Mamma vet bäst

Tag 11: It’s all over now TEDDY Blue

Traurig aber wahr: Heute ist der letzte Tag der Berlinale und damit auch der letzte Tag, an dem ihr die Möglichkeit habt, euch die queeren Filme des Festivals anzuschauen. Wenn ihr das noch vorhabt, kann ich euch vor allem eine Veranstaltung besondern ans Herz legen: Die Teddyrolle im Kino International. Um 16 Uhr werden dort ausschließlich queere Kurzfilme gezeigt, die im Rahmen des Berlinale gelaufen sind.

Ansonsten bin ich kein Freund pathetischer Abschiede und halte es kurz und schmerzlos; Macht’s gut, es war zauberschön mit euch und wir sehen uns zum nächsten Teddy! Cheers!


A Boy Needs a Friend
A Boy Needs a Friend

Kanada/ USA 2015
23´
Director: Steve Reinke

Im neuesten Teil seines fortlaufenden Videoessays „Final Thoughts“ wendet sich Steve Reinke demThema Freundschaft im Allgemeinen und insbesondere dem Konzept der queeren nietzscheanischen Freundschaft zu. Die eklektische Mischung disparater Bilder, die von Found-FootageCollagen über digitale Animationen zu Handy-Videos reichen, wird wie üblich durch Reinkes bewusstseinsstromartigen Off-Kommentar zusammengehalten, in dem er Theorien über die Austauschbarkeit von Stephen King und Joyce Carol Oates, Stickerei-Gekritzel, die Vorteile der doppelten, US-amerikanischen und kanadischen Staatsbürgerschaft und das Sexvermögen von Leichen aufstellt. „Final Thoughts“ wurde 2004 als lebenslanges Projekt gestartet: die Serie wird mit Reinke’s Tod vollendet sein. Sie besteht aus einer Sammlung von Videoessays, einem fortwährenden Strom von Gedanken und provokativen Auseinandersetzungen. Im Forum Expanded 2012 wurde der Teil The Tiny Ventriloquist: Final Thoughts, Series Two gezeigt. A Boy Needs a Friend ist Teil von The genital is Superfluous: Final Thoughts, Series Four (2016).

A Boy Needs a Friend

16:00 Uhr, International


Brüder der Nacht
Brothers of the Night

Österreich 2016
88´
Director: Patric Chiha

Wien durchgängig als Nacht-Land und Nachtasyl, als die Kehrseite des Tag-Bewusstseins, ganz ohne Walzerseligkeit und Mozartkugeln. Die Protagonisten dieser Dokumentation sind junge bulgarische Roma, die Armut und die Notwendigkeit, für ihre Familien Geld zu verdienen, nach Wien verschlagen haben, wo sie in der Stricherbar „Rüdiger“ im Arbeiterbezirk Margareten ihre Dienste anbieten. Sie warten, rauchen, trinken, spielen Billard, tanzen, prahlen, albern herum wie junge Kälber, reden über ihre kärglichen Ausschweifungen, über ihre Familien und über Prostituierte, tauschen Erfahrungen und Informationen über das „bizness“ aus. Im Clash der Kulturen und Traditionen führen sie ein Leben zwischen den Welten, zwischen Realität und Illusion, transitorisch, trügerisch und flüchtig. Gus Van Sant trifft James Bidgood trifft Pasolini: Brüder der Nacht ist ein in satt-barockes Halbdunkel getränkter Hybrid, der gezielt verstörend zwischen Dokumentar- und Spielszenen oszilliert. Es ist keine moralisierende, besserwisserische Stricherballade, sondern eine zärtliche, empathische Hymne an die furchtbare Poesie des (Über-)Lebens und an die Solidarität unter Geächteten und Außenseitern.

Brüder der Nacht(1)

20:00 Uhr,  CineStar 7


En la azotea
On the Roof

Spanien 2015
12´
Director: Damià Serra Cauchetiez
Cast: Nil Cardoner, Roger Príncep, Biel Estivill, Pol Hinojosa

Die Hitze steht auf den Hochhausdächern der Vorstadt. Jeden Tag zur gleichen Zeit erklimmen fünf Jungs eines, um auf das Nachbarhaus zu starren. Ebenso regelmäßig erscheint dort eine Frau, entledigt sich ihrer Kleider und sonnt sich ungeniert. Doch an diesem Tag ist etwas anders. Auf dem Dach nebenan sucht ein nackter Mann Abkühlung unter dem Wasserschlauch und einer der Jungs hat nur noch Augen für ihn. Bei seinen Kumpels bleibt das nicht unbemerkt.

En la azotea

16:00 Uhr, International


Ja, Olga Hepnarova
I, Olga Hepnarova

Tschechische Republik/ Polen/ Slowakei/  Frankreich 2016
105´
Director: Tomas Weinreb, Petr Kazda
Cast: Michalina Olszanska, Martin Pechlat, Klara Meliskova, Marika Soposka

Olga ist eine komplizierte junge Frau, die sich von ihrer gefühlskalten Familie und gesellschaftlichen Konventionen freizuschwimmen versucht. Kettenrauchend schlakst der Louise-Brooks-artige Tomboy von einem Arbeitsplatz zum nächsten, bis sie als LKW-Fahrerin ihre Bestimmung gefunden zu haben scheint. Es gibt Liebhaberinnen, aber keine Beziehung, ständig kommt es zu Konfrontationen, sprachlosen Gefühlsausbrüchen und Ausnahmezuständen. In konzisen Einstellungen und elegischem Schwarz-Weiß erzählt der Film die kurze Lebensgeschichte einer radikal einsamen jungen Frau, die zur Massenmörderin wird. Am 10. Juli 1973 fährt sie, gerade 22-jährig, mit einem LKW in eine Menschengruppe, acht Personen sterben. In ihrem Bekennerschreiben heißt es, dass sie sich damit an der Gesellschaft und den Menschen rächt, von denen sie sich gehasst fühlt. Sie ist die letzte Person, die in der Tschechoslowakei öffentlich hingerichtet wird – trotz ihrer offensichtlichen psychischen Krankheit. Der erste Spielfilm der Regisseure, die bisher gemeinsam Dokumentar- und Kurzfilme realisiert haben, basiert auf einem langen Rechercheprozess, aus dem bereits die Dokumentation Everything is Crap hervorgegangen ist.

Jà, Olga Hepnarovà(1)

20:15 Uhr, Cubix 7


Little Men
Little Men

USA 2016
85´
Director: Ira Sachs
Cast: Greg Kinnear, Paulina Garcia, Jennifer Ehle, Theo Taplitz, Michael Barbieri

«Warum sind sie immer noch böse auf uns?» · «Unsere Eltern sind in geschäftliche Angelegenheiten verstrickt und langsam wird‘s hässlich. Also lassen sie es an uns aus.» Ein Sommer in Brooklyn. Jakes Eltern sind in das vom Großvater geerbte Haus gezogen, Tonys Mutter ist schon lange Mieterin des Geschäfts im Erdgeschoss. Schnell entdecken die beiden 13-Jährigen ihr gemeinsames Interesse für Kunst, Computerspiele und Mädchen. Zusammen träumen sie davon, im Herbst auf die renommierte La Guardia High School zu wechseln. So werden sie bald Verbündete, nicht nur gegenüber den anderen Jungs im Viertel, sondern auch im erbitterten Mietstreit ihrer Eltern. Mit einem eigenwilligen Protest versuchen sie den unaufhaltsamen Einfluss der Erwachsenenwelt auf ihre aufrichtige Jugendfreundschaft abzuwenden. Erneut beweist der renommierte Independent Filmemacher Ira Sachs ein Gespür für emotionale Tiefen, mit dem er die familiären und moralischen Konflikte auslotet.

Little Men

10:00 Uhr, HKW


Mamma vet bäst
Mother knows best

Schweden 2016
12´
Director: Mikael Bundsen
Cast: Alexander Gustavsson, Hanna Ullerstam, Karl-Erik Franzén

Er ist also schwul. Heute Abend hat er ihr seinen Freund vorgestellt. Zum Abschied küsst er ihn leidenschaftlich. Er hat Glück, so eine tolerante Mutter zu haben. Das ist nicht selbstverständlich. Seinem Vater solle er es lieber noch nicht erzählen, sagt sie. Und in der Öffentlichkeit sollte er sich erst recht nicht als schwul zu erkennen geben. Viele hätten Vorurteile. Nicht alle seien so verständnisvoll wie sie.

Mamma vet bäst

16:00 Uhr, CinemaxX 5


Moms On Fire
Moms On Fire

Schweden 2016
12´
Director: Joanna Rytel

Eine ganz normale Gegend in einer ganz normalen Stadt. Zwei Frauen sitzen auf dem Sofa und kratzen ihre schwangeren Bäuche. Es sind noch vier Tage bis zur Geburt. Die Situation ist weder schönzureden noch auszuhalten. Sie ist einfach unerträglich. Masturbieren geht nicht, weil man nicht an die Klitoris kommt, der Boyfriend ist abwesend und sowieso boring. Der einzige Vorteil eines weiteren Kindes besteht darin, nicht mehr mit dem ersten Kind spielen zu müssen. Die Künstlerin und Filmemacherin Joanna Rytel zeigt eine Knet-Animation, in der in aller Direktheit Fragen gestellt und Situationen geschildert werden, über die oft geschwiegen wird.

Moms On Fire

16:00 Uhr, International


O noapte in Tokoriki
A night in Tokoriki

Rumänien 2016
18´
Director: Roxana Stroe
Cast: Cristian Priboi, Cristian Bota, Iulia Ciochina

Party im Nachtklub Tokoriki. Geanina wird 18, und das ganze Dorf ist da. Die Neonpalme ist eingeschaltet und der DJ trägt sein goldenes Hemd. Alin und seine Freunde fahren mit Style im Pferdewagen vor und erobern die Tanzfläche. Aber Alin scheint etwas auf der Seele zu liegen. Mit glühenden Augen starrt er Gianina an. Das bleibt auch ihrem Freund nicht verborgen. Die Gefühle kochen hoch. Kommt es heute Nacht zur Eskalation?

O noapte in Tokoriki

16:00 Uhr, CinemaxX 5


O Pássaro da Noite
L’Oiseau de la Nuit

Portugal/ Frankreich 2015
20´
Director: Marie Losier
Cast: Cast: Fernando Santos aka Deborah Krystal, Cindy Scrash, Alda Cabrita, João Pedro Rodrigues

Im neuesten ihrer Porträts internationaler Underground-Legenden führt uns Marie Losier in die Weltvon Fernando, aka Deborah Krystal, dem glitzernden Dichter-Performer des Lissaboner Clubs Finalemente. In den letzten dreißig Jahren ist Fernando jeden Abend in goldenen Kleidern im Finalemente aufgetreten. O Pássaro da Noite enthüllt die vielen Facetten Fernandos, die unter den Fasern seiner farbenfrohen Gewänder liegen. Unterstützt von zahlreichen Freunden_innen und Filmemacherkollegen_innen lässt Marie Losier Lissaboner Mythen zum Leben erwachen. Mit seinen wechselnden, transformatorischen Auftritten als Meerjungfrau, Vogel oder Löwe führt uns Fernando auf eine Reise in eine Welt des durch Metamorphosen und Mythen ausgelösten Begehrens und Träumens. Diese Reise führt uns vom hellen Sonnenlicht eines farberfüllten Strandes zu den spukhaften Schatten eines Museums bei Nacht.

O Pássaro da Noite

16:00 Uhr, International


Quand on a 17 ans
Being 17

Frankreich 2016
116´
Director: André Téchiné
Cast: Sandrine Kiberlain, Kacey Mottet Klein, Corentin Fila, Alexis Loret

Damien und Thomas gehen in dieselbe Gymnasialklasse – und mögen sich ganz und gar nicht. Sobald Worte nicht mehr genügen, um sich gegenseitig zu verletzen, prügeln sie aufeinander ein. Dabei könnten sie Freunde sein: Damien, der Sohn der Landärztin Marianne und eines Militärfliegers, der gerade im Auslandseinsatz ist, und Thomas, Adoptivsohn mit maghrebinischen Wurzeln, der in einer Bauernfamilie auf einem abgelegenen Berghof lebt. Als die Bäuerin nach mehreren Fehlgeburten wieder ein Kind erwartet und einer komplizierten Schwangerschaft entgegensieht, nimmt Marianne den verschlossenen Jungen für eine Weile bei sich auf. Damien und Thomas müssen nun unter einem Dach leben … In seinem neuen Film behandelt André Téchiné, der mit Filmen wie Les temps qui changent (2005) und Les témoins (Die Zeugen, 2007) schon mehrfach im Wettbewerb der Berlinale vertreten war, das Aufwachsen in verschiedenen sozialen Milieus, die Verwirrungen der Jugend und die Erziehung der Gefühle. Ein raues südwestfranzösisches Bergdorf im Wechsel der Jahreszeiten wird zur Seelenlandschaft für die zwischen Ablehnung und Anziehung changierende Beziehung zweier junger Männer.

Quand on a 17 ans

19:30 Uhr, Berlinale Palast


Rara
Rara

Chile/ Argentinien 2016
88´
Director: Pepa San Martin
Cast: Mariana Loyola, Julia Lübbert, Agustina Muñoz, Emilia Ossandó

«Also … küssen deine Mama und Lia sich in der Öffentlichkeit?» · «Manchmal. Nicht so häufig.» Seit der Trennung ihrer Eltern lebt Sara mit ihrer jüngeren Schwester bei der Mutter, die jetzt mit einer Frau zusammen ist. Der Alltag der vier unterscheidet sich eigentlich kaum von dem anderer Familien. Für Sara ist die Situation eigentlich ganz in Ordnung. Doch nicht alle sehen es so, insbesondere ihr Vater hat Bedenken. Als Saras 13. Geburtstag ansteht, ist sie überfordert: die erste Verliebtheit, ein Körper, der sich verändert, und jetzt auch noch Loyalitätskonflikte mit den Eltern, alles wirkt falsch. Das einfühlsame Spielfilmdebüt der Regisseurin Pepa San Martín beruht auf wahren Ereignissen.

Rara

13:00 Uhr,HKW


Reluctactly Queer
Reluctactly Queer

Ghana/ USA 2016
Director: 8´
Director: Akosua Adoma Owusu
Cast: Kwame Edwin Otu

Kwame Edwin Otu, ein junger Mann aus Ghana, schreibt einen Brief an seine Mutter. Es fällt ihm nicht leicht, diesen Brief zu schreiben, aber er sucht die Aussöhnung, wünscht sich Akzeptanz, auch wenn er einen Mann liebt. Homosexualität wird in Ghana mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft. In Reluctantly Queer stellt sich der junge Mann die Frage, was es heißt, hier und heute queer zu sein. Die Regisseurin Akosua Adoma Owusu filmt ihn beim Verfassen des Briefes. Der Film ist auf Super 8 und in Schwarz-Weiß gedreht. Das Schreiben wird unterbrochen von Handlungen des Alltags. Kleinen zarten Momenten, die anders strahlen, mit Otus Worten im Ohr.

Reluctantly Queer

16:00 Uhr, International


Strike a Pose
Strike a Pose

Niederlande/ Belgien 2016
83´
Director: Ester Gould, Reijer Zwaan

1990 suchte Superstar Madonna für ihre „Blond Ambition“-Tour Performer, die sich mit Vogueing auskannten. Aus zahllosen Bewerbern wurden die schwulen Tänzer Salim, Kevin, Carlton, José, Luis und Gabriel ausgewählt, und als einziger Hetero der Breakdancer Oliver. Die Tour wurde von einem Filmteam begleitet, und die Musikerin inszenierte sich als Mutterfigur der Bühnenfamilie. Die Jungs fanden schnell Fans unter homosexuellen Jugendlichen, die sie als Vorbilder ansahen, während die Tour zu Madonnas Bekenntnis für die schwule Befreiung und die Akzeptanz von Aids wurde. Doch die heile Welt zerbrach, als Gabriel, Kevin und Oliver gegen das unerwünschte Outing klagten, das sie durch den Film In Bed With Madonna erlebten. Gabriel starb 1995 an Aids, die anderen verfolgten weiter ihre beruflichen Karrieren. 25 Jahre nach der gemeinsamen Zeit treffen sich die sechs Männer, und es werden Geheimnisse gelüftet, die lange zurückgehalten wurden. Den Filmemachern gelingt es, die Geschichten der sehr unterschiedlichen Tänzer zu erzählen, wobei sie die offiziellen Versionen behutsam in Frage stellen, um sich zum Kern der Wahrheit vorzuarbeiten.

Strike a Pose

17:30 Uhr, Cubix 7


Take Your Partners
Take Your Partners

Großbritannien 2015
11´
Director: Siri Rødnes
Cast: Lily Graham, Mori Christian, George Anton, Reanne Farley

Warum soll der Osterhut eines Mädchens anders aussehen als der eines Jungen? Ollie ist acht Jahre alt und steht auf Fußball und Westernhelden. Als in der Schule Vorbereitungen für die traditionelle Osterparade getroffen werden, weigert Ollie sich strikt, die gängigen Geschlechterrollen zu akzeptieren. Mit Unterstützung der Eltern findet Ollie schließlich einen ganz eigenen Weg, mit der Herausforderung umzugehen.

Take your Partners

14:30 Uhr, CinemaxX 1


The Lamps
The Lamps

USA 2015

Director: Shelly Silver

„Alle, die mich wollen, wollen mich verschlingen. Aber ich bin viel zu ausgedehnt, nach allen Seiten offen, und begehre mal dies und mal jenes.” Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven „Die Baroness ist keine Futuristin. Sie ist die Zukunft.” Marcel Duchamp „Die Baroness Elsa von Freytag Loringhoven, geborene Plötz, wurde als Protagonistin der New Yorker Dada-Bewegung kaum gewürdigt. Als Dichterin, Künstlerin, VaudevillePerformerin, Ausreißerin, Aufrührerin und Cross-Dresserin provozierte sie ständig die Öffentlichkeit. Sie passte nicht in ihre Zeit und wie die meisten Außenseiter litt sie darunter. Ähnlich unzähligen ebenso marginalisierten Künstlerinnen wurde ihre kulturelle Hinterlassenschaft kaum beachtet und in einigen Fällen sogar von bekannteren männlichen Zeitgenossen sich angeeignet. Einige Forscher meinen, dass die Baronin die Urheberin von „Fountain“ war, jenem Ready-made-Urinal, mit dem Duchamp berühmt wurde. The Lamps dokumentiert ausführlich die Reise, die die Baroness um 1900 nach Neapel unternahm, wo sie im Archäologischen Museum ins ‚Il Gabinetto Segretto’ einbrach, einen klandestinen Raum voller erotischer Gegenstände aus Pompeji.” Shelly Silver

The Lamps

16:00 Uhr, International


Toro
Toro

Deutschland 2015
84´
Director: Martin Hawie
Cast: Paul Wollin, Miguel Dagger, Leni Speidel, Kelvin Kilonzo

Eine ungleiche Freundschaft. Toro (25) ist ebenso diszipliniert wie verschlossen. Victor (29) dagegen ist ein leichtsinniger Träumer, der mehr oder weniger haltlos durchs Leben schliddert. Beide verdienen ihr Geld in der Prostitution. Toro bedient Frauen, Victor Männer. Toro, der eigentlich Piotr heißt, ist vor zehn Jahren nach Deutschland gekommen. Er weiß, wofür er hier arbeitet: Er will in Polen eine Boxschule aufziehen. Bald wird er genügend Geld zusammen haben. Mitnehmen will er nichts, nur Victor, um mit ihm zusammen einen Neuanfang zu wagen. Victor kennt Toros Pläne, nimmt sie jedoch nicht weiter ernst, denn er ist viel zu sehr damit beschäftigt, sich seine Dealer, bei denen er Schulden hat, vom Leib zu halten. TORO ist die Geschichte zweier extrem gegensätzlicher Charaktere, die auf höchst unterschiedlichen Wegen versuchen, sich aus einer unwürdigen Marginalität herauszukämpfen. Wechselseitig könnten sie einander der seidene Faden sein, der sie davor bewahren würde, dass sie in den Schlund der Apokalypse stürzen, der mit ihnen auch alles andere verschlänge und die Welt in ewiger Sünde versänke.

Toro 14:00 Uhr, CinemaxX 5


Zjednoczone stany milosci
United States of Love

Polen/ Schweden 2016
104´
Director: Tomasz Wasilewski
Cast: Julia Kijowska, Magdalena Cielecka, Dorota Kolak, Marta Nieradkiewicz, Lukasz Simlat,Andrzej Chyra, Tomek Tyndyk

Nach einer Ära der Stagnation versucht sich die polnische Gesellschaft Anfang der Neunzigerjahre neu zu finden. Schulen erhalten den Namen „Solidarność“, erste westdeutsche Kurpatienten bringen Devisen ins Land, Pornovideos machen die Runde und das Fernsehen wiederholt Bilder vom Prozess gegen den rumänischen Diktator Ceaușescu. Vom äußeren Umbruch kaum berührt bleiben dagegen die privaten Gefühle: all die Sehnsüchte und Hoffnungen, eingezwängt zwischen Arbeit, Familie und Kirche, Verlangen und Entsagung. Tomasz Wasilewski porträtiert vier Frauen in einer Kleinstadt in der Provinz. Agata, die sich zu einem Priester hingezogen fühlt und ihn heimlich beobachtet. Die Schuldirektorin Iza, die seit Jahren ein Verhältnis mit einem verheirateten Arzt hat. Die Russischlehrerin Renata, die die Nähe zu ihrer jungen Nachbarin, der Sport- und Tanzpädagogin Marzena sucht. Und Marzena, die von einer internationalen Karriere als Model träumt. Der Film in entsättigten Farben und kühlem Dekor ist eine Reflexion über Versuche, einer lust- und körperfeindlichen Umgebung zu entziehen. Sein Thema ist die Agonie einer Gesellschaft – und die Gefühlsnot der Einzelnen.

Zjednoczone stany milosci

22:30 Uhr, International


Girl Talk
Girl Talk

USA 2015

Director:Wu Tsang
Cast: Fred Moten

Girl Talk zeigt den Dichter und kritischen Theoretiker Fred Morten beim Zeitlupentanz in „dragged time“ zu einer Accappella-Version des Jazz Standards „Girl Talk“. Das Lied von Betty Carter wird hier in einer Neuinterpretation des Musikers Josiah Wise vorgetragen. Moten dreht sich euphorisch in einem sonnendurchfluteten Garten, sein juwelenbesetzes Samtgewandt reflektiert das Licht in pinken, blauen und grünen Strahlen. Moten und Tsang, Dichter und Künstler, untersuchen die Figur der Drag Queen und sind selbst an keine Persona gebunden.

Girl Talk

10.02-22.0 2. / täglich 19:00 – 21:00 Akademie der Künste als Installation