TEDDY TODAY: Samstag Februar 9

Meine Güte, haben wir heute nicht eine lange Liste von Filmen? Im Gegensatz zu allen anderen Tagen, haben wir heute 15 queere Filme der Berlinale, in die wir eintauchen können! Aber keine Sorge, falls ihr nicht alle Filme sehen könnt, die ihr euch ansehen wollt, findet ihr hier auf unserem Blog ganz leicht heraus, wann die nächsten Ausstrahlungstermine stattfinden – geht einfach zu „Alle Filme 2019“, dort findet ihr alle Informationen über euren ausgewählten Film!
Wo soll man jetzt anfangen…. Filme aus der ganzen Welt, verschiedene Charaktere, verschiedene Geschichten, verschiedene Jahre, aber alle queer. Was für eine riesige Auswahl! Lasst uns einen Blick auf den Inhalt dieser faszinierenden Filme werfen, oder? 

 

Vivir en Junio con la Lengua Afuera
13:00 Kino Arsenal 1

Reinaldo Arenas verbrachte einen Großteil seines Erwachsenenlebens auf der Insel als Persona non grata wegen seiner offenen Homosexualität und seiner politisch dissidenten Ansichten. In diesem Film versuchen drei kubanische Künstler, sich an eines der berühmtesten Gedichte Arenas‘, über die Sehnsucht nach einer Heimat, die denen, die für ihre Befreiung kämpften, entrissen wurde, zu erinnern. Eine geistreiche Sichtweise auf den Zerfall der toxischen Politik.

 

Ne Croyez Surtout pas que je Hurle
15:00 Kino Arsenal 1 

Frank Beauvais sah zwischen April und Oktober 2016 400 Filme. In diesem intimen Selbstporträt verwendet der Filmemacher Fragmente dieser Filme, um uns in die Tiefe seines Geistes zu tauchen.

 

Der Boden Unter den Füßen
15:30 Berlinale Palast

Marie Kreutzers Porträt des Jet-Setups Lola zeigt, dass es manchmal nur eine dünne Linie gibt, die polare Gegensätze wie Ordnung und Chaos, Aufstieg und Fall trennt – auch für jemanden, der in einer auf Leistung fixierten Gesellschaft lebt.

 

Yulia & Juliet
15:30 CinemaxX 3 

Liebe und Spannung brodeln in den Räumen einer Jugendhaftanstalt. 

 

Serpentário
15:45 Zoo Palast 2 

Auf dieser poetischen Reise, die Phantasie mit Erinnerung verbindet, kann man die kreative Kraft von Melancholie und Einsamkeit erforschen.

 

Héctor
16:00 CinemaxX 5 

Regisseurin Victoria Giesen Carvajal nimmt uns mit auf eine poetische Reise zu einer mystischen Insel vor der chilenischen Küste, wo sich ein junger Arbeiter in den geheimnisvollen Hector verliebt.

 

Parsi
17:30 Kino Arsenal 1

Eine poetische Reise durch Ungewissheit, Überraschung, Bilder und Erinnerungen, die dich bei der Phantasie packen und dich den Rausch spüren lassen wird.

 

Monstri
18:30 CineStar 8 

Ein herzzerreißender Blick in eine Beziehung, die kurz vor dem Ende steht. Einsamkeit, Sehnsucht und Trauer sättigen dieses meisterhaft eingefangene Porträt der Liebe, das viele Gesichter hat.

 

Self-Portrait in 23 Rounds: a Chapter in David Wojnarowicz’s Life, 1989–1991
19:00 Zoo Palast 2

Ein tief bewegender Film, der in die Seele eines Mannes blickt, der seine Verletzlichkeit in einer Vielzahl von ästhetischen Formen offenbart hat. Ein authentisches und liebevolles Porträt des Künstlers David Wojnarowicz. Vergessen Sie nicht, die Ausstellung „David Wojnarowicz: Fotografie & Film 1978-1992“.

 

To Thávma Tis Thálassas Ton Sargassón
21:30 Zoo Palast 1 

Eine alptraumhafte Geschichte, die Sie in Momenten überraschen wird, in denen Sie es am wenigsten erwarten. Macht euch bereit, denn das wird eine wahnsinnige Fahrt! Eine, die du nie vergessen wirst.

 

Blue Boy
21:30 CinemaxX 3 

Ein ungewöhnlicher Besuch in der berüchtigten Blue Boy Bar Berlins. Der Film untersucht die Welt der männlichen Sexarbeiter in der Hauptstadt. Bist du bereit, ihnen in die Augen zu sehen?

 

Demons
22:00 Kino Arsenal 1

Eine explosive Erforschung der menschlichen Psyche, der zwischenmenschlichen Beziehungen und der Machtstrukturen, die kulturellen und künstlerischen Praktiken zugrunde liegen. Bereite dich auf einen satirischen Tanz vor, der dich möglicherweise vollkommen atemlos macht.

 

Buddies
22:30 CineStar 7 

Buddies ist der erste Spielfilm, der jemals über die AIDS-Krise und den Film, mit dem die Edition Salzgeber gegründet wurde, gedreht wurde. Buddies ist ein Klassiker, den man nicht verfehlen darf! Historisch, radikal und hochpolitisch, ist der Film eine sanfte Erinnerung daran, dass wir nur gemeinsam in Not geraten können, indem wir uns umeinander kümmern.

 

Los Miembros de la Familia
22:30 CinemaxX 7 

Ein leeres Haus in der Nähe einer kleinen Stadt an der argentinischen Atlantikküste. Die Geschwister Gilda und Lucas sind nach dem Tod ihrer Mutter für kurze Zeit eingezogen. Wir müssen die Geheimnisse ihres Lebens herausfinden, während sie die Geheimnisse des Erwachsenwerdens aufdecken.

 

Max
22:30 Kino Arsenal 2 

 Max Wolf Valerio teilt stolz sein Abenteuer, ein heterosexueller Mann zu werden, nachdem er eine lesbische Frau war. Wahrscheinlich das erste filmische Porträt eines Trans-Menschen, der Film wurde von Monika Treut, einer Pionierin queerer Emanzipationsbewegungen, produziert.

 

Split – William to Chrysis; Portrait of a Drag Queen
22:30 Kino Arsenal 2 

Eine filmische Hommage an den charismatischen Underground-Star International Chrysis (1951-1990), der Weiblichkeit und Männlichkeit entschlossen in einem Körper vereinte. Ein Leben voller Extreme, auf der Suche nach Harmonie, voller junger Liebhaber, Hormone, Kreativität und Glamour.

 

Rescreens:
Temblores – 09:00 CinemaxX 7
Easy Love – 12:00 Colosseum 1, 20:00 CinemaxX 1

 

TEDDY TODAY: Freitag Februar 8

Wir hoffen, ihr hattet alle einen guten Start. Der zweite Tag der Berlinale beginnt und somit auch der Filmmarathon für euch!
Wir haben neun völlig verschiedene, queere Filme, die ihr durchlaufen könnt, darunter einige Kurzfilme und Panorama-Filme; von surrealistischen Animationen bis hin zu einer dramatischen Geschichte über das Gefühl der Zugehörigkeit. Und ja, wir wissen, dass es super schwer ist, sich zu entscheiden, wenn es zu viele Optionen gibt, aber wir werden euch an die Hand nehmen, also macht euch keine Sorgen, meine Filmmarathonkollegen!
Oh und übrigens, hier ist eine kurze Erinnerung: Der Teddy-Jury-Empfang findet um 22.00 Uhr im Südblock / Aquarium statt. Vergesst nicht vorbeizukommen und Hallo zu sagen!
Jetzt werden wir euch nicht länger warten lassen…. um zu wissen, welchen Film ihr als ersten auf eure Prioritätenliste setzen solltet, haben wir hier jeweils einen kleinen Einblick in jeden Film.

 

Lidérc Úr
16:00 CinemaxX 5 

Eine surreale und absurde Geschichte, die Ihre Sinne sanft anregen wird. Machen Sie mit und lassen Sie uns gemeinsam nach einer verschwundenen Brustwarze in dieser unerklärlichen, unbändigen und freudig schwulen Welt suchen!

 

Temblores
19:00 Zoo Palast 1 

Pablos Welt beginnt zu zerfallen, als sie von den wörtlichen und metaphorischen „Temblores“ (Zittern) eines Erdbebens getroffen wird.

 

Easy love
19:00 CinemaxX 3

Feldversuche in Sachen Herz: Sieben Männer und Frauen im Alter zwischen 25 und 45 Jahren sind die Autoren dieses Films. Die Akteure spielen sich selbst und nutzen ihre eigene Realität, um zu erforschen, was sie sein könnten….

 

Mitt Liv Som Hund
19:00 International 

Lasse Hallström erinnert an die Welt der späten 1950er und frühen 1960er Jahre und gibt einen leichten, sanften und liebevollen Einblick in die persönliche Entwicklung eines kleinen Jungen.

 

La Fiera y la Fiesta
20:15 CineStar 3 

Eine wehmütige Hommage an den transgressiven dominikanischen Filmemacher Jean-Luis Jorge. Laura Amelia Guzmán und die siebte Regiearbeit von Israel Cárdenas ist eine mutig erfinderische Meditation über den Alterungsprozess und die Freuden des Fleisches.

 

Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse
21:00 Zeughauskino

Frau Dr. Mabuse, Chefin eines Medienunternehmens, kreiert einen glamourösen, künstlichen Charakter zur Steigerung der Durchblutung. Diese futuristische Mediensatire kombiniert verschiedene Künste und Stile zu einem Stück wildem Welttheater.

 

Entropia
21:30 CinemaxX 3

Diese sinnliche Explosion von Farben wird dich dazu bringen, mehr zu wollen! Ein Abschlussfilm über die befreienden Aspekte der freien Erforschung der Sexualität.

 

Kislota
22:00 Zoo Palast 2

Eine wilde und böse Reise um eine Generation, die darum kämpft, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Mit einer Flasche Säure im Mittelpunkt, lassen sie sich in eine gefährlich korrosive Realität versetzen.

 

Lemebel
22:30 CineStar 7 

Lemebel ist ein vielschichtiges Porträt eines der wichtigsten und provokativsten Künstler Südamerikas, ein unermüdlicher Kämpfer im diktatorischen Chile und ein schwuler Aktivist, der sich zu Wort meldet – bis zum Ende seines Lebens.

TEDDY TODAY: Donnerstag Februar 7

Ist das nicht aufregend! Wie viele von euch bereits wissen, beginnt heute eines der größten öffentlichen Filmfestivals der Welt, die Berlinale. Und für die nächsten 10 ereignisreichen Tage, während wir uns langsam dem 33. TEDDY AWARD nähern, wird es viel auf eurer To-Watch-Liste geben – viel mehr als im letzten Jahr. Daher wollen wir euch dabei helfen, eure Liste zu optimieren.
Ab morgen geben wir euch Einblicke in alle queeren Filme der Berlinale. Wir möchten, dass ihr so viel wie möglich mitnehmt, weshalb ihr hier in unserem Blog die Spielzeiten, Spielorte und vieles mehr finden könnt. Verpasst also nicht die Beiträge von TEDDY TODAY! Wir freuen uns auf die spannenden Tage, die vor uns liegen! Ist es nicht unglaublich, wie aufregend die filmische Welt sein kann?
Und als ob das noch nicht genug wäre, werden wir während der Berlinale auch interessante Interviews mit den Produzenten/Schauspielern der queeren Filme führen. Also haltet Ausschau nach den Updates auf unseren Social Media Accounts!

Neue Visionen und fließende Identitäten im Fokus

Zsombor Bobák im Gespräch mit Paz Lázaro und
Michael Stütz – Kurator*innen des Panorama. 

Im vergangenen Jahr hat sich das Panorama-Team deutlich verändert: Wieland Speck hat nach 25 Jahren einer neuen Generation von Kuratoren das Wort erteilt. Das 40-jährige Jubiläum der Sektion dieses Jahr bietet die perfekte Gelegenheit, die inspirierende Vergangenheit und damit die belebende Präsenz des Panoramas näher zu betrachten.

Ich habe mich mit den Kuratoren Paz Lázaro und Michael Stütz zusammengesetzt, um über die reiche Geschichte des Arthouse Abschnitts, ihre Schlussfolgerungen aus dem letzten Jahr, ihre Ansätze für dieses Jahr und ihre Ansichten über die Taktiken zum Schutz des queeren Filmerbes und des in den letzten Jahrzehnten aufgebauten globalen Netzwerks von queeren Filmfestivals zu diskutieren. Unsere lebhafte Diskussion beleuchtete die Triebkräfte des Panoramas und gab einen Einblick in das diesjährige spannende Programm.

Normal von Adele Tulli © FilmAffair

Das ist euer zweites Jahr als Leiter der Panorama-Sektion. Inwiefern war es anders als im letzten Jahr und welche Schlussfolgerungen konntet ihr aus dem Jahr 2018 ziehen, die euch bei der Vorbereitung auf die diesjährige Ausgabe geholfen haben?

Michael: Ich denke, das letzte Jahr war sehr erfolgreich. Ich war wirklich begeistert von dem Programm, weil es sehr spezifisch war. Außerdem hatten wir ein sehr markantes und radikales queeres Programm, auf das ich sehr stolz bin. Wir hatten einen großen Pool an Filmen zur Auswahl.
Paz: Ja, und das ist sehr wichtig, denn alles beginnt mit den Filmen. Wir werden nie ein vorgefertigtes Konzept haben, zuerst müssen wir die Filme finden – oder die Filme müssen uns finden. Aber das erste sind immer die Filme selbst. Das war unser Ausgangspunkt im vergangenen Jahr, genau wie dieses Mal.
Michael: Das letzte Jahr war sehr interessant, weil es eine so große Vielfalt gab, was zum Beispiel die Darstellung von People of Colour betrifft. Filme wie Bixa Travesty, Shakedown, Game Girls oder Tinta Bruta schufen neue Visionen und konzentrierten sich auf Lebensentwürfe und Milieus, die nicht so oft im Film dargestellt werden. Ich denke, wir konnten auch ein neues Publikum gewinnen, zum Teil wegen der Vielfalt des Programms. Wir haben viele positive Reaktionen erhalten.
Paz: Ja, und das war sehr ermutigend und bekräftigend. Mit unseren Instinkten lagen wir also letzten Endes nicht falsch. Es ist sehr wichtig für einen Kurator, gute Instinkte zu haben. Denn man kann nie wissen, wie die Filme oder Ihr Programm bei der Branche und dem Publikum ankommen werden. Man kann es nicht vorhersagen, man kann nur eine Intuition dafür haben.  Deshalb war es uns auch sehr wichtig, das Leben der Filme nach dem Festival zu verfolgen und wir sind sehr stolz darauf, dass sie so extrem erfolgreich waren.
Michael: Der TEDDY-Gewinner Tinta Bruta zum Beispiel ist wirklich von einem Filmfestivals zum anderen um die Welt gereist und hat viele Preise gewonnen. Am Ende des Jahres ist er auf vielen „Top 10“-Listen gelandet. Es war sehr gut zu sehen, dass der Film so gut aufgenommen wurde. Aber im Allgemeinen blieben die Filme das ganze Jahr über sichtbar, was nicht selbstverständlich ist. Dabei spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle. Ich denke, es spricht wirklich für ihre Qualität und ihren Kommentar zu sozialen und politischen Fragen. Das hatte viel mit den intersektionalen Ansätzen zu tun, die sie gewählt haben. Es waren nicht nur von der Suche nach Identität getriebene Stoffe, es wurden auch andere Themen eingebracht, die das Spektrum erweiterten. Das war sehr wichtig, und es war sicherlich ein Ziel, das wir hatten und immer noch haben. Aber jedes Jahr ändert sich etwas. Man weiß nie, was man entdecken wird und was im Programm landet.
Paz: Genau. Und in diesem Sinne war dieses Jahr ganz anders als das letzte, einfach weil die Filme so markant waren. Zum Beispiel hatten wir im vergangenen Jahr viele Filme zur Auswahl, in denen es um lesbische Thematiken ging – in diesem Jahr nicht.
Michael: Weil sie fast alle im Wettbewerbsprogramm gelandet sind!
Paz (lacht): Ja, wir sind ein wenig eifersüchtig. Aber natürlich freuen wir uns sehr für sie.
Michael: Und das ist das Schöne am TEDDY. Es gibt Filme aus allen Bereichen und wir freuen uns sehr, dass es in diesem Jahr so viele queere Inhalte beim Festival gibt.

Searching Eva von Pia Hellenthal © Janis Mazuch / CORSO Film

Wie habt ihr die Filme in diesem Jahr ausgewählt und was sind die wichtigsten Themen des queeren Programms?

Michael: Wir interessieren uns für Filme, die Grenzen überschreiten. Wir sind auf der Suche nach Filmen mit einer unverwechselbaren individuellen Stimme und einer einzigartigen Vision. Eine intersektionale Art des Erzählens und der Struktur ist uns ebenfalls sehr wichtig.
Paz: Teil der Arbeit ist es auch, sich verschiedene Filme anzusehen, denn es gibt viel zu lernen von dem, was in der Filmpraxis allgemein in einem bestimmten Jahr passiert. Alle Filme, die wir in diesem Jahr ausgewählt haben, haben ihre Brüder und Schwestern da draußen, die es aus verschiedenen Gründen nicht in unser Programm geschafft haben. Man könnte sagen, dass wir den Puls des Filmschaffens jedes Jahr abtasten. Und dieser Puls ist definitiv ganz anders als im letzten Jahr. Bei den queeren Materialien ist die sexuelle und geschlechtsbezogene Fluidität gerade bei jüngeren Generationen in den Mittelpunkt gerückt. Es ist alles sehr aufregend.
Michael: Ja, auch Bisexualität wird in den diesjährigen Filmen breiter diskutiert, was im Kino ziemlich selten ist. Es wird ein immer größeres Thema. Genauso auch die Fluidität, die Paz erwähnt hat. Und das tun sie, weil sie die Realität der Dinge widerspiegeln. Die Dinge sind nicht mehr so stark festgelegt wie früher für unsere Generation oder die Generationen davor. Es existiert mittlerweile eine völlig andere Herangehensweise an Identität und sexuelle Fluidität, und das alles spiegelt sich in den diesjährigen queeren Filmen wider.
Paz: Absolut. Die Filme stellen sehr wichtige und dringende Fragen. Warum muss ich mich definieren? Viele Filme beschäftigen sich in diesem Jahr mit dieser Frage. Das zu sehen, war sehr erfrischend. Vor allem, dass diese Filme geografisch betrachtet von sehr unterschiedlichen Orten stammen. Es scheint ein übergreifendes Thema zu sein, und ich freue mich sehr über diesen Trend.
Michael: Auch die Kritik und Herausforderung der Norm ist als Thema in diesem Jahr sehr ausgeprägt. Das hatten wir schon immer, aber gerade dieses Jahr liegt der Schwerpunkt darauf. Wie beispielsweise in Normal. Das ist kein klassischer, typisch queerer Film, überhaupt nicht.  Es ist ein Film, der binäre Geschlechtereinteilungen und Stereotypen dekonstruiert, indem er sich mit Ritualen beschäftigt, die wir in der Gesellschaft immer wieder durchführen und die als normales Geschlechtsverhalten betrachtet werden. Es wird untersucht, warum es in der Gesellschaft keinen Raum zwischen Hypermaskulinität und Hyperfeminität gibt, wie man entweder klar das eine oder das andere sein muss. Der Film ist sehr interessiert an diesem erzwungenen Binärsystem.
Paz: Der Film macht wirklich Spaß. Vor allem, weil der einzige Kommentar, den er anbietet, der Titel ist: Normal. Ansonsten beobachtet die Kamera lediglich und es ist das Publikum, das sich entscheiden muss, was es daraus machen soll. Und dann haben wir das genaue Gegenteil davon, eine Dokumentation namens Searching Eva. Eva ist ein absoluter Freigeist. Sie weigert sich, sich in irgendeiner Weise zu definieren. Sie erfindet sich jeden Tag neu, so wie sie es will. Identität erscheint als etwas, das formbar ist und mit dem man spielen und es so gestalten kann, wie man es möchte. Sie hat die Welt wirklich zu ihrem Zuhause gemacht. Dieser Film spielt zum Beispiel sehr offen mit den Ideen der Fluidität. Und das nicht nur in Bezug auf Eva, die Hauptfigur, sondern auch in Bezug auf die Welt um sie herum. Diese Filme bilden also die zwei gegenüberliegenden Seiten eines Spektrums. Und was dazwischen liegt, kommt aus den anderen Filmen.

Breve historia del planeta verde von Santiago Loza © Eduardo Crespo

Konntet ihr im diesjährigen Programm eine bestimmte queere Art des Filmemachens identifizieren?

Kislota by Alexander Gorchilin © Studio SLON / KislotaMichael: Wenn wir über Form sprechen, ist Searching Eva wieder ein perfektes Beispiel, weil es mit verschiedenen Arten von Formen spielt, es ist ein Hybrid. Es ist kein geradliniger Dokumentarfilm. Es gibt geskriptete Szenen, aber dann gibt es auch viel traditionelles dokumentarisches Material, wo der Film sich fast wie ein Tagebuch erzählt. Diese Formen gehen fließend ineinander über, sowohl die Visualisierung des Themas wie auch die Darstellung der Protagonistin.
Paz: Wichtig ist, dass queere Inhalte nicht nur narrativ sind. Sie sind viel mehr als das. Sie können aus der Form entspringen, aus dem Blick des Films, aus einer bestimmten Logik, die dem Film zugrunde liegt. Viele, viele Dinge können einen Film queer machen.
Michael: Ich denke, der formale Ansatz ist genauso wichtig wie die Aktualität eines Films. Die Art und Weise, wie die Kamera funktioniert, wie Körper dargestellt werden und wie Körperlichkeit in einem Film vermittelt wird, trägt zu seinen queeren Inhalten und Lesarten bei.
Paz: In diesem Jahr haben wir eine ganze Reihe von queeren Filmen in dieser Art. Acid, zum Beispiel. Der Film ist queerer, als er aussieht.
Michael: Er besitzt eine Liebe für Männlichkeit. Und vor allem für die gebrochene Männlichkeit, die er darstellt. Es geht ihm auch um fluide Sexualität, aber sie wird nicht betont, sie steht nicht im Mittelpunkt.
Paz: Und auch dort spielt der russische Kontext eine Rolle. Unterdrückungssysteme kommen zum Vorschein, aber queere Sexualität und ihre Spannungen bleiben im Hintergrund, sind jedoch auf sehr feinfühlige Weise allgegenwärtig. Es ist nicht das Hauptproblem, mit dem die Charaktere zu tun haben, es ist überhaupt kein Problem. Es wird sehr natürlich dargestellt, ist aber im Blick der Kamera sehr stark präsent. Ebenso könnten wir Family Members erwähnen. Er hat eine einzigartige Art, eine Geschichte zu erzählen. Niemand sonst könnte diese Geschichte so erzählen. Er erzählt sehr humor- und liebevoll, und obwohl die Sexualität und die körperlichen Sehnsüchte der Hauptfigur nicht die am stärksten betonten Elemente der Handlung darstellen, sind sie auf magische Weise sehr wichtig und sehr präsent während des gesamten Films. Und diese Filme sind der erste beziehungsweise zweite Film der Regisseure, was sehr vielversprechend ist.

Kislota von Alexander Gorchilin © Studio SLON / Kislota

In diesem Jahr wird das Panorama 40 Jahre alt. Wie hat sich das Panorama im Laufe der Jahre verändert? Was sind seine Kernwerte und sein Erbe?

Michael: Die Landschaften von Kino und Filmkultur haben sich in diesen 40 Jahren drastisch verändert, und damit auch die Sektion. Digitalisierung, Internet, Fernsehen, Vertrieb, die Art, wie Menschen auf Filme zugreifen – alles hat sich verändert. Für eine gewaltige Anzahl an Filmen sind Filmfestivals die einzige Möglichkeit der Distribution. Auch der filmische Output ist viel größer und vielfältiger. Natürlich gab es in diesen 40 Jahren so viele ikonische Filme, so viele Filme auch aus der New Queer Cinema-Bewegung, aber es gibt trotzdem mittlerweile eine größere Vielfalt. Die Grundwerte waren von Anfang an vorhanden. Was den TEDDY betrifft, war das in erster Linie die Notwendigkeit, innerhalb eines  A-Filmfestivals einen Raum für queere Filme zu schaffen.
Paz: Am Anfang funktionierte das alles mehr als ein Sicherheitsnetz. Wenn die anderen Sektionen nicht genügend queere Inhalte hatten, haben wir nachgeholfen. Inzwischen ist es ein organischer Prozess geworden. Panorama ist kein Wachhund über queere Inhalte mehr. Die Berlinale hat sich schon vor langer Zeit davon emanzipiert.
Michael: Ja, wir sind da sehr privilegiert. Diese Filme kommen und finden ihren Weg in das Programm auf ganz organische Weise. Das liegt natürlich auch daran, dass Wieland Speck und Manfred Salzgeber diese Bühne und Stimme und Aufmerksamkeit für die Filme geschaffen haben. Sie haben nicht nur einen Markt für diese Filme geschaffen, sondern auch ein Publikum, was eine immens wichtige Sache ist. Sie wussten, dass das Publikum da draußen ist. Wir befinden uns in einer so riesigen urbanen Landschaft wie Berlin, und Vielfalt ist natürlich da draußen, aber man muss die Menschen eben auch wachrütteln.
Paz: Es war für die beiden immer ein langfristiges Projekt. Sie wussten, dass dafür Zeit nötig ist und bauten es energisch auf, was wirklich einzigartig ist. Ich kenne kein anderes Festival, bei dem das so reibungslos ablaufen würde wie hier auf der Berlinale.
Michael: Eine weitere tolle Sache ist die Vielfalt, die damit einhergeht. Die Filme in den Sektionen Forum und Forum Expanded sind völlig anders als die im Wettbewerb, Generation oder hier im Panorama. Es gibt jedes Jahr eine sehr große Auswahl an queeren Filmen und dass das alles einfach so organisch geschieht, ist eine enorme Leistung. Es gibt eine Vielfalt an Narrativen, aber auch an Ästhetik und visuellen Ansätzen. Das ist auch etwas, was den TEDDY äußerst relevant macht.
Paz: Die bahnbrechende Vision von Manfred und Wieland wächst jedes Jahr und wird auf anderen Festivals adoptiert, was wirklich wunderbar ist.

A Dog Barking At The Moon von Zi Xiang © Acorn Studio

Anlässlich des Jahrestages der Sektion gibt es ein spezielles Panorama 40-Programm, das dieses Jahr kuratiert wurde und sich mit der Geschichte des Panoramas beschäftigt. Was kann ein Filmfestival wie die Berlinale tun, um das queere Filmerbe zu bewahren, dem das Panorama in diesen vier Jahrzehnten eine Plattform geboten hat?

Michael: Es ist eine sehr wichtige, aber auch schwierige Frage. Das Festival findet nur einmal im Jahr statt, was bereits ein Problem darstellt. In der Welt gibt es verschiedene Modelle. Einige Festivals haben ein eigenes Kino und programmieren ihre Filme das ganze Jahr über, sie bringen auch alte Filme zurück oder buchen sie später für eine ganze Kinolaufzeit. Wir haben diese Option nicht, also machen wir andere Sachen. Wir kuratieren zum Beispiel Programme für andere queere Filmfestivals und Initiativen.
Paz: Diese Frage stellt sich der TEDDY schon seit langem. Wie kann man ein Archiv für queere Filme aufbauen? Wie stellt man sicher, dass diese Filme ihren Platz haben und geschützt sind? Wie finden sie den Weg zurück zum Publikum? Und so hat die Queer Academy tatsächlich angefangen, das war die Grundidee dahinter.
Michael: Ja, die Idee und Plan für die Queer Academy sind schon länger vorhanden, aber es ist einfach keine leichte Aufgabe, ohne jegliche finanzielle Unterstützung ein lebendiges  Archiv aufzubauen. Das Arsenal zum Beispiel leistet wunderbare Arbeit in der Archivierung und Kuratierung, und sie haben viel queeres Material in ihrem Archiv.
Paz: Einen Treffpunkt für queere Filmfestivalprogrammer innerhalb eines der größten A-Filmfestivals bieten zu können, ist meiner Meinung nach sehr wichtig. Es ist eine gute Grundlage, um darauf aufzubauen. Es gibt viel zu tun, aber die Grundstruktur ist vorhanden und sehr solide.
Michael: Ja, wir wollten schon immer alle queeren Filmfestivals einbeziehen, denn – und das ist auch im Falle der Berlinale außergewöhnlich – das Netzwerk, das zwischen den queeren Filmfestivals und der Industrie und allen, die sich für solche Inhalte interessieren, aufgebaut wurde, ist ein überaus wichtiger Teil der globalen Pflege eines queeren Erbes. Letzten Endes ist es ein Treffpunkt für Programmer, Industrie und Publikum. Das ist ein ganz wesentlicher Teil und großer Vorzug. Aber wenn man nicht über die finanziellen Mittel verfügt, ist es schwierig. Man braucht die Leute, die es dann tatsächlich auf die Beine stellen werden, und letzten Endes ist es ein Luxus. Es ist sehr schwer, die finanzielle Unterstützung zu bekommen. Wir haben es viele Male versucht und bisher hat es nicht funktioniert. Aber wir werden nicht aufgeben. Das erfordert viel Aufmerksamkeit, viel Zeit, viel Konzentration.
Paz: Auch wenn man sich den European Film Market (EFM) einmal ansieht, sieht man, dass queeres Kino dort mit offenen Armen begrüßt wird. Das ist ein großer Bestandteil der Berlinale selbst. Die Industrie, die allein für den Markt und seine queeren Filme kommt, ist riesig. Das existiert sonst nirgendwo. Was Matthijs Wouter Knol für den EFM getan hat, ist bemerkenswert. Es gibt keinen anderen Filmmarkt auf der Welt, in dem es eine Person gibt, die speziell an Diversität und Inklusion arbeitet, wie Themba Bhebhe beim EFM. Was der EFM auf dieser Ebene geleistet hat, ist historisch einzigartig!
Michael: Und ich denke, es gibt kein anderes Festival, bei dem der Markt so eng mit dem Programmingteam zusammenarbeitet. Wir arbeiten wirklich Seite an Seite. Natürlich spielt der EFM eine entscheidende Rolle bei der lebendigen Verbreitung queerer Filme,was eben auch Teil der Arbeit ist, wenn es um den Schutz dieses Erbes und der queeren Filmkultur geht.

Die ungleiche Verteilung von queeren Filmfestivals und Filmtiteln auf der ganzen Welt ist immer noch ein dominantes Thema. Der Queer Academy Summit 2019 ist eine gute Initiative, um auch diese Problematik zu diskutieren. Networking und Zusammenarbeit scheinen der Schlüssel zur Lösung zu sein. Glaubt ihr, dass das die Zukunft des queeren Kinos ist?

Michael: Eine andere Art von Netzwerk und ein Modell für eine gleichmäßige Verteilung ist sehr wichtig. Wir versuchen, Programmer mit der Industrie zusammenzubringen. Aber das Ganze ist sehr komplex. Und als Programmer kannst du nur bis zu einem gewissen Punkt handeln. Jemand muss ab einem bestimmten Schritt die Führung übernehmen. Das ist ein großes Thema in der Filmfestivaltheorie, aber irgendwie schafft es das nicht in die Praxis. Das ist stark mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten verbunden. Die Kreativität, die Ideen, die Leidenschaft sind alle im Übermaß vorhanden, aber es braucht etwas, um sie zu katalysieren. Und im Moment wirft auch das Diktat des Filmmarktes einige Schwierigkeiten auf. Da gibt es sehr starre Verhältnisse, wahrscheinlich starrer denn je. Wenn man sich ansieht, welche Filme das meiste Geld reinholen…. das sind alles Franchises. Unabhängige queere Stimmen sind in diesem Umfeld in einer schwierigen Situation.
Paz: Auch die Vertriebslandschaft hat sich stark gewandelt. Neue Akteure wie Netflix oder Amazon haben das Ganze komplett verändert. Wir müssen uns dessen bewusst sein und darauf reagieren. Wir müssen mit diesem sich rapide verändernden Feld irgendwie Schritt halten. Als wir dieses Jahr in Toronto nach Filmen gesucht und Gespräche mit Leuten aus der Branche geführt haben, waren sich alle einig, dass sich das Spiel völlig verändert hat. Das ist nicht nötigenfalls schlecht oder gut, sondern bedeutet lediglich, dass wir uns in einer neuen Situation befinden, die natürlich neue Herausforderungen mit sich bringt. Wir sind alle neugierig, wohin das alles führt, aber sicherlich wird es auch Auswirkungen auf die Verbreitung queerer Titel haben. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass es positive Auswirkungen sein werden.

Greta von Armando Praça © Aline Belfort

Letztes Jahr sagte eine Freundin von mir, dass sie das Panorama und innerhalb des Panoramas den TEDDY besonders mag, weil es eine Sektion mit Persönlichkeit ist, die den Zuschauer direkt anspricht. Was ist der Schlüssel zum Erfolg des Panoramas, sich so gut mit dem Publikum zu verbinden?

Michael: Es ist auch historisch so gewachsen. Manfred und Wieland haben für diese Filme ein Publikum geschaffen und vor allem darin liegt der Schlüssel.
Paz: Wir haben einen Publikumspreis, das Publikum fühlt sich sehr sichtbar und integriert. Wir haben Q&As, die sehr lang sind, aber die Leute bleiben gerne. Und das ist eine ziemlich große Sache! Während eines Festivals hat jeder sehr volle Zeitpläne, die Leute müssen immer zur nächsten Vorstellung rennen, oder Essen holen, oder was auch immer. Aber die Leute bleiben für Q&As und beteiligen sich und ich denke, das hat große Wirkung. Wir sind auch sehr präsent.
Michael: Ja, die Leute wollen sich beteiligen. Und das hat viel mit dem Programm zu tun. Verschiedene Arten von Visionen, Erzählungen, Orten und Perspektiven können hier entdeckt werden. Die eigene Perspektive wird oft in Frage gestellt, was das gesamte Publikum anspricht. Das Berliner Publikum ist in der Regel sehr gebildet und politisch, sie sind sehr aktiv. Sie wollen nicht die ganze Zeit überflüssiges Zeug sehen. Sie wollen etwas lernen und sie wollen etwas sehen. Deshalb haben wir diese Mischung, dass neue Visionen und herausforderndes Material präsentiert werden, die aber trotzdem zugänglich sind.
Paz: Wir sind da, wir sind greifbar. Wir verstecken uns nicht im Glamour. Es ist ein Festival, bei dem alle auf Augenhöhe präsent sind: Programmer, Industrie, Presse, Publikum, alle.
Michael: Allerdings. Es ist einfach alles sehr zugänglich. Für alle Menschen – nun, das wäre nicht ganz richtig. Man muss für die Tickets bezahlen, man muss Englisch verstehen, aber trotzdem, vor allem im Vergleich zu anderen Festivals, ist es für das Publikum sehr zugänglich.
Paz: Filmemacher sind auch sehr offen und wollen ihr Publikum kennenlernen. Sie mögen es, sich mit ihnen zu beschäftigen und sie freuen sich darauf! Auch in diesem Sinne ist unser Budget sehr begrenzt. Aber trotzdem leistet das Team hervorragende Arbeit und die Filmemacher sind daran immer beteiligt. Es ist einfach ein Teil der Panorama-DNA. Keiner scheut irgendwelche Mühen, um die Dinge möglich zu machen. Es ist eine Leidenschaft, die wir teilen, und die dabei hilft, unsere Grenzen zu überschreiten. Das haben wir von Anfang an gelernt, und das geht wiederum alles auf die fantastische Arbeit von Manfred und Wieland und die enorme Arbeit des Panorama-Teams zurück. Irgendwie ist es einfach nie eine Frage. So funktioniert das Panorama eben.

Die TEDDY Jury 2019

Die Juroren des 33. TEDDY AWARD – der am 15.2.2019 in der VOLKSBÜHNE BERLIN verliehen wird – stehen fest! Sieben renommierte Film- und Festivalmacher*Innen wählen aus den queeren Filmen der Berlinale die Preisträger*innen in den Kategorien Bester Spielfilm, Bester Dokumentar-/ Essayfilm und Bester Kurzfilm aus und vergeben den TEDDY Jury Award:

Sandra Hezinová arbeitet als Kuratorin in Tschechien. 2013 schloss sie ihr Studium der Filmtheorie und Geschichte an der Karls-Universität Prag ab. In ihrer Abschlussarbeit verfolgte sie eine Untersuchung der ersten queeren tschechischen Filme aus dem Blickwinkel der Queer Theory und Rezeptionstheorie. Seit 2015 arbeitete sie als Kuratorin für das Mezipatra Queer Film Festival, dessen Programmdirektion sie seit 2016 leitet. Sie ist darüber hinaus auch als Kuratorin für das Karlovy Vary International Film Festival tätig.

©Jaclyn Paterson
©Jaclyn Paterson

Paul Struthers ist als Direktor für Vorführung und Kuration für Frameline tätig, welche als gemeinnützige Organisation das San Francisco International LGBTIQ Film Festival als ältestes und größtes LGBTIQ+-Filmfestival der Welt veranstaltet. Nach seinem Abschluss in medialen Künsten von der Royal Holloway University London arbeitete er über 15 Jahre in diversen Positionen der Filmindustrie und der Festivalorganisation in Großbritannien und Australien. Unter anderem war er acht Jahre lang für das Marketing des Sydney Film Festivals verantwortlich und leitete zwischen 2014 und 2017 das Queer Screen Sydney Mardi Gras Film Festival als Festivaldirektor.  

María Paula Lorgia ist Wissenschaftlerin und Kuratorin für Film und Medien. Sie besitzt einen Masterabschluss der Medienwissenschaften der New School University New York. Momentan arbeitet sie als leitende Kuratorin der Cinemateca Distrital von Bogotá, der zentralen staatlichen Kinoinstitution Kolumbiens. Seit sechs Jahren koordiniert sie außerdem das älteste kolumbianische LGBTIQ-Filmfestival Ciclo Rosa.   

Kevin Mwachiro ist Schriftsteller, Dichter, freischaffender Journalist, schwuler Aktivist, Podcaster und Liebhaber der Kultur, der Menschen und Afrikas. Als Vorstandsmitglied der panafrikanischen ILGA und der kenianischen GALCK ist er eine Stimme für die queeren Gemeinschaften in Kenia wie auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Durch seine Dichtung, Literatur und Theaterstücke hat Kevin ein neues Maß an Aufmerksamkeit gegenüber LGBTIQ-Perspektiven in Kenia erreicht und das Out Film Festival als erstes LGBTI-Festival Ostafrikas mitbegründet. Er blickt auf eine langjährige Zusammenarbeit mit der BBC und dem Goethe-Institut Nairobi zurück.

Jay Bernard ist Schriftstellerin, Regisseurin und Kuratorin am BFI Flare London. Jays Kurzfilm SOMETHING SAID (2017) gewann sowohl den Experimentalfilmpreis des Aesthetica Short Film Festivals als auch den Preis für den besten queeren Kurzfilm des Leeds International Film Festival und untersucht die Transformation des Körpers im Kontext schwarzer britischer Archive. Jay ist außerdem Gewinnerin des Ted Hughes Award 2018 für das multimediale Werk SURGE: SIDE A.  

© Nadja Wehling
© Nadja Wehling

Popo Fan ist ein queerer chinesischer Regisseur, Aktivist und Schriftsteller. 2007 schloss er sein Studium an der Beijing Film Academy ab und veröffentlichte sein erstes Buch über queeren Film. Zwischen 2009 und 2016 arbeitete er an einer Filmtrilogie über LGBT-Familien in China, deren Veröffentlichung in der chinesischen Gesellschaft bleibenden Eindruck hinterließ. Nachdem sein Film Mama Rainbow aus dem Internet entfernt wurde, zog Fan gegen die Regierung vor Gericht. Dass er den Rechtsstreit gewann, stellte ein bahnbrechendes Grundsatzurteil im Kampf gegen die staatliche Zensur dar.
Fan war über zehn Jahre in organisierender Funktion für das Beijing Queer Film Festival tätig; er gründete darüber hinaus das Queer University Video Training Camp in China. Momentan arbeitet er in Berlin an seinem Langfilmdebüt und schreibt unter anderem für Vice China. Neben anderen Errungenschaften erhielt er 2011 den Prism Award des Hong Kong Lesbian and Gay Film Festival und war Teilnehmer der Berlinale Talents 2017.

© Glasow
© Glasow

Andrea Kuhn leitet seit 2007 das Internationale Nürnberger Filmfestival der Menschenrechte. Sie ist ausgebildete Filmwissenschaftlerin und unterrichtete acht Jahre lang Film‐ und Kulturwissenschaft an der Universität Erlangen‐Nürnberg. Parallel leitete sie 10 Jahre die StummFilmMusikTage Erlangen. 2008-2010 war sie Vorsitzende des Human Rights Film Network, einem Zusammenschluss von rund 40 Filmfestivals zum Thema Menschenrechte weltweit. Andrea ist Mitglied der Europäischen Filmakademie, Kuratoriumsmitglied der Stiftung medico international und Vorstandsmitglied des Dox Box e.V., einer Organisation, die Dokumentarfilmer*innen in der arabischen Welt unterstützt. Sie ist außerdem stolze Besitzerin einer Goldmedaille im Fußball der Gay Games 2010.

Tickets

Karten für die TEDDY AWARD Preisverleihung in der VOLKSBÜHNE BERLIN am 15.02.2019 sind ab sofort erhältlich im Webshop oder telefonisch über die Ticket-Hotline 030-240 65-777. Ohne Vorverkaufsgebühr gibt es Karten auch im Prinz Eisenherz Buchladen, Motzstrasse 23, 10777 Berlin.

Die TEDDY AWARD Preisverleihung am 15.02.2019 in der VOLKSBÜHNE BERLIN, beginnt um 21 Uhr. Ab 23.30 Uhr beginnt die rauschende TEDDY After Show PARTY & LOUNGE mit 3 Dance Floors, 2 Lounges, 5 Djs und Live Acts!