. Er verbringt die meiste Zeit auf dem Balkon, sucht die Straße mit Blicken ab und spielt nun allein ein Spiel, das er früher immer zusammen mit seiner Großmutter gespielt hat: Warten auf ein oranges Auto.
Ein älteres schwules Paar in einer norditalienischen Großstadt erzählt von seiner jahrzehntelangen Beziehung. Ein Mann beschreibt, wie er von seinem Vater wegen seiner sexuellen Identität misshandelt wurde. Ein anderer Mann berichtet von einem sexuell erfüllten Leben. Quer durch alle Klassen und Regionen des Landes kommen schwule Männer zu Wort. Sie erzählen von den unterschiedlichen Verhältnissen, die schwules Leben in Italien bestimmt haben. Es geht um Abgrenzung, Diskriminierung, Leid oder Gewalt, aber auch um glückliche Lebensentwürfe. Mit FELICE CHI È DIVERSO erzählt Gianni Amelio eine schwule Geschichte Italiens seit dem Faschismus. Seine anthropologische Studie wird zu einer Kulturgeschichte des Landes.
1999 kollabierte nach einem Korruptionsskandal das ecuadorianische Bankensystem. Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse begleitet der Film den Ferienaufenthalt des 16-jährigen Juan Pablo bei der Familie seines reichen Onkels. Nachts beobachtet er, wie Helfer seines Onkels brutal einen Mann misshandeln, der sich an ihren Autos zu schaffen gemacht hat. Nachdem Juan Pablo einem Begleiter des Opfers zur Flucht verhilft, verbindet die beiden bald nicht nur diese gemeinsame Erfahrung. Juan Pablo findet den Mut, seinen Gefühlen für den attraktiven Juano nachzugehen, ohne zu wissen, ob sie erwidert werden. Es sind Wochen, in denen nicht nur sein Land unruhige Zeiten erlebt. Auch bei Juan Pablo selbst gerät vieles ins Wanken.
Anfang der Fünfzigerjahre wächst die kleine Franzi im österreichischen Städtchen Judenburg auf. Ihr Elternhaus wird von ihrem rigiden und unberechenbaren Vater dominiert. Der Vater hatte einige Jahre als französischer Fremdenlegionär in Marokko und Syrien verbracht. Eine Zeit, die er teilweise verklärt, und in der er bis heute gefangen ist. In dieses Universum taucht Franzi anhand einer Fülle betörend-verstörender Fotos ein, die der Vater damals aufgenommen hat. Jahrzehnte später unternimmt die inzwischen erfolgreiche, aber immer noch im Schatten des Vaters stehende Fotografin Franziska eine Reise in dessen Jugend. Sie will sein Kriegstrauma verstehen und Licht in die Vergangenheit der Familie bringen.
John Maloof liebt Zwangsversteigerungen, bei denen man private Nachlässe erstehen kann. Eines Tages macht er eine erstaunliche Entdeckung: ein Karton mit unentwickelten Filmen und Negativen. Bewegende Momentaufnahmen aus dem amerikanischen Alltag kommen zum Vorschein. Auffällig sind die zahlreichen Fotos von Kindern. Wer war die Person hinter der Kamera? Warum wurden die Fotografien von Vivian Maier nie entdeckt? John Maloof beginnt, zu recherchieren. Er folgt den Lebensspuren von Maier, die selbstbewusst die Welt mit ihrer Kamera bereiste. Es entsteht das faszinierende Porträt einer Künstlerin mit offenem Blick, vor deren Objektiv sich auch fremde Menschen in die Seele blicken ließen.
Seit 2005 bittet Produzent und Initiator Kristian Petersen schwule und lesbische Regisseur*Innen aus verschiedenen Städten, kurze Spiel- und Dokumentarfilme zu produzieren. Mit FUCKING DIFFERENT XXY sollen die Binaritäten der klassischen Genderidentitäten aufgelöst werden. Hier haben sieben transidentische Filmemacher*Innen aus aller Welt Kurzfilme über Aspekte von Sexualität, die ihnen selbst fremd sind, gedreht. Stereotype über die anderen und über das, was “normal“ ist, die auch in der queeren Gemeinschaft existieren, sollen durch die Filmreihe aufgebrochen werden. Um mit dem Motto des Films zu sprechen: Brecht Stereotype, stiftet Verwirrung und feiert die Vielfalt!
Giovana ist Leos beste Freundin. Aber ihre Nähe hat Grenzen. Leo ruht in sich, auch die Sticheleien seiner Mitschüler bringen seine innere Unabhängigkeit nicht zum Wanken. Müde vom Schutz seiner Eltern möchte der blinde 15-Jährige sein Leben allein bestimmen. Mit der Ankunft eines neuen Klassenkameraden, Gabriel, gewichtet Leo seinen Alltag neu. Doch so ungezwungen er sich seiner Empfindungen Gabriel gegenüber bewusst wird, so tief lässt er sich von der zurückhaltenden Zuwendung des Freundes verunsichern.
Mit träumerischer Leichtigkeit lässt der Gewinner des Gläsernen Bären 2008 die Protagonisten seines ersten Langfilms in einem Gefühlskosmos aufwühlender Anziehungen und scheuer Berührungen einander umkreisen.
Ukwaluka, ein altes Beschneidungsritual für junge Männer, ist beim Volk der Xhosa im Süden Afrikas noch weit verbreitet. Der Jugendliche wird zum Mann. Ein Junge, der die Beschneidung gerade hinter sich hat, sitzt im Halbdunkel einer einfachen Hütte auf einem Hügel, weit weg vom Dorf, ganz so, wie es der Inititationsritus vorschreibt. Der Junge ist mit Farbe aus Lehm geschminkt, schneeweiß wie eine Ziege. Es soll die Zeit der Heilung sein, aber ihm ist kalt, und er hat Schmerzen. Sein Großvater, der ihn in das neue Leben einweisen soll, ist bisher noch nicht erschienen. Im Glauben der Xhosa heilt das Ukwaluka auch vom homosexuellen Begehren, für das in der Welt der Erwachsenen kein Platz ist.
Der an Krebs erkrankte Dichter Mario Wirz spricht bei einem Spaziergang mit seinem Freund Rosa von Praunheim eineinhalb Monate vor seinem Tod freimütig über die letzten Dinge, die Kraft der Liebe und die Kraft des positiven Denkens: „Lass uns leben!“
MONDIAL 2010 verhandelt institutionelle Grenzen im heutigen Mittleren Osten. Video wird hier als Mittel eingesetzt, mit dem Grenzen überwunden werden können, die Menschen gegen ihren Willen aufgezwungen wurden. Es ist ein Reisefilm in einer Anordnung, die keine Reisen erlaubt, in dem zwei Liebende auftreten, an einem Ort, an dem Homosexualität als schwere Straftat geahndet wird. Der Film normalisiert das Unormale und schafft dadurch sein eigenes Möglichkeitsuniversum. Er wendet sich von der üblichen passiven Darstellung des Israel-Palästina-Konflikts ab, in der Opfer/Täter stets im Vordergrund der produzierten Bilderwelt stehen. Dieses Video lässt den Konflikt nicht das Bild bestimmen.
Nachdem im Juni 2011 die Homo-Ehe in New York legalisiert wird, heiraten Ben und George nach 39 gemeinsamen Jahren. Als daraufhin Georges Musiklehrerstelle an einer katholischen Schule fristlos gekündigt wird, verlieren sie ihre Wohnung in Chelsea. George kommt bei einem schwulen Polizisten-Paar unter, Ben wird von der Familie seines Neffen in Brooklyn aufgenommen. Regisseur Ira Sachs, der 2012 den TEDDY AWARD für KEEP THE LIGHTS ON gewann, entwickelt mit seinen Stars die Geschichte der Existenzberaubung zu einer einfühlsamen Partnerschaftsstudie: Alfred Molina und John Lithgow erschaffen ein Paar, das selbstherrlich regierender Behäbigkeit mit entwaffnender Zuversicht begegnet und sich und uns mit seiner Liebe verzaubert.
Shankaran entdeckt einen Papilio Buddha, einen seltenen Schmetterling, der nur in den indischen Western Ghats beheimatet ist. Ein Moment fast perfekten Glücks für ihn und seinen schwulen Freund Jack. Der Amerikaner begleitet Shankaran nach Hause und wird Zeuge eines Streits mit dessen Vater. Der Vater ist Anführer einer Gruppe von Dalits, Kastenlosen oder Unberührbaren. Aus Sicht der Polizei sind sie Terroristen, obwohl ihre Rechte in der Verfassung geregelt sind. Auch Shankaran kommt ins Gefängnis und Jack wird wegen seiner Nähe zu ihm kurzerhand ausgewiesen. Der Film zeigt bildmächtig und ohne politische Tabus, wie sich eine Dalit-Community gegen erstickende Traditionen zur Wehr setzt. Das Paradies wird zur Kampfzone.
1912 bat die Schauspielerin Albertine Zehmke den Komponisten Arnold Schönberg, einen Teil des Gedichtzyklus Pierrot Lunaire, verfasst von Albert Giraud, zu vertonen: Schönberg arrangierte 21 der ca. 50 Gedichte zu einer Komposition. Es wurde eines seiner innovativsten Musiktheaterstücke. 2013 holt LaBruceseinen Pierrot Lunaire auf die Straßen Berlins und verfilmt eine dunkle Geschichte der Sehnsucht, der Liebe und der Transgression. Der Soundtrack des Films ist Demil Petroviçs Neuinterpretation von Schönbergs Musical, gesungen von Susanne Sachsse. Auf einer wahren Geschichte beruhend, ist LaBruces Pierrot Lunaire die angemessene queercore-Version eines der innovativsten Stücke atonaler Musik.
Das Wasser ist das Element des Rettungsschwimmers Donato und das Meer sein Zuhause. Als zwei Männer in eine Strömung geraten, kann er den deutschen Touristen Konrad retten, doch dessen Freund holt die See. Retter und Überlebender kommen sich schnell näher und Donato folgt Konrad nach Berlin, in eine Stadt, die nicht am Meer liegt, in der man sich jedoch neu erfinden kann. Jahre später wird Donato mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Wütend steht sein jüngerer Bruder Ayrton vor der Tür und will wissen, warum Donato ihn verlassen hat.
In seinem neuen Spielfilm folgt der in Berlin lebende brasilianische Regisseur Karim Aïnouz erneut Liebes- und Identitätssuchern, die alles riskieren, um zu sich selbst zu finden.
Du wirst schön sein, und es tut nicht weh. So verspricht es Dorina, die aus Japan nach Manila gekommen ist und hier Dutzenden von Kundinnen hilft, ihren Traum zu verwirklichen, einmal Siegerin des Miss-Gay- oder Miss-Amazing-Wettbewerbs zu werden. In den exzentrisch bunten Kostümen der Shows sieht man ihnen nicht mehr an, dass zuvor Spritzen mit Implantationsflüssigkeiten gesetzt wurden: an Wangen und Nasenflügeln, Lippen, Brüsten, Hüften und Hintern. Mit dokumentarischer Genauigkeit und in atemberaubendem Tempo folgt Regisseur Eduardo Roy, Jr. den Wegen seiner Heldin durch den Dschungel einer von Schönheitswahn und Aufstiegshoffnung beseelten Gemeinde.
Im Mittelpunkt von Jarmans erstem Spielfilm, den er 1976 realisierte, steht der Heilige Sebastian. Erzählt wird die Geschichte des Gardisten Sebastiane, der an einen des Reichs verbannt wird. Dort vertreiben sich die Soldaten in der Hitze die Zeit mit Schwertübungen und erotischen Spielen. Weil Sebastiane sich zum Christentum bekennt, wird er von seinen Kameraden mit Pfeilen getötet. Der Heilige Sebastian – kaum ein Motiv der christlichen Mythologie hat die Maler und Schriftsteller bis heute so sehr zur Auseinandersetzung mit dem männlichen Körper inspiriert wie diese Märtyrerszene. Jarman interpretiert den Heiligen nicht nur in der Tradition der Renaissancekünstler, sondern auch als schwule Ikone.
Das Jahr: 1985. Der Schauplatz: das Schwulenmekka San Francisco. Der introvertierte Frankie ist die Zweitbesetzung bei einer Modern-Dance-Kompanie. Todd, ein etablierter Tänzer der Gruppe, geht mit seiner Homosexualität offensiv um. Als einer der Tänzer erkrankt, muss Frankie für ihn einspringen, und Todd hilft ihm bei der Vorbereitung. Ist es die “Schwulenseuche“? Unwissenheit, Ängste, Vorurteile und offene Homophobie wuchern wild. Die Freundschaft der beiden Männer vertieft sich unter den besonderen Umständen, wobei sie beruflich und privat einigen Prüfungen ausgesetzt sind. Chris Mason Johnsons Film ruft die großen Filme jener Zeit in Erinnerung, die die Herausforderungen an die Community schilderten.
Die kraftvolle Dokumentation THE DOG, an der Allison Berg und Frank Keraudren über zehn Jahre arbeiteten, verfolgt den Lebensweg von John Wojtowicz, der 1972 in Brooklyn mit einem Bankraub das Geld für die Geschlechtsumwandlung seines Freundes beschaffen wollte. Der Öffentlichkeit bekannt wurde der versuchte Überfall durch Sidney Lumets Film HUNDSTAGE von 1975. Anhand von reichhaltigem Archivmaterial, Fotos und Aussagen von Zeitzeugen verfolgen die Filmemacher dieses zuweilen bizarre Leben. THE DOG, wie Wojtowicz sich selbst nennt, ist liebenswert, sentimental, selbstzerstörerisch, sexbesessen, gewaltbereit, obsessiv. Und mit seinem derb-drastischen Humor ein großartiger Geschichtenerzähler.
Eindrucksvoll dokumentiert Thomas Allen Harris die Geschichte der Fotografie aus afroamerikanischer Sicht. Anhand von Archivfotos wird sichtbar, wie die black community die Kamera als Mittel für soziale Veränderung für sich zu nutzen verstand. Wurde die Fotografie bis dato vorwiegend anhand weißer Fotografen dargestellt, gibt Harris in seinem Film afroamerikanischen Fotografen das Wort. Harris verwendet private Aufnahmen, um anhand seiner Familiengeschichte die Entstehung eines Selbstverständnisses der Fotografie der black community USA zu reflektieren.
Mit einem straff gezogenen Ledergürtel hofft der 13-jährige Sam das Wachstum seiner Brüste zu kaschieren. In der autoritären Jungenschule, die er besucht, macht der schmächtige Teenager wegen einer hormonell bedingten Anomalie eine harte Zeit durch. Verzweifelt versucht er, sich vorm Schwimmunterricht zu drücken. Als er im Anschluss einen rosa BH an seinem Kleiderhaken vorfindet, sieht er seine größten Befürchtungen bestätigt. Sam findet jedoch den Mut, einem der Anführer die Stirn zu bieten und sich nicht erpressen zu lassen. Den Ängsten seiner Hauptfigur begegnet der Film mit viel Verständnis, Charme und auch hintergründigem Humor.
Der 15-jährige David wohnt bei seiner Großmutter. Sie unterstützt das schwule Leben ihres Enkels, aber der zieht sich bei jeder Gelegenheit in seine Facebook-Welt zurück. David würde alles für Jonathan hergeben und teilt seine Gefühle mit seinen Online-Freunden. Als sich Jonathan am Weihnachtsabend im Netz mit einem neuen Lover zeigt, bekämpft David seine Ohnmacht mit der fieberhaften Obsession, seinen Freund zurückzugewinnen.
Souverän löst Altarejos Realität und Virtualität in einem sinnlich-elektrisierenden Stimmungsfeld auf.
Maria zögert zunächst, als ihre beste Freundin Birita ihr Pillen anbietet. Aber was soll’s. Ihre Mutter ist fort, und die beiden wollen etwas erleben in dieser Nacht. Als unterwegs die Wirkung einsetzt, planen sie euphorisch, endlich von ihrer öden Insel abzuhauen. Aber sie stranden nur auf einer Party und feiern dort weiter. Die weiten Pupillen in Marias zartem Gesicht erzählen vom Rausch, doch sie fühlt sich längst nicht mehr wohl. Jetzt zeigt sich, dass Birita noch etwas mit ihrer Freundin vorhat: Maria soll endlich Sex mit einem Jungen haben, damit das dumme Gerede aufhört, sie sei eine Lesbe.
Das junge ungarische Fußballtalent Szabolcs spielt in einer deutschen Mannschaft und ist eng mit seinem Zimmergenossen Bernard befreundet. Nach einem verlorenen Spiel und einem Streit mit Bernard geht Szabolcs nach Ungarn zurück. Die Hoffnung auf ein unkompliziertes Leben bringt jedoch Steinmetzlehrling Áron aus dem nahen Dorf durcheinander. Als sie den Bauernhof von Szabolcs Großvater instand setzen wird aus ihrer Kumpelei bald eine Liebesgeschichte. Als Bernard zu Besuch kommt, um ihn zur Rückkehr nach Deutschland zu bewegen, entsteht eine Utopie zu dritt. Doch reist Bernard wieder ab, und Szabolcs entscheidet sich für Àron, den er in diesem Umfeld von Repression und Intoleranz nicht alleinlassen will.
Der Umgang mit dem eigenen Körper ist für viele Frauen immer noch schambehaftet. In der Öffentlichkeit sehen wir eine entindividualisierte Anatomie, die die Attraktivitätsstandards der Pornoindustrie widerspiegelt. Das Idealbild der glatten Vulva mit gleichmäßigen Labien hat jedoch wenig Ähnlichkeit mit der tatsächlichen Gestalt des weiblichen Geschlechtsteils.
Mit ihrer umfangreichen und sachlichen Recherche zur Geschichte dieses Teils der weiblichen Anatomie im 21. Jahrhundert durchleuchten die Regisseurinnen sämtliche Aspekte des Themas, vom Aufklärungsunterricht, über Zensur bis zum Retuschieren “unförmiger“ Schamlippen in pornografischen Bildern – und feiern damit die Vielfalt weiblicher Körper.
Yong-ju trifft auf seinen ehemals besten Freund Gi-woong. Sie besuchen die gleiche Klasse, gehen aber seit Jahren getrennte Wege. Die Mobbing-Angriffe von Gi-woongs Clique auf den Mitschüler Gi-taek sind berüchtigt. Mit seiner Suche nach ihrer alten Nähe riskiert Yong-ju, ebenfalls ins Visier des Clans zu geraten, doch er gibt nicht auf. Geschickt verwickelt er Gi-woong in ein Machtspiel mit gegenseitigen Demütigungen und aufwühlenden Erinnerungen und tritt ein gefährliches Gefühls-Duell los.
Der Regisseur des letztjährigen Panorama-Beitrags WHITE NIGHTS erschließt das Bild einer am Leistungszwang kollabierenden Gesellschaft, in der Minderheiten, Freundschaft und Leidenschaft keinen Platz haben.
Ein junger Mann vor einem Spiegel. Jeden Abend begutachtet er sich angetan, verlässt sein Apartment und wartet in einer schwach beleuchteten Gasse auf seine Freier. Dort begegnet er einer Prostituierten, die neu im Stadtviertel ist. Sie flirten und geben sich Namen von Blumen: Er nennt sich Tuberose, sie sich Narzisse. Die Fremden, denen sie folgen, bleiben für sie ohne Gesicht – bis sich Rose, ein One-Night-Stand, in Tuberose verliebt. Mit Unterstützung von Narzisse umwirbt Rose den Sexarbeiter auf charmante Weise. Mit der dichterischen Kraft eines Jean Genet schildert der 21-jährige Regisseur in seinem bildgewaltigen Debütfilm die Suche dreier Außenseiter nach Nähe und übernimmt dabei auch die Hauptrolle.
Paris 1957. Im Alter von 21 Jahren wird der talentierte Nachwuchsdesigner Yves Saint Laurent Assistent des Modeschöpfers Christian Dior. Nach dessen Tod wird er Leiter eines der renommiertesten Modehäuser der Welt. Seine erste Kollektion wird zu einem triumphalen Erfolg und macht den Mode-Genius über Nacht berühmt. In Pierre Bergé findet er die Liebe seines Lebens. Zusammen gründen sie das Label „Yves Saint Laurent“. Jalil Lespert setzt einem der einflussreichsten Modeschöpfer aller Zeiten ein Denkmal. Saint Laurents innovative Kreationen revolutionierten die Haute Couture, vereinten Kunst und Zeitgeist mit tragbarer Eleganz und gelten weiterhin als Inbegriff französischer Lebensart.