TEDDY TODAY: Freitag Februar 23

 

Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot

Director: Gus Van Sant
USA 2018 113′, English

Zoo Palast 1, 12:30

Displaying Joaquin Phoenix © 2018 AMAZON CONTENT SERVICES LLC_web_02.jpg

Evidentiary Bodies

Director: Barbara Hammer
USA 2018, 10′, Without dialogue

Akademie der Künste, 18:00

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Garbage

Director: Q
India 2018 105′, Hindi

Cubix7, 20:15

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Hojoom (Invasion)

Director: Shahram Mokri
Iran 2017 102′, Farsi

Cubix 7, 22:30

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Ludwig der Zweite, König von Bayern (Ludwig II of Bavaria)

Director: Wilhelm Dieterle
Germany 1930, 132′, German intertitles

Zeughauskino, 21:30

Displaying Wilhelm Dieterle, Theodor Loos Quelle: Deutsche Kinemathek Keine Freigabe für Social Media.jpg

Obscuro Barroco

Director: Evangelia Kranioti
France/Greece 2018 60′, Portuguese

Zoo Palast 2, 16:00

Displaying © Evangelia Kranioti 4.jpg

Para Aduma (Red Cow)

Director: Tsivia Barkai Yacov
Israel 2018 90′, Hebrew

CinemaxX 3. 13:30

Displaying Avigayil Koevary © Boaz Yehonatan Yacov.jpg

Shakedown

Director: Leilah Weinraub
USA 2018 82′, English

CineStar 7, 14:30

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T.R.A.P

Director: Manque La Banca
Argentina 2018 16′, Spanish

CinemaxX 3, 21:30

Displaying Teo Palvi, Antu La Banca c .jpg

Touch Me Not

Romania/Germany/Czech Republic/Bulgaria/
France 2018
Director: Adina Pintilie 125′, English, German

Friedrichstadt-Palast, 12:00

Displaying Laura Benson © Manekino Film, Rohfilm, Pink, Agitprop, Les Films de l'Etranger.jpg

Tuzdan kaide (The Pillar of Salt)

Director: Burak Çevik
Turkey 2018 70′, Turkish

CinemaxX 4, 22:00

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TEDDY TODAY: Donnerstag Februar 22

Oh wie doch die Zeit verfliegt! Schon ist Donnerstag und wir gehen auf das finale Wochenende der Berlinale zu. Aber keine Angst, noch immer könnt ihr viele Prämieren mitnehmen und zwischen haufenweisen Filmvorstellungen umherhetzen, also bleibt am Ball!

Die Filme unserer heutigen Auswahl liegen über 80 Jahre auseinander und behandeln die Themen der mentalen Gesundheit und des physischen Körpers. Sowohl in ‚Ludwig der Zweite‘ als auch ‚Touch Me Not‘ werden Verwirrungen des Körpers und des Geistes in Augenschein genommen. In seinem ersten Film fiel Ludwig geistiger Verwirrung zum Opfer, in diesem zweiten jedoch werden wir Zeugen einer positiveren Aufarbeitung der menschlichen Psyche. Vielleicht ein Zeichen der Zeit?

Ludwig der Zweite, König von Bayern (Ludwig II of Bavaria)
Director: Wilhelm Dieterle
Germany, 1930, 132′, German intertitles

Screening: 19.00, CinemaxX 8

In seinen letzten Lebensjahren widmet sich der bayerische König Ludwig II. (1845-1886) ehrgeizigen künstlerischen Bauprojekten, die die Staatsfinanzen auf das Äußerste strapazieren. Zugleich flüchtet sich der menschenscheue Monarch auf seinen Schlössern immer mehr in eine Traumwelt. Sein Bruder ist in einer psychiatrischen Anstalt interniert, und schließlich wird auch Ludwig unter die Aufsicht des Psychiaters Dr. Gudden gestellt. Diesem Kuratel versucht er sich am Starnberger See zu entziehen … »Wenn den Oberen einer nicht passt, muss er weg …« Aus einer volksnahen Perspektive zeichnet die Geschichte des »Märchenkönigs« den Weg eines gebrochenen Charakters in die geistige Zerrüttung. In Wilhelm Dieterles Lesart befördern Hofschranzen und Beamte, der Thronfolger und die Ärzteschaft diese Entwicklung noch zusätzlich. Darum zog der sachlich gehaltene Film, der Ludwigs Faszination für nackte Männerkörper nicht unterschlägt, heftige Angriffe aus Bayern auf sich. Als die Berliner Zensurbehörden Eingriffe verweigerten, verhängte der Münchner Polizeipräsident ein Aufführungsverbot wegen »Gefährdung der öffentlichen Ordnung«.

Touch Me Not
Director: Adina Pintilie
Romania/Germany/Czech Republic/Bulgaria/France, 2018, 125′, English, German

Screening: 22.00, Berlinale Palast

Laura kann sich nicht berühren lassen. Sie schreckt zurück, wenn jemand sie anfasst oder ihre Hand ergreift. Sie sucht einen Therapeuten auf, bestellt sich einen Callboy, doch ihr Körper bleibt ein Panzer. In losen Szenenfolgen werden weitere Menschen auf der Suche nach Intimität begleitet. Christian, der mit vielen körperlichen Einschränkungen leben muss, spricht unbefangen von seinen Vorlieben, Abneigungen und über
sein Liebesleben mit der langjährigen Freundin. Das Paar besucht einen Workshop für Körperwahrnehmung. Menschen jeden Alters mit und ohne Behinderung nehmen daran teil. So auch Tudor, der mit seinem kahlen Kopf seltsam verletzlich wirkt und die verschiedenen Formen seines Begehrens erst noch finden und akzeptieren muss. Eine laborartige Atmosphäre und kühle Bilder helfen dem Zuschauer, sich von vorgefassten Meinungen und Vorstellungen von Intimität zu befreien. Der Film begibt sich auf eine emotionale Expedition, um die verschiedenen Facetten von Sexualität jenseits aller Tabus auszuleuchten. Dabei entwickelt jede Szene, unabhängig davon, ob die Situationen gespielt oder dokumentarisch sind, ihre eigene Wahrhaftigkeit.

TEDDY TODAY: Mittwoch Februar 21

Heute ist ein Tag für die Wagemutigen, denn wir haben eine Reihe von Prämieren bekannter Regisseure experimenteller Filme im Programm. Jerry Tartaglia blickt in ‚Escape From Rented Island‘ auf das Werk von Jack Smith zurück, Irene Lusztig lässt in ‚Yours in Sisterhood‘ die Stimmen von Schriftstellerinnen aus den 70er Jahren mit denen von Frauen aus der heutigen Zeit ineinanderfließen und Barbara Hammer setzt in ‚Evidentiary Bodies‘ durchsichtige Bewegtbilder von Körper, abgebildet auf Filmrollen, ein, um die verschiedenen Zyklen von Leben und Tod eines Körpers zu erkunden. All diese Filmemacher hier behandeln die Notwendigkeit von Archivierung, stellen unsere Arten zu dokumentieren infrage und erhalten die Sichtbarkeit von Gemeinschaften, die in der Vergangenheit in die Schattenseiten unserer Geschichte verbannt wurden.
Der TEDDY AWARD selbst engagiert sich durch seine Partnerschaft mit der Queer Academy für den Erhalt queerer kultureller Erinnerungen. Besucht die Internetseite der Queer Academy und taucht ein in die Geschichte des LGBT-Films: https://queeracademy.net.

Viel Spaß am heutigen Filme-Mittwoch!

Escape From Rented Island: The Lost Paradise of Jack Smith

Director: Jerry Tartaglia

Akademie der Künste, 21:30

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Jerry Tartaglia, langjähriger Archivar und Restaurator des filmischen Nachlasses der queeren New Yorker Underground-, Experimentalfilm- und Performance-Legende Jack Smith, widmet sich in seinem Essayfilm weniger dem Leben, als dem Werk Smiths und fächert dessen ästhetische Idiosynkrasien in 21 thematischen Kapiteln auf. „Escape From Rented Island: The Lost Paradise of Jack Smith ist ein Essayfilm über das Werk
des Künstlers und weniger ein Dokumentarfilm über dessen Leben. Er bietet also keine rationale, lineare und distanzierte Erklärung seines Werks. Vielmehr ist das Publikum aufgefordert, Jack Smiths ästhetische Entscheidungen ganz unvoreingenommen zu erleben. Meine Strategie ist eine Herausforderung für die Zuschauer*innen, besonders für jene, die in Dokumentarfilmen gern erklärende Kommentare hören oder zusätzliches, extradiegetisches Material präsentiert bekommen. Wer Jack Smiths unverwässerte Vision nicht erträgt, darf von mir keine Entschuldigung erwarten – lediglich eine Einladung, ihn in sein verlorenes Paradies zu begleiten.“

Evidentiary Bodies

Director: Barbara Hammer
USA 2018, 10′, Without dialogue

Kino Arsenal 1, 15:30

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Auch ein Leben, das zwischen den Perforationen eines Filmstreifens abläuft, kann tanzen. Die Schönheit des menschlichen Körpers, sei er auch versehrt, tanzt weiter. Hoffnung lebt nicht ewig, sondern täglich. Ein Publikum, versunken in drei Leinwände, spürt die Umklammerung der Krankheit, die Isolation des physischen Körpers. Die endlose Filmschleife läuft, doch sie kann der Protagonistin keinen Halt geben. Die Zeit
ist dehnbar, der Körper verändert sich und der Film beginnt erneut. Eine Trilogie des Selbst, Zeugin von Verfall und Leid, das Undenkbare vollbringend, unaufhaltsam, ein Totentanz. Drei umgibt, umschließt, umarmt die Eine, die nicht für sich stehen kann. Wir – menschliche Wesen auf einem kleinen Globus, vereint durch evolutionäre Struktur und biologische DNA – haben die Chance, durch Empathie und Identifikation mit dem empfindsamen Körper zueinanderzufinden. Ein unausgesprochenes Plädoyer an die Zuschauer*innen, Mitgefühl zu spüren, Verletzlichkeit zuzulassen, die Evidenz des Körpers zu erkennen, eines Körpers, der auch ihr eigener Körper ist.

Tuzdan kaide (The Pillar of Salt)

Director: Burak Çevik
Turkey 2018 70′, Turkish

CineStar 8, 16:30

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Eine schwangere junge Frau, die in einer Art Höhle lebt, sucht ihre verschwundene Schwester. Reiz, Reichtum und Radikalität dieses ersten Langfilms von Burak Çevik sind mit diesem Handlungsfaden nur unzureichend beschrieben. Sie liegen vielmehr in der Freiheit, die er sich nimmt, um für seine Erzählung eine extravagante Filmwelt zu erschaffen. Aus der fast an ein Märchen erinnernden Höhle setzt die Protagonistin über einen Fluss und nimmt die Spur ihrer Schwester auf. Die führt sie in einen botanischen Garten, eine Vogelhandlung, eine Dunkelkammer. Die Fotolaborantin vergleicht den Effekt von Fotografien damit, wie Gott Lots Frau zur Salzsäule erstarren ließ, weil sie der Versuchung, sich umzudrehen und Sodoms Zerstörung anzuschauen, nicht widerstehen konnte. Für die Ewigkeit festgehalten, in Ewigkeit erstarrt – muss man es also für bare Münze nehmen, wenn die Protagonistin der Bootsfrau erzählt, sie sei eine Teilzeit-Vampirin? Die Versonnenheit, mit der der Film abschweift und uns Pflanzen, einen Negativstreifen, oder ein Tischtennismatch zeigt, trägt erheblich zu dem Sog bei, den er entfaltet. Dabei bleibt manches rätselhaft und macht auf mögliche Referenzen umso neugieriger.e

Yours in Sisterhood

Director: Irene Lusztig
USA 2018 101′, English

Delphi Filmpalast, 18:45

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Atlanta, vor einer Tankstelle an einer kleinstädtischen Straßenkreuzung. Bowling Green, Kentucky, auf einem Privatanwesen mit perfekt gepflegtem Rasen. Ein Garten vor einem Einfamilienhaus in Connecticut. Auf den ersten Blick sind es unscheinbare Orte, an denen Irene Lusztig auf ihrer zweijährigen Reise durch die USA mehrheitlich Frauen bittet, Leserbriefe vorzulesen und zu kommentieren, die aus dem Archiv der liberal- feministischen Zeitschrift „Ms.“ stammen. Geschrieben vor ungefähr 40 Jahren, zumeist von Frauen, die in der Zeitschrift erschienene Artikel zum Anlass nahmen, von sich zu erzählen – offenherzig, privat, oft erleichtert, manchmal erbost. In den Briefen geht um Schwangerschaftsabbrüche, um lesbische Liebesaffären von verheirateten Frauen, um die Ignoranz des Magazins gegenüber Lebenswirklichkeiten schwarzer Frauen… Irene Lusztig gelingt es in ihrer dokumentarischen Inszenierung, einen Fundus der Frauenbewegung von damals in eine vielschichtige Beziehung mit der Gegenwart zu bringen. Das Wort steht dabei nur vermeintlich im Vordergrund. Dem Publikum ist es überlassen, einen feministischen Kosmos zu entdecken, den Yours in Sisterhood auf vielen Ebenen zugänglich macht.

TEDDY TODAY: Dienstag Februar 20

Ohhhhhhh die Hälfte ist geschafft! Und wenn eure Koffein-Pegel noch nicht durch die Decke schießt, eure Tränensäcke noch nicht wie Blutergüsse unter euren Augen hängen und ihr in hungernder Verzweiflung die nächtlichen Ausflüge zu McDonald’s bisher vermeiden konntet, dann macht ihr etwas falsch. Und dem Rest unter euch hartgesottenen Kämpfern sagen wir mit den Worten des wundervollen Bon Jovi: „Nimm meine Hand, wir schaffen das – ich verspreche es!“. Noch immer könnt ihr euch an vielen neuen Filmen ergötzen, einschließlich des Highlights des heutigen Tages: Gus Van Sants neuestes Werk ‚Don’t Worry He Won’t Get Far on Foot‘. Besucht unseren YouTube-Kanal, um dem Meister persönlich im Gespräch über seinen Film und seine Beziehung zum TEDDY AWARD zu lauschen.

Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot
Director: Gus Van Sant
USA, 2018, 113′, English

Screening: 19.00, Berlinale Palast

Displaying Joaquin Phoenix © 2018 AMAZON CONTENT SERVICES LLC_web_02.png

John hat eine Vorliebe für schräge Witze – und ein Alkoholproblem. So kann er einfach nicht Nein sagen, als ihn eine Partybekanntschaft
zur Sauftour quer durch L.A. überredet. Betrunken schläft er auf dem Beifahrersitz des Zechkumpans ein und erwacht am nächsten Morgen querschnittgelähmt im Krankenhaus. Mit 21 Jahren an den Rollstuhl gefesselt, braucht er all seinen Humor, um wieder Sinn in seinem Leben zu finden. Dabei hilft ihm Annu, die seine Lebenslust zurückkehren lässt, genauso wie der Hippie Donny, in dessen unkonventionellen Anonyme- Alkoholiker-Meetings Menschen mit den unterschiedlichsten Schicksalen aufeinandertreffen und lernen, ihr Dasein aus anderen Perspektiven zu betrachten. John erkennt Schönheit und Komik in den Abgründen menschlicher Erfahrungen und nutzt sein künstlerisches Talent, um sie in scharf beobachtete Cartoons zu verwandeln. Gus Van Sants biografisches Drama basiert auf den Memoiren des Cartoonisten John Callahan. Das fiktive Porträt erzählt zärtlich, melancholisch und mit hoffnungsvoller, bejahender Energie von einem Leben mit Einschränkungen. Wie in vielen seiner Filme thematisiert Van Sant auch hier die Suche nach Identität im Umfeld sozialer Subkulturen und ungewöhnlicher Milieus.

High Fantasy
Director: Jenna Bass
South Africa, 2017, 74′, English

Screening: 17.30, Haus der Kulturen der Welt

Displaying X_Qondiswa James, Liza Scholtz, Nala Khumalo, Francesca Varrie Michel © Gabriella Achadinha Keine Freigabe für Social Media.jpg

„Ich versuche nicht davor zu fliehen, wer ich bin. So ist es nun mal, ich wurde in diesen Körper geboren und kann ihm nicht entkommen. Bin ich wütend darüber, was er ist? Ja.“ Eine unverfängliche Vorstellung, weil man davon ausgehen kann, dass sie ohnehin nie Realität wird: im Körper eines anderen Menschen zu stecken. Lexi und ihren Freund*innen widerfährt während eines Campingtrips aber genau das. Der Schock ist riesig. Zumal es bereits vor dem unerklärbaren Ereignis Spannungen gegeben hat: zwischen den drei jungen Frauen und Thami, dem einzigen Mann, aber auch zwischen der weißen Lexi und der schwarzen Xoli. Im Bann des Körpertauschs brechen Konflikte auf, die symptomatisch für die gesellschaftlichen Verwerfungen in der südafrikanischen Rainbow Nation stehen. Eingefangen mit den Smartphones der Protagonist*innen entspinnt sich ein ebenso kluger wie bissiger Versuch über die Politik der Körper, Jahrzehnte nach dem Ende der Apartheid.

Pasolini
Director: Abel Ferrara
France/Italy/Belgium, 2014, 84′, English, Italian, French

Screening: 21.30, CinemaxX 8

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Nichts deutet darauf hin, dass dies der letzte Tag im Leben des italienischen Schriftstellers und Regisseurs Pier Paolo Pasolini sein wird. Auch den Morgen des 2. November 1975 verbringt er zusammen mit seiner Mutter, ehe er Zeitung liest und an einem Drehbuch arbeitet. Zum Mittagessen kommt die Schauspielerin Laura Betti zu Besuch. Am Nachmittag empfängt Pasolini einen Journalisten, um ein weiteres Interview zu seinem »Skandalfilm« Die 120 Tage von Sodom zu geben. Abends trifft er Freunde in einem Restaurant, anschließend fährt er mit seinem Alfa Romeo zum Schwulenstrich, wo der 17-jährige Pino Pelosi zu ihm ins Auto steigt. Als er mit ihm zum Strand von Ostia fährt, taucht dort aus dem Dunkel eine Gruppe von jungen Männern auf …Unterbrochen wird die Erzählung von Szenen, die nach Pasolinis letztem Drehbuch entstanden und die unter anderem den Pasolini-Schauspieler Ninetto Davoli beim Besuch eines vermeintlichen »Homosexuellenparadieses« zeigen. Im Kontrast zu dessen quirliger Komik verkörpert Willem Dafoe Pasolini als kontemplativen Menschen. Angereichert mit vielen originalen Pasolini-Zitaten, gibt seine konzentrierte Darstellung eine Ahnung davon, wie es gewesen sein könnte …

TEDDY TODAY: Montag Februar 19

Nur wenige Leute bestreiten ihr Leben ohne eine Reihe von Problemen mit ihren Müttern und Vätern – sie stellen fast einen Übergangsritus dar. Und ebendas ist unser Tagesthema: Viele der heutigen Filme behandeln die verworrene und komplexe Beziehung zu unseren Eltern. Aber macht euch auf etwas gefasst, denn hier geht es nicht um durchschnittliche Geschichten über Familienzankereien. Mit Hilfe dieser Filme realisieren wir, wie extrem und schädlich die Auswirkungen gestörter Familienverhältnisse sein können. In ‚Game Girls‘ sehen wir Frauen, die von ihren Eltern missbraucht und auf die Straße gezwungen werden, ‚Marilyn‘ enthüllt die verheerenden Auswirkungen von unterdrückter Sehnsucht und Ablehnung durch die eigene Familie, ‚Retablo‘ zeigt einen jungen Mann, der die Sexualität seiner Vaters bewältigen muss, und ‚The Silk and the Flame‘ deckt die lähmende Unterdrückung auf, die durch die Erwartungen von Familien in China aufgebaut wird.

Game Girls

Director: Alina Skrzeszewska
France/Germany 2018 90′, English

CineStar 7, 17:00

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Die Gegend Skid Row in L.A. ist bekannt als „Hauptstadt der Obdachlosen“ der USA. Dort zu überleben ist ein hartes Spiel, in dessen Regeln uns die Geschichten der porträtierten Frauen Teri und Tiahna einführen. Das Leben des lesbischen Paares spielt sich zwischen Gefängnis, Alkoholsucht und Drogenverkauf, aber auch Hoffnung ab, ihr Schicksal ist paradigmatisch für das Leben afroamerikanischer Frauen an den Rändern der amerikanischen Gesellschaft. In einem von der Filmemacherin initiierten Workshop für Frauen aus der Community verarbeiten sie ihre Erinnerungen und Traumata und beginnen einen Transformationsprozess, in dessen Verlauf sie nicht als Opfer, sondern als selbstermächtigte Subjekte sichtbar werden. Soziale Proteste gegen Obdachlosigkeit in der Nachbarschaft oder die Black-Lives-Matter-Bewegung sind genauso Teil ihres Lebens wie die Selbstverständlichkeit, mit der sie ihre Homosexualität leben, oder der hartnäckige Kampf mit den Behörden um die eigenen vier Wände. Mit einer beobachtenden, intimen Kamera erzählt der Film die Geschichte zweier Frauen, die es schaffen, der Skid Row zu entkommen, und dennoch in den Grenzen ihrer Lebensumstände gefangen sind.

Marilyn

Director: Martín Rodríguez Redondo
Argentina/Chile 2018 80′, Spanish

CinemaxX 7, 20:00

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Es ist nicht viel los im ländlichen Argentinien, wo der junge, schüchterne Marcos mit seiner Familie lebt. Die Umstände sind bescheiden und die Geschlechterrollen klar verteilt. Der heiße Sommer macht das Leben nicht eben leichter, doch das Geld muss verdient und die Kuhherde zusammengehalten werden. Marcos baut sich im Alltag immer wieder kleine Inseln der Freiheit, schminkt sich heimlich sein fast noch kindliches Gesicht oder schlüpft hinter verschlossener Tür in bunte Kleider. Der Karneval steht vor der Tür und soll Marcos‘ Leben genauso einschneidend verändern wie der unerwartete Umzug der Familie. Mit großer Ruhe und ganz ohne leitende Musik zeichnet Martín Rodríguez Redondo in seinem Debütfilm das zärtliche Porträt einer Jugend und einer vorerst unterdrückten Selbstfindung. Das Brummen der Motorräder verheißt gleichzeitig Freiheit und Bedrohung, und obwohl es aus dieser Welt kein Entkommen zu geben scheint, ist die Situation nicht hoffnungslos, denn irgendwann ist da der junge Federico. Kontemplativ sind die Bilder, geradlinig ihr Fluss, überraschend ist der Lauf der scheinbar vorherbestimmten Ereignisse. Eine Geschichte, die auf wahren Tatsachen beruht.

Retablo

Director: Álvaro Delgado-Aparicio L.
Peru/Germany/Norway 2017 101′, Quechua, Spanish

Zoo Palast 1, 15:30

Displaying Junior Béjar Roca, Amiel Cayo © SIRI Producciones : Claudia Cordova Keine Freigabe für Social Media.jpg

„Bist du nicht glücklich, mit ihm zu arbeiten? · Ich möchte gerne andere Dinge sehen.“ · „Du wirst da draußen verloren gehen.“ · „Warum dürfen die anderen gehen, aber ich nicht?“ · „Weil du Kunsthandwerker bist und kein Bauer.“ Im Schweigen sieht Segundo die einzige Möglichkeit, mit dem Geheimnis seines Vaters Noé umzugehen. Der 14-Jährige lebt mit seinen Eltern in einem Dorf hoch oben in den Bergen Perus. Noé ist ein angesehener Künstler und Segundos Vorbild. Mit liebevoller Hingabe fertigt er Altarretabel, für Kirchen und Häuser, und führt seinen Sohn in dieses Handwerk ein. Doch ihr enges Verhältnis hat Risse bekommen. Schonungslos schaut der Film hinter die Fassade einer intakt wirkenden Dorfgemeinschaft, in der patriarchalische Regeln mit unerbittlicher Gewalt durchgesetzt werden. In gesättigten Farben entwirft er das Panorama einer Welt, in der ein junger Künstler seinen Platz sucht.

The Silk and the Flame

Director: Jordan Schiele
USA 2018, 87′, Mandarin, English

CineStar 7, 20:00

Filmstill "The Silk and the Flame"
Filmstill „The Silk and the Flame“

Zum Neujahrsfest, dem wichtigsten Familienfest in China, reist der unverheiratete Yao aus Peking in sein Heimatdorf. Mit seinem Einkommen aus der Großstadt versorgt er nicht nur die alten Eltern, auch seine Geschwister und deren Kinder leben wie selbstverständlich von seinen regelmäßigen Zahlungen. Die Mutter, die seit ihrer Kindheit gehörlos ist, versorgt den pflegebedürftigen Vater. Der will seinen zweiten Sohn unbedingt mit
einer passenden Frau verheiratet sehen, doch Yao selbst würde eigentlich lieber den Mann fürs Leben finden. Er hat es in die Hauptstadt geschafft und durch herausragende Leistungen den Respekt seines Vaters gewonnen, doch seine eigenen Bedürfnisse steckt er als braver Sohn zurück, um die ewig fordernde Familie zu unterstützen. Ein berührender Einblick in einen chinesischen Alltag, in dem der wirtschaftliche Boom in den Städten in krassem Gegensatz zur Armut auf dem Land steht. Jordan Schiele zeigt das karge Leben auf dem Dorf in zeitlosem Schwarz-Weiß und kontrapunktiert die lauten und chaotischen Familienszenen immer wieder durch Yaos reflektierende Monologe.