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§175 Ein Überblick

Liebe Cinephile,

um die Jahrtausendwende erkannte der TEDDY, wie wichtig das kulturelle Gedächtnis ist, und prämierte den Film „Paragraph 175“ von Rob Epstein und Jeffrey Friedman, eine hervorragende Dokumentation über das verhängnisvolle deutsche Gesetz, das Homosexualität unter Strafe stellte. Fast zwanzig Jahre später haben Historiker umfassend dokumentiert, wie Homosexuelle zur Zeit des Nationalsozialismus litten, und viele kämpfen um das Gedenken an die Opfer. Viel weniger bekannt ist das Schicksal zahlloser Homosexueller nach dem Krieg, die empörende Kontinuität dieses Unrechts vor dem Hintergrund der Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik.

In diesem Jahr geht es um den Kampf der Mitglieder unserer Gemeinschaft in diesen dunklen Zeiten, aber auch um diese schreiende Ungerechtigkeit, die noch immer eine offene Wunde der jüngeren deutschen Geschichte ist. TEDDY nutzt die Dynamik der aktuellen Diskussion über die Rehabilitation und Entschädigung der Überlebenden und der Opfer des § 175. Wir konzentrieren uns auf den ungerechten und schändlichen Umgang mit Homosexuellen in Deutschland nach dem Krieg bis zur vollständigen Aufhebung des Gesetzes in den 1990er Jahren.

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Gedenken der verfolgten Homosexuellen unter Franco´s faschistischem Regime

In dem Film „Bones of Contention“ der dieses Jahr um einen TEDDY AWARD konkurriert, begibt sich die Regisseurin Andrea Weiss in Spanien auf die Spurensuche der schwulen und lesbischen Opfer die das Regime unter Franco forderte. Frau Weiss wird während der Berlinale in Berlin sein und möchte euch auffordern an einer Aktion, zum Gedenken an die homosexuellen Opfer des Franco Regimes teilzunehmen:

„La Asociación Ex-Presos Sociales de España (Die Vereinigung  ehemaliger Gefangener in Spanien) ist eine Organisation derjenigen, die aufgrund ihrer sexuellen Identität unter Franco´s faschistischem Regime  verfolgt und eingesperrt wurden.

Am Donnerstag den 16. Februar um 11 Uhr, werden zwei Stellvertretende der Vereinigung,  Antoni Ruiz und Silvia Reyes, einen Blumenkranz auf das Homosexuellen-Denkmal niederlegen um den Homosexuellen die ihr Leben in Konzentrationslagern lassen mussten Tribut zu zollen. Unser Anliegen ist es Aufmerksamkeit für diese Opfer zu generieren, deren Opfer einen fundamentalen Pfeiler für den aktuellen Kampf der LGBTI Community und der Menschenrechte darstellt.

Es wäre uns eine Ehre falls ihr uns mit eurer Anwesenheit unterstützen würdet, wenn wir  am Donnerstag den 16. Februar um 11 Uhr am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen den Blumenkranz niederlegen.“

Jack Woodhead

Ladies & Gentleman, gerne möchte ich euch den Moderator unserer Preisverleihung vorstellen…. Jack Woodhead!

Wie schön, dass es auf der Welt Paradiesvögel geben darf: Den klassisch ausgebildeten Pianisten nimmt man ihm ab, sobald er kunstvoll in die Tasten haut. Alle anderen Facetten seiner schillernden Persönlichkeit verkörpert Jack Woodhead nicht weniger überzeugend. Niemand trägt Haute Couture derart lässig, denkt so schnell, schräg, originell und ist dabei ein so charmanter Gastgeber wie er. Das Können des Schönen aus Manchester ist herrlich sperrig. Ihn als Conférencier zu bezeichnen, griffe viel zu kurz, denn vielmehr ist Jack Woodhead ein menschliches Gesamtereignis, von dem man so schnell nicht lassen kann.

Interview mit Dr. Nina Reusch

Wir haben ein Interview mit Dr. Nina Reusch geführt. Sie ist Historikerin am Friedrich-Meinecke-Institut und Mitglied des Projekts „LSBTTIQ in Baden-Württemberg„.

  • Was ist der Stand der Forschung über die Kontinuitäten des Paragraphen 175 nach dem Nationalsozialismus?

Bereits seit den 1970er Jahren entstanden beachtliche Forschungsleistungen im Kontext der homosexuellen Emanzipationsbewegung. Mittlerweile kommt das Thema auch mehr und mehr in der akademischen Wissenschaft an – das tut nicht nur der Forschung gut, die dadurch breiter und differenzierter werden kann, sondern auch der Geschichtswissenschaft, die so in Berührung mit queeren Fragestellungen und Forschungsthemen kommt.

  • Können Sie uns ein bisschen über Public History erzählen und über Geschichtsunterricht in den deutschen Schulen?

Insgesamt gehört queere Geschichte nicht zum Standardrepertoire in deutschen Schulen, aber es gibt diverse Projekte, die dort ansetzen. Hier in Berlin findet immer im Februar der Queer History Month statt, in dem Schulklassen sich mit queerer Geschichte und anderen queeren Themen inhaltlich oder künstlerisch auseinandersetzen. Zusätzlich bietet die Homepage des Projekts Unterrichtsentwürfe und Materialien für Lehrer_innen an, die gern queere Themen in den Geschichtsunterricht bringen möchten. Auch jenseits der Schule bringen Public History-Projekte queere Geschichte in die Öffentlichkeit – so etwa mit der Ausstellung Homosexualitäten des Schwulen Museums* und des DHM, oder, wie derzeit in Baden-Württemberg, in Verbund mit Forschungsprojekten. Dort startete im letzten Jahr ein Projekt, das Forschung und Public History zur regionalen queeren Geschichte verbindet und partizipative Angebote schafft.

  • Was sind Ihre Gedanken über das Projekt von Justizminister Maas und die Diskussionen über die Rehabilitation für die Opfer von Paragraph 175?

Die angedachte Rehabilitation der Männer, die nach Paragraph 175 verurteilt wurden, ist ein begrüßenswertes und fast schon überfälliges Projekt. Auch eine angemessene Entschädigung für die Opfer dieser homophoben Rechtsprechung sollte umgesetzt werden.

  • Glauben Sie, dass dieses Projekt die Diskussion über den Paragraph 175 im deutschen öffentlichen Raum widerspiegelt?

Ich denke, vielen Menschen war vor der Ankündigung des Justizministers nicht einmal bewusst, dass gleichgeschlechtlicher Sex unter Männern überhaupt so lang strafrechtlich verfolgt wurde in der Bundesrepublik. Daher hat die Diskussion auch erst einmal ein Bewusstsein geschaffen und ist auch daher zu begrüßen.