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TEDDY AWARD GEWINNER 2017

And the TEDDY goes to…
Hier findet ihr alle Gewinner des 31. TEDDY AWARDS sowie Informationen zu den Filmen und Interviews mit den Regisseur_innen und Schauspieler_innen.

 Best Feature Film
UNA MUJER FANTASTICA (A FANTASTIC WOMAN)
by Sebastián Lelio, Chile

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Marina und Orlando lieben sich und planen eine gemeinsame Zukunft. Sie arbeitet als Kellnerin und singt leidenschaftlich gern, der 20 Jahre ältere Geliebte hat ihretwegen seine Familie verlassen. Doch als die beiden nach Marinas ausgelassener Geburtstagsfeier in einem Restaurant nach Hause kommen, wird Orlando plötzlich leichenblass, reagiert nicht mehr. Im Krankenhaus können die Ärzte nur noch seinen Tod feststellen. Die Ereignisse überschlagen sich: Marina sieht sich mit den unangenehmen Fragen einer Kommissarin konfrontiert, und Orlandos Familie begegnet ihr mit Wut und Misstrauen. Seine Noch-Ehefrau schließt sie von der Beerdigung aus; die gemeinsame Wohnung, die auf dem Papier Orlando gehört, soll sie möglichst rasch verlassen. Marina ist eine Transgender-Frau, und die Familie des Verstorbenen fühlt sich durch ihre sexuelle Identität bedroht. Mit der gleichen Energie, mit der sie früher dafür gekämpft hat, als Frau zu leben, pocht Marina nun erhobenen Hauptes auf ihr Recht auf Trauer. Und wenn schon nicht ihre Umgebung, so ist doch der Film ganz auf ihrer Seite und zeigt die zunehmend ins Abseits gedrängte Protagonistin als starke, lebenskluge – fantastische – Frau.

Begründung der Jury:

A Fantastic Woman is a perfexty crafted film with magnificent cinematic approach that tells an intimate yet under-represented narrative. This film offers a very authentic universe firlmy grounded by the mesmerizing and natural performance of Daniela Vega as Marina. Sébastian Lelio has infused the story with understanding and compassion illuminating the ongoing discrimination and marginalization of transgender people around the world.


 Best Documentary-/Essay Film
Ri Chang Dui Hua (Small Talk)
by Huang Hui-chen, Taiwan

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Anu ist ein Tomboy. Zwar wurde sie, wie im Taiwan der 1970er-Jahre üblich, früh verheiratet und bekam zwei Kinder, ließ sich jedoch bald von ihrem gewalttätigen Mann scheiden und zog die Töchter alleine auf. Seitdem hatte sie ausschließlich Beziehungen zu Frauen, die wie sie ihren Lebensunterhalt als Seelenbegleiterinnen bei Beerdigungen verdienen. Eine ihrer Töchter ist die Filmemacherin Hui-chen Huang. Zweifel an der Bedingungslosigkeit von Mutterliebe sind in der chinesischen Kultur Tabu, doch genau die macht Huang zum Thema des intimen Porträts. Gemeinsam begeben sich Mutter und Tochter auf eine Reise in die Vergangenheit und Anu wird mit Fragen konfrontiert, die die Tochter seit Jahren quälen. In langen Einstellungen werden Themen wie Vertrauen, Missbrauch und Mitwisserschaft behandelt, sie münden jedoch fast immer in einer schmerzhaften Sprachlosigkeit. Die Tiefe des abgebildeten Raumes durch Schärfenverlagerungen auslotend, versucht die Regisseurin, sich ihrer Mutter in Gesprächen mit deren Geschwistern und Ex-Liebhaberinnen anzunähern, und zeichnet nebenbei ein Bild der sich wandelnden Lebenssituation von Frauen dreier Generationen in Taiwan.

Begründung der Jury:

Small Talk” is the director’s courageous portrayal of her family story, which gives the audience an inside look at a culture we might not be familiar with. This powerful documentary manages to be of universal significance and extremely intimate at the same time.


Best Short Film
Min Homosyster (My Gay Sister)
by Lia Hietala, Sweden/Norway

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Cleo ist zehn Jahre alt und ihr Kopf ist voller Fragen: Woran merke ich, dass ich in jemanden verliebt bin? Woher weiß ich, ob ich lieber Jungs oder Mädchen mag? Seit ihre ältere Schwester eine feste Freundin hat, erwachen in Cleo bisher unbekannte Gefühle. Bei einem Ausflug in die norwegischen Fjorde nähert sie sich dem verliebten Pärchen vertrauensvoll auf der Suche nach Antworten – und erhält wertvolle Tipps!

Begründung der Jury:

Min homosyster (My Gay Sister) by director Lia Hietala is a sweet story of a young girl who is starting to learn about love with the help of her big sister and her sister’s girlfriend. The film makes visible the complex emotions even us adults sometimes have while navigating our relationships and crushes. In the role of the little sister Cleo, Juliette Safavi is exceptionally natural and a delight to watch.


Special Jury Award
Karera ga Honki de Amu toki wa (Close-Knit)
by Naoko Ogigami, Japan

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Die elfjährige Tomo ist auf sich allein gestellt. In der Spüle stapelt sich das dreckige Geschirr und zu essen gibt es wieder einmal nur Onigiri aus dem Supermarkt, denn Tomos alleinerziehende Mutter kommt meistens spät und betrunken nach Hause. Als sie ihre Tochter eines Tages ganz verlässt, ist das Mädchen auf die Hilfe seines Onkels angewiesen, der Tomo bei sich und seiner Freundin Rinko aufnimmt. Bei ihrer ersten Begegnung ist das Erstaunen groß: Rinko ist eine Transfrau, die sich sofort fürsorglich um Tomo kümmert und ihr nicht nur liebevoll zubereitete Speisen anbietet, sondern auch ein neues Zuhause für sie schafft. Doch bald bekommt die Idylle erste Risse. Wie schon in ihrem letzten Film Rentaneko (Panorama 2012) erzählt die japanische Regisseurin Naoko Ogigami von Wegen aus der Einsamkeit, die im Fall von Tomo und ihrer neuen Familie mit menschlicher Wärme, gutem Essen und dem Stricken als symbolischem Akt beschrieben werden. In ruhigen, konzentrierten Bildern zeigt der Film die Selbstverständlichkeit nicht-normativer Sexualität und den Wert von Familien, die nicht von Konventionen, sondern durch Fürsorge und Liebe definiert werden.

Begründung der Jury:

The jury gives the special award to the film „Close-Knit“, a film which gives audiences a look into Japanese culture and the love of rainbow families through the eyes of an 11-year-old girl. Both the performances of the adults and the child actress are convincing and enjoyable. Filmmaker Naoko Ogigami’s natural dialogues and her sense of humour make for a very special movie experience. Ogigami puts emphasis on unique details such as the knitted objects, beautiful cinematography and the universal appeal of an uplifting, yet realistic story.

SPECIAL TEDDY AWARD
Monika Treut

Der Special TEDDY Award wird an eine*n Filmschaffende*n vergeben, deren/dessen Verdienste über die Jahre zur Charakterisierung queeren Filmschaffens außerordentliches beigetragen haben. Im letzten Jahr erhielt die Auszeichnung die US-amerikanische Produzentin Christine Vachon.

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Monika Treut prägte als Regisseurin, Produzentin und Autorin nicht nur das feministische und lesbische Kino seit den 80er Jahren, sondern auch die deutschsprachige unabhängige Filmszene und inspirierte als Wegbereiterin des New Queer Cinema bis hinein ins US-amerikanische Indie-Kino. Die Unerschrockenheit und der konventionskritische Ansatz ihrer Sujets und Ästhetiken sind eng verwandt mit der befreienden Energie der Spontibewegung der 70er-Jahre. Ihre Dokumentation Gendernauts gewann 1999 den TEDDY Award als bester Dokumentarfilm und Publikumspreise auf der ganzen Welt. Auf der Berlinale wurden seit ihrem Spielfilmdebüt 1985 mit Elfi Mikesch, Verführung: Die grausame Frau, mehr als zwölf ihrer Filme präsentiert. Aus Anlass der Preisvergabe im Rahmen der 31. TEDDY Awards am Freitag den 17. Februar zeigt das Panorama ihren zweiten Spielfilm, den Klassiker Die Jungfrauenmaschine aus dem Jahr 1989.

MÄNNER Reader´s Award
God’s Own Country
by Francis Lee, Great Britain

Der junge Johnny bewirtschaftet die Farm seines kranken Vaters im englischen Yorkshire. Die Kommunikation zwischen Vater und Sohn ist den widrigen Lebens- und Arbeitsumständen angepasst: Knapp und rau werden meist Worte der Kritik oder Bevormundung an den Sohn gerichtet. Die Großmutter leistet stoisch ihren Teil. Frustriert geht der isolierte Johnny seinem harten Tagesgeschäft nach, hat unverbindlichen Sex mit Männern oder betrinkt sich im lokalen Pub, um seinem Alltag zu entfliehen. Als im Frühjahr der gleichaltrige Gheorghe aus Rumänien als Aushilfe für die Saison anheuert, begegnet Johnny dem Fremden zunächst mit Misstrauen. Die anfänglichen Spannungen zwischen den Männern weichen jedoch bald einer intensiven Beziehung, die Johnny neue Perspektiven eröffnet, ihn aber auch vor weitere Herausforderungen stellt.
Francis Lee zeigt in seinem Langfilmdebüt den entbehrungsreichen Farm-Alltag in authentischen Bildern. Er konzentriert sich dabei auf Blicke und Gesten seiner Charaktere und ihre unmittelbare Körperlichkeit. Die archaische Landschaft von „God’s Own Country“, wie die Einheimischen die ehemalige Grafschaft nennen, wird zum Spiegelbild innerer Tumulte

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