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Tag 3: Die Emos sind zurück!

Emos!! Wer liebt sie nicht? Diese wunderbare Ausgeburt der Anfang 200er Jahre. Coming-of-Age Filme, wer ist nicht süchtig danach?  Dann hab ich ja die perfekte Kombination für euch gefunden: „Emo – The Musical“! Mit viel Gesang und Humor erzählt der Film die Geschichte eines High School-Außenseiters und einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte. Aber seht selbst!

Unten findet ihr das heutige queere Programm.


Casa Roshell
Casa Roshell

Mexico/Chile 2017
71′
Director: Camila José Donoso

Ein zweites Zuhause würde man hier nicht erwarten. Die Überwachungskamera zeigt einen trostlosen Eingang in einer unscheinbaren Straße in Mexiko-Stadt. Drinnen Discobeleuchtung und leere Tische. Aber die Vorbereitungen laufen schon und feste Rollen gibt es bald nicht mehr: Bartstoppeln verschwinden, Make-up wird aufgetragen, Haarsträhnen zurechtgezupft. Die Kamera ist nicht auf die Männer gerichtet, sondern darauf, wie sie sich im Spiegel sehen. Es bleibt Zeit für eine Übung, bevor die Party steigt: elegant zu laufen, sich die richtigen Buchstaben vorstellen und überlegen, was für eine Frau man sein möchte. Bei Musik und Drinks fallen dann die letzten Schranken: zwischen Mann und Frau, schwul, hetero und bi, Vergangenheit und Gegenwart, Wirklichkeit und Fiktion. Wie sie dasitzen und plaudern oder vorm Darkroom warten, erinnern sie an Filmfiguren, unerreichbar glamourös, was nicht bedeutet, ihre Geschichten seien nicht wahr. Das Filmmaterial, das die digitalen Bilder ablöst, wird zum Symbol für die Erinnerungen an die Casa Roshell und die Schemen all jener, die hierher kamen, um sich nicht mehr allein zu fühlen. Mag die Utopie klein sein, die Welt draußen hat noch einiges aufzuholen.

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11.02. / 22:00 CinemaxX 4


Casting
Casting

Germany 2017
91′,
Director: Nicolas Wackerbarth

Für ihren ersten Fernsehfilm – ein Remake von Fassbinders Die bitteren Tränen der Petra von Kant – sucht Regisseurin Vera die Idealbesetzung. Doch kurz vor dem ersten Drehtag und nach zahlreichen Castings hat sie die Hauptrolle immer noch nicht gefunden. Während Produzent und Team an Vera verzweifeln, freut sich Gerwin über die Mehrarbeit. Denn er verdient sein Geld als Proben-Anspielpartner und spricht Dialogsätze für die prominenten Bewerberinnen ein. Als der männliche Hauptdarsteller plötzlich abspringt, wittert Gerwin seine Chance. Regisseur Nicolas Wackerbarth trifft Fassbinders Vorlage in ihrem vielschichtigen Wesen und schafft gleichzeitig ein ganz eigenes, tiefgründiges Werk. Casting wirft einen schonungslosen Blick in die Abgründe menschlicher Beziehungen, die gesteuert sind durch Macht, Leidenschaft und Verzweiflung. Doch ganz nebenbei fördert Wackerbarth auch bittere Wahrheiten über Kräfteverhältnisse und Abhängigkeiten in der deutschen Fernsehbranche zu Tage. Casting ist ein ebenso kluger wie unterhaltsamer Film, geprägt durch spannende Wendepunkte, Humor – und das atemberaubende Schauspiel eines virtuosen Ensembles.

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11.02. / 19:00 Delphi Filmpalast


Chavela
Chavela

USA 2017
90′,
Director: Catherine Gund, Daresha KyiHauptsächlich durch die Darbietung traditioneller, ursprünglich von Männern vorgetragener Rancheras wurde die Sängerin Chavela Vargas erst in Mexiko und später weltweit bekannt. Die Lieder, die meist von unerfüllter Liebe zu Frauen, Weltschmerz und Einsamkeit handeln, trug sie mit einem einzigartigen Gefühl für Rhythmik und markant-rauer, zugleich verletzlicher Stimme vor. Ihr burschikoses Auftreten und der Poncho machten sie unverwechselbar. In Acapulco, in den 1960er-Jahren Treffpunkt für Prominenz aus Politik und Kultur, verkehrte sie mit zahlreichen Berühmtheiten und verdrehte mit ihrem Charme und ihrer auffallenden Schönheit Frida Kahlo oder Ava Gardner den Kopf. Nach einer 13-jährigen, dem intensiven Alkoholgenuss geschuldeten Auftrittspause wurde sie Anfang der 1990er-Jahre wiederentdeckt. Sie hatte ein beeindruckendes Comeback und war Muse von Künstlern und Regisseuren wie Pedro Almodóvar. Aus teils unveröffentlichtem Material und Interviews mit Chavela selbst, ihren Weggefährten, Kolleginnen und Partnerinnen entstand ein liebevolles Porträt der charismatischen und zeitlebens offen lesbisch lebenden Ausnahmekünstlerin, die 2012 im Alter von 93 Jahren starb.

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11.02. / 14:30 CineStar 7


Como Nossos Pais
Just Like Our Parents

Brazil 2017
102′,
Director: Laís Bodanzky

Rosa, Ende 30, Kind geschiedener Eltern, bewohnt mit ihrer Familie ein Apartment mitten in São Paulo. Da ihr Mann oft auf wenig einträglichen Forschungsreisen unterwegs ist, liegt die Versorgung ihrer beiden gemeinsamen Töchter bei ihr. Anstatt sich ihrer eigentlichen Berufung als Theaterautorin zu widmen, muss sie mit Werbetexten für Badkeramik ihren Unterhalt bestreiten. Sexuelle Koflikte in ihrer Partnerschaft, Probleme mit Arbeitsaufträgen und die bedürftige Künstlerseele ihres labilen Vaters stellen für Rosa eine immer größere Herausforderung dar. Als ihre Mutter ihr eines Tages eine unerwartete Eröffnung macht, beschließt Rosa, aus ihren gewohnten Verpflichtungen auszubrechen, und entdeckt, dass das Leben noch viele Überraschungen bereithält. Mit beeindruckender Natürlichkeit inszeniert Laís Bodanzky den Alltag dreier Generationen in Brasiliens größter Metropole zwischen individuellen Leidenschaften und Existenzlügen. Im Mittelpunkt steht das Porträt einer vom permanenten Erwartungsdruck überwältigten Frau, die sich auf die Suche begibt, um herauszufinden, wer sie wirklich ist.

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11.02. / 19:30 International


Discreet
Discreet

USA 2017
81′
Director: Travis Mathews

In Fett brutzelnde Speckstreifen, eine junge Frau, die sich bei den Abonnenten ihres YouTube-Kanals bedankt, eine in schwarzen Mülltüten sauber verschnürte Leiche, die den Fluss hinuntertreibt – so klar die ersten Bilder in Travis Mathews’ Mystery-Thriller auch sein mögen, schälen sich die Zusammenhänge doch erst langsam und wie aus dem Unbewussten heraus. Die elliptisch montierten Geschichte, die um einen nicht mehr ganz jungen Mann kreist, ist mit einem unheimlichen Soundteppich unterlegt: Der Filmemacher Alex lebt in einem Van und stellt seine Kamera in ländlichen Regionen der USA im Niemandsland an den Highways auf. Als er seine ehemals alkoholabhängige Mutter besucht, erfährt er von ihr ein gut gehütetes Geheimnis. Und es gibt einen kleinen Jungen, zu dem Alex eine unerwartet intensive Beziehung aufbaut. Regisseur Mathews ist der Chronist einer schwulen, westlichen Moderne – von anonymem Sex zu Heteropornos in der Kabine oder als Dienstleistung im Zimmer eines Motels. Ein kleines Haus, eine Existenz am Rande der Gesellschaft, im Radio hört man immer wieder die rechten Parolen gegen alles, was nicht weiß und heterosexuell ist, hier in Texas.

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11.02. / 22:30 CinemaxX 7


Dream Boat
Dream Boat

Germany 2017
92′
Director: Tristan Ferland Milewski

Eine Woche auf einem Kreuzfahrtschiff, mit Partys, Spaß und neuen Freundschaften: Es handelt sich um eine exklusiv schwule Reisegesellschaft und Themen wie Identität, Körperlichkeit und die Suche nach Sex spielen eine besondere Rolle. Jeden Abend fordert ein neues Motto die Passagiere zu extravaganten Verkleidungen und knappen Outfits heraus, doch in den Kabinen geht es auch unter die Oberfläche, und ganz Privates kommt zutage. So will der junge Pole Marek als Mensch akzeptiert und geliebt werden, und nicht wegen seines gestählten Körpers. Dipankar aus Indien, der erst seit kurzem zu seiner Homosexualität steht, und der Palästinenser Ramzi nutzen den Freiraum aus, den sie aus den homophoben Gesellschaften ihrer Heimatländer nicht kennen. Der HIV-positive Martin reflektiert über Hedonismus, während Philippe aus Frankreich das Treiben auf dem Boot abgeklärt aus seinem Rollstuhl beobachtet. In seinem Kinofilmdebüt gelingt Regisseur Tristan Ferland Milewski ein Blick hinter die Kulissen einer zunächst oberflächlich erscheinenden Welt. Er baut mit Witz eine Nähe zu den Männern auf, die offen über schwules Begehren, freie Liebe und ganz altmodische Zweierbeziehungen reden.

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11.02. / 14:45 Colosseum 1


EMO the Musical
EMO the Musical

Australia 2016
94′
Director: Neil Triffett

„Wie sollen wir wissen, ob du es ernst meinst?“ · „An meiner letzten Schule habe ich versucht mich aufzuhängen, und sie haben mich rausgeschmissen.“ · „Willkommen in der Band.“ Nach einer lobenden Erwähnung für den besten Kurzfilm von der Generation-Jugendjury 2014 ist aus der ironisch beschwingt erzählten Liebesgeschichte inzwischen ein Spielfilm geworden. Ethan, ein depressiv-sensibler Emo mit suizidalen Neigungen, spielt mit Gleichgesinnten in einer Schülerband harten, düsteren Rock. Gut-drauf-Sein geht hier gar nicht. Aber genau das ist die immer fröhliche Mitschülerin Trinity, die mit ihrer sanften Stimme erbauliche Lieder in einer christlichen Jugendgruppe singt. Trinity und Ethan, keiner wird das verstehen, geschweige denn akzeptieren! Und doch ist es um die beiden geschehen, als sie sich zum ersten Mal begegnen. Die unmögliche Verbindung bringt an ihrer ziemlich verrückten Schule einiges in Bewegung.

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11.02. / 17:00 HKW


God’s Own Country
God’s Own Country

Great Britain 2017
104′
Director: Francis Lee

Der junge Johnny bewirtschaftet die Farm seines kranken Vaters im englischen Yorkshire. Die Kommunikation zwischen Vater und Sohn ist den widrigen Lebens- und Arbeitsumständen angepasst: Knapp und rau werden meist Worte der Kritik oder Bevormundung an den Sohn gerichtet. Die Großmutter leistet stoisch ihren Teil. Frustriert geht der isolierte Johnny seinem harten Tagesgeschäft nach, hat unverbindlichen Sex mit Männern oder betrinkt sich im lokalen Pub, um seinem Alltag zu entfliehen. Als im Frühjahr der gleichaltrige Gheorghe aus Rumänien als Aushilfe für die Saison anheuert, begegnet Johnny dem Fremden zunächst mit Misstrauen. Die anfänglichen Spannungen zwischen den Männern weichen jedoch bald einer intensiven Beziehung, die Johnny neue Perspektiven eröffnet, ihn aber auch vor weitere Herausforderungen stellt. Francis Lee zeigt in seinem Langfilmdebüt den entbehrungsreichen Farm-Alltag in authentischen Bildern. Er konzentriert sich dabei auf Blicke und Gesten seiner Charaktere und ihre unmittelbare Körperlichkeit. Die archaische Landschaft von „God’s Own Country“, wie die Einheimischen die ehemalige Grafschaft nennen, wird zum Spiegelbild innerer Tumulte.

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11.02. / 14:30 Cubix 9


Kometen
The Comet

Sweden 2016
11′
Director: Victor Lindgren
Cast: Abdi Aziis

Das Meer. Hohe Wellen. Dunkles Wasser. Ein Grenzzaun, hinter dem sich zwei Männer verstecken. Ihre Flucht beginnt. Nur einer von ihnen wird Schweden erreichen. Abdi Aziis, der einen der beiden spielt, ist selbst von Somalia nach Schweden geflohen, um der Unterdrückung und Verfolgung von schwulen Männern zu entkommen. „Er ist unser Komet“, sagt Regisseur Victor Lindgren, dem es gelingt, in wenigen ausgewählten Situationen die Strapazen, den tiefen Abgrund, das Ankommen und die Einsamkeit der Flüchtenden wiederzugeben. Die beiden Männer liegen nebeneinander auf der Bank, einen Arm über dem Bauch des anderen – ein Bild für ihre Vertrautheit, ihre geteilte Erfahrung. Schon im nächsten Moment ist all das verloren. Für immer. Wie kann das Leben weitergehen? Für seinen Film Ta av mig wurde Victor Lindgren 2013 mit dem TEDDY Award für den Besten Kurzlm bei der Berlinale ausgezeichnet.

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11.02. / 16:00 CinemaxX 5


Mein wunderbares West-Berlin
My Wonderful West Berlin

Germany 2017
97
Director: Jochen Hick
Cast: Romy Haag, Maximilian Lenz, Ades Zabel

Im West-Berlin der 1960er-Jahre gab es Lokale, in denen Männer unter sich sein konnten, und es wurde zum Magneten für junge Schwule. Heute noch aktive Protagonisten von damals lassen Erinnerungen an ihre ersten Jahre in der Stadt aufleben. Es sind Erinnerungen an eine Szene, die sie sich unentwegt erkämpften, und an deren Wandel bis zum Mauerfall. Aus der Konfrontation mit massiver gesellschaftlicher Repression erwächst in den 1970ern ein schwules Selbstbewusstsein: Die „Homosexuelle Aktion Westberlin“ setzt sich für eine Streichung des § 175 und die Überwindung des Patriarchats ein. In Ruinen entstehen neue Wohn- und Lebensformen wie Männerkommunen oder das Tuntenhaus. Klappensex, Ost-WestBeziehungen, Lederbars, Drag-Aktionen in der U-Bahn: Eine anarchische Freude überstrahlt die Leiden der Vergangenheit. Ein Jahrzehnt später trifft die Krankheit Aids auch Berlin. Nach Out in Ost-Berlin erkundet Jochen Hick die queere Lebenssituation im damaligen Westteil der Stadt und die Wurzeln jener Faszination, die die Metropole bis heute zum Zufluchtsort nicht nur für schwule Männer macht. Spannende Zeitreise mit zum Teil noch unveröffentlichtem Archivmaterial.

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11.02. / 17:00 International


Min Homosyster
My Gay Sister

Sweden/Norway 2017
15′
Director: Lia Hietala
Cast: Juliette Safavi, Tina Pourdavoy, Erika A. Coleman

Cleo ist zehn Jahre alt und ihr Kopf ist voller Fragen: Woran merke ich, dass ich in jemanden verliebt bin? Woher weiß ich, ob ich lieber Jungs oder Mädchen mag? Seit ihre ältere Schwester eine feste Freundin hat, erwachen in Cleo bisher unbekannte Gefühle. Bei einem Ausflug in die norwegischen Fjorde nähert sie sich dem verliebten Pärchen vertrauensvoll auf der Suche nach Antworten – und erhält wertvolle Tipps!

-© New Stories AB (1)-min

11.02. / 16:30 CinemaxX 3


Pieles
Skins

Spain 2017
77′
Director: Eduardo Casanova
Cast: Ana Polvorosa, Candela Peña, Carmen Machi, Macarena Gómez

Samantha, Guille, Ana und Cristian haben etwas gemeinsam und könnten doch unterschiedlicher nicht sein. Ihre Körper sind anders als die der anderen. Ob es nun der Mund ist, die linke Gesichtshälfte, die Beschaffenheit der Haut oder das Gefühl, dass die Beine nicht zum eigenen Körper gehören. Sie alle leben und lieben im Versteckten, in sonderbar künstlichen Interieurs, und trauen sich als „Freaks“ nur selten auf die Straße. Denn die Konfrontation mit dem Rest der Welt könnte fatale Folgen haben. In der streng symmetrisch kadrierten, rosa und lila ausgestatteten Welt des Regisseurs Eduardo Casanova geht es um die „Deformierten“, zu denen auch Dicke, Kleine oder eine Frau mit zugewachsenen Augen, die als Sexarbeiterin arbeitet, zählen. Das episodische Langlmdebüt des Spaniers ist eine Weiterentwicklung seiner vorherigen Kurzlmarbeiten und beschäftigt sich in bewusst artiziellen Bildern mit Menschen, denen in ihrem gesellschaftlichen Außenseitertum nur wenige geschützte Räume bleiben. Allerdings ist die Situation nicht so aussichtslos, wie es anfangs scheint, und Schönheit ein Begriff, der im Laufe des Films mehr als eine Neuinterpretation erfährt.

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11.02. / 21:30 Zoo Palast 1


Ri Chang Dui Hua
Small Talk

Taiwan 2016
88′
Director: Hui-chen Huang

Anu ist ein Tomboy. Zwar wurde sie, wie im Taiwan der 1970er-Jahre üblich, früh verheiratet und bekam zwei Kinder, ließ sich jedoch bald von ihrem gewalttätigen Mann scheiden und zog die Töchter alleine auf. Seitdem hatte sie ausschließlich Beziehungen zu Frauen, die wie sie ihren Lebensunterhalt als Seelenbegleiterinnen bei Beerdigungen verdienen. Eine ihrer Töchter ist die Filmemacherin Hui-chen Huang. Zweifel an der Bedingungslosigkeit von Mutterliebe sind in der chinesischen Kultur Tabu, doch genau die macht Huang zum Thema des intimen Porträts. Gemeinsam begeben sich Mutter und Tochter auf eine Reise in die Vergangenheit und Anu wird mit Fragen konfrontiert, die die Tochter seit Jahren quälen. In langen Einstellungen werden Themen wie Vertrauen, Missbrauch und Mitwisserschaft behandelt, sie münden jedoch fast immer in einer schmerzhaften Sprachlosigkeit. Die Tiefe des abgebildeten Raumes durch Schärfenverlagerungen auslotend, versucht die Regisseurin, sich ihrer Mutter in Gesprächen mit deren Geschwistern und Ex-Liebhaberinnen anzunähern, und zeichnet nebenbei ein Bild der sich wandelnden Lebenssituation von Frauen dreier Generationen in Taiwan.

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11.02. / 17:30 Cubix 7


Ulrike‘s Brain
Ulrike‘s Brain

Germany/Canada 2017
55′
Director: Bruce LaBruce
Cast: Gertrude Stammheim, Susanne Sachsse, Jonathan Johnson, Saskia Timm

In Anspielung auf B-Movies der 1960er-Jahre wie They Saved Hitler’s Brain und The Brain That Would Not Die erzählt Ulrike’s Brain die Geschichte von Doktor Julia Feifer (Susanne Sachsse), die mit einem Behälter für Organtransporte unter dem Arm auf einer akademischen Konferenz auftaucht. In der Kiste befindet sich Ulrike Meinhofs Gehirn, das neben den Gehirnen dreier weiterer Führungskader der Roten Armee Fraktion nach deren Tod im Gefängnis Stammheim von den Behörden konfisziert wurde. Doktor Feifer empfängt telepathisch von Ulrikes Gehirn den Befehl, eine neue feministische Revolution anzuführen. Zu diesem Zweck ist sie auf der Suche nach dem idealen weiblichen Körper, in den sie das Gehirn einpflanzen kann. Zur gleichen Zeit erreicht auch Feifers Erzrivale, der ultra-rechte Ideologe Detlev Schlesinger, die Konferenz. Er wiederum ist im Besitz der Asche des ehemaligen deutschen Neonazi-Anführers und berüchtigten Homosexuellen Michael Kühnen, der 1989 an den Folgen von AIDS verstarb. Chaos bricht aus, als die zwei Frankensteinmonster der extremen Linken und Rechten aufeinander treffen.

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11.02. / 19:00 Akademie der Künste


Wilde Maus
Wild Mouse

Austria 2017
103′
Director: Josef Hader
Cast: Josef Hader, Pia Hierzegger, Georg Friedrich, Jörg Hartmann

Georg fühlt sich wohl und sicher auf seinem Platz in einer Wiener Zeitungsredaktion: geliebt und gefürchtet, so wie es einem etablierten Musikkritiker mit spitzer Feder zukommt. Doch dann wird ihm völlig überraschend gekündigt. Eine Sparmaßnahme, erfährt er noch und steht schon draußen vor der Tür. Seiner jüngeren Frau Johanna, deren Gedanken momentan hauptsächlich um den nächsten Eisprung und das Kinderkriegen kreisen, erzählt Georg nichts. Stattdessen sinnt er auf Rache. In Erich, einem ehemaligen Mitschüler, findet er einen Verbündeten, um seiner Wut auf den Ex-Chef Luft zu machen. Aus kleinen Sachbeschädigungen wird bald größerer Terror. Zugleich versuchen sich Georg und Erich am Wiederaufbau einer maroden Achterbahn im Wiener Prater, der legendären „Wilden Maus“. Der Kabarettist und Schauspieler Josef Hader erzählt in seinem Regiedebüt ebenso komisch wie dramatisch von privaten Versagensängsten und gesellschaftlichen Abstiegsnöten der österreichischen Mittelschicht. Voll von lakonischem Witz reflektiert der Film, wie ein bürgerliches Leben aus dem Ruder geraten – und vielleicht doch wieder ins Lot kommen kann.

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11.02. / 22:00 Berlinale Palast


The Wound
The Wound

South Africa/Germany/Netherlands/France 2016
88′
Director: John Trengove
Cast: Nakhane Touré, Bongile Mantsai, Niza Jay Ncoyini

Eastern Cape, Südafrika: Der einsame Fabrikarbeiter Xolani nimmt sich eine Auszeit von seinem Job, um als Helfer das jährliche Beschneidungsritual der Xhosa zu begleiten, das den Übergang zum Mannesalter markiert. In einem abgelegenen Berglager, zu dem Frauen keinen Zutritt haben, kommen die jungen Männer wieder zu Kräften. Bemalt mit weißer Farbe, erlernen sie die Männlichkeitscodes ihrer Kultur. In dieser von Machismo und Aggressionen geprägten Umgebung kümmert sich Xolani um den aufsässigen Kwanda aus Johannesburg, der schnell hinter dessen bestgehütetes Geheimnis kommt: Xolani liebt einen anderen Mann. Bereits in seinem Kurzfilm Ibhokhwe widmete sich der südafrikanische Regisseur John Trengove dem Thema männliche Beschneidung. Dieses und andere Mannbarkeitsrituale greift er in seinem ersten Spielfilm wieder auf. Die Spannung, die sich während des Films unaufhaltsam aufbaut, rührt einerseits von dem jungen Kwanda her, der die patriarchalen Normen der Initiation zunehmend infrage stellt, und andererseits von der inneren Krise, die Xolani durchlebt. Er muss sich entscheiden zwischen der traditionellen Welt, die er kennt, und seiner eigenen Selbstverwirklichung.

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11.02. / 20:00 HAU Hebbel am Ufer (HAU1)