SPIELFILM

Der menschliche Faktor

Regie: Ronny Trocker, Deutschland / Italien / Dänemark, 2021

Sabine Timoteo, Mark Waschke
© Klemens Hufnagl / zischlermann filmproduktion

Jan und Nina fahren mit ihren zwei Kindern in ihr Wochenendhaus an der belgischen Küste, um zur Ruhe zu kommen. Doch die wird durch einen mysteriösen Einbruch bei der Ankunft der Familie zunichtegemacht. Danach hat Nina eine blutige Nase und Zorro, die zahme Ratte von Sohn Max, ist verschwunden. Was ist passiert? Niemand kann der Polizei die Eindringlinge genauer beschreiben. In Deutschland wird die erfolgreiche Werbeagentur, die das bilinguale Paar gemeinsam führt, Ziel einer Farbbeutelattacke. Jan hatte zuvor im Alleingang die Entscheidung getroffen, die Wahlkampagne für eine politische Partei mit populistischen Tendenzen zu übernehmen… mehr

 

Das Mädchen und die Spinne

 Regie: Ramon Zürcher & Silvan Zürcher, Schweiz, 2021

© Beauvoir Films

Lisa zieht aus der WG mit Mara aus, um künftig allein zu wohnen. An den beiden Umzugstagen und in der Nacht dazwischen geht vieles zu Bruch, anderes renkt sich ein.
Der Film ist filigran und geometrisch aufgebaut wie das Netz der titelgebenden Spinne. Er spielt fast ausschließlich in Innenräumen und wirkt damit unwillkürlich auch wie ein Resümee der Pandemiezeit mit ihren Paradoxien. Der Wechsel von einer Bleibe in die andere und die Energie, die freigesetzt wird, wenn eine Geschichte endet und eine neue beginnt, versetzen das Figurenensemble in einen besonderen Aggregatzustand… mehr

 

Glück

Regie: Henrika Kull, Deutschland, 2021

Katharina Behrens, Adam Hoya
© Flare Film

Warten im Pausenraum, Sex und Aufreihen für den nächsten Freier wechseln sich ab. Die selbstbewusste Italienerin Maria ist neu in dem Berliner Bordell, in dem Sascha schon lange arbeitet, und anders als die anderen hier. Sie ist Mitte 20, tätowiert und gepierct und schreibt in den Pausen Gedichte in ein Notizbuch. Die beiden Frauen fühlen sich sofort voneinander angezogen. Maria bewahrt ihr Geld in einem Schließfach in der Staatsbibliothek auf. Ihrem Vater versichert sie am Telefon regelmäßig, dass es ihr gut geht und sie viel Geld verdient. Sascha verbindet die Regionalbahn nicht nur mit ihrem alten Leben in der brandenburgischen Provinz, sondern auch mit ihrem 11-jährigen Sohn… mehr

 

Guzen to sozo

Regie: Ryusuke Hamaguchi, Japan, 2021

© 2021 Neopa/Fictive

Die Vervielfachung und Spiegelung weiblicher Charaktere war früher schon Thema in Hamaguchis Œuvre und ist es auch in seinem neuesten Film. Waren die Vorgänger Happy Hour und Asako I & II literarisch gesprochen eher Romane, so könnte man Guzen to sozo als Sammlung von Kurzgeschichten bezeichnen. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den Erzählrhythmus: Die drei Episoden, die jeweils um eine Frauenfigur kreisen, sind wiederum in drei Akte gegliedert.
Es geht dabei um eine unerwartete amouröse Dreieckskonstellation, eine versuchte Verführung, die gleichzeitig eine Falle ist, und eine Begegnung, die durch ein Missverständnis zustande kommt… mehr

 

Kelti

Regie: Milica Tomović, Serbien, 2021

Dubravka Kovjanić © Irena Canić

Belgrad 1993. Serbien ist im Krieg, man leidet unter Sanktionen und Inflation, aber man tut, was man kann. Mutter Marijana hält die Familie zusammen. Ihr Mann hebt seinen Blick nur dann vom Boden, wenn liebevolle Momente mit seiner kleinen Tochter Minja die endlose Aneinanderreihung alltäglicher Besorgungen erhellen. Es ist Minjas achter Geburtstag. Statt einem eigenen Cockerspaniel gibt’s den dreibeinigen Nachbarshund zum Spielen, statt Butter Margarine im Kuchen. Im Wohnzimmer springen sie und ihre Klassenkamerad*innen als Ninja Turtles verkleidet herum, während die Erwachsenen in der Küche unter sich sind. Eine Ex reibt der Verflossenen ihre neue Beziehung unter die Nase, es wird hitzig diskutiert, wer schuld am Zerfall Jugoslawiens ist und man ist sich einig, dass es nicht mehr braucht als ein bisschen Sperma, um Mutter zu werden… mehr

 

La Mif

Regie: Fred Baillif, Schweiz, 2021

Costa, Sara Tulu, Joyce Esther Ndayisenga, Charlie Areddy – © Stéphane Gros / Lumière Noire

„Wer bist du?“ – „Die Punkkönigin im Land der Arschlöcher.“
Sieben Mädchen leben zusammen unter einem Dach. Sie haben einander nicht ausgesucht, wie in einer Familie. Sie kommen aus schwierigen Verhältnissen, hier im Heim finden die Mädchen eine neue Familie, eine Gemeinschaft, wie sie sie bisher nicht kannten. Sie teilen Freude und Leid und rebellieren gegen die Unzulänglichkeiten ihrer Umgebung – die Temperamente der jungen Frauen sind verschieden, ihr Lebenshunger ist groß, ihr Platz in der Gesellschaft zu prekär. Heimleiterin Lora ist immer für sie da, wenn sie sie brauchen. Oder ist es umgekehrt? …mehr

 

Language Lessons

Regie: Natalie Morales, USA, 2020

Mark Duplass, Natalie Morales © Jeremy Mackie

Adam bekommt von seinem Ehemann zum Geburtstag Online-Spanischstunden geschenkt. Zunächst weiß er nicht, wie er den Kurs in seinem durchgeplanten Alltag noch unterbringen soll. Als sein Leben unerwartet aus den Fugen gerät, beschließt er jedoch, mit dem Unterricht weiterzumachen – und baut eine enge Bindung zu der Spanischlehrerin Cariño auf. Doch kennt man den anderen wirklich, nur weil man gemeinsam einen traumatischen Moment durchlebt hat? mehr

 

Mishehu Yohav Mishehu

Regie: Hadas Ben Aroya, Israel, 2021

Elisheva Weil, Leib Lev Levin
© Meidan Arama

Danny ist schwanger von Max, kommt aber auf einer Party nicht dazu, es ihm zu sagen. Max probiert mit seiner Freundin Avishag deren sexuelle Fantasien aus. Sie will beim Sex geschlagen werden. Avishag trägt ihre Blutergüsse zu Dror, dessen Hund sie sittet. Zwischen dem älteren Mann und der jungen Frau entsteht eine Vertrautheit, mit der beide nicht gerechnet haben… mehr

 

Moon, 66 Questions

Regie: Jacqueline Lentzou, Griechenland / Frankreich, 2021

© Berlinale

Als ihr Vater Paris schwer erkrankt, beschließt Artemis, nach einigen Jahren der Abwesenheit in ihre Heimat Griechenland zurückzukehren. Als Einzelkind geschiedener Eltern ist sie die Einzige, die sich um Paris kümmern kann, der täglicher Pflege bedarf. Im Prozess des Entdeckens und gegenseitigen Erkennens wird das Verhältnis von Vater und Tochter auf eine neue Grundlage gestellt… mehr

 

Stop-Zemlia

Regie: Kateryna Gornostai, Ukraine, 2021

Maria Fedorchenko © Oleksandr Roshchyn

„Man sagt, wenn du Gänsehaut bekommst, dann berührt deine Seele deinen Körper.“
Das vorletzte Schuljahr für Masha, Iana und Senia. Während im Klassenzimmer die Grünpflanzen wuchern und der Stoff des Biologieunterrichts – die physischen Merkmale von Stress – wie ein Klangteppich unter der Erzählung liegt, ringen die Schüler*innen mit sich und anderen. Stilles Zentrum des Langfilmdebüts von Kateryna Gornostai ist die 16-jährige Masha – introvertiert, feinsinnig und verliebt in den unnahbaren Klassenkameraden Sasha, der sie mit seinem passiven Verhalten herausfordert. Groben Narrativen entzieht sich der Film genauso wie allzu einfacher Psychologie. Wenn Masha nachts allein in ihrem Zimmer tanzt…mehr

 

The Scary of Sixty-First

Regie: Dasha Nekrasova, USA, 2020

© Stag Pictures

Im Regiedebüt der Schauspielerin und Podcast-Moderatorin Dasha Nekrasova kommen zwei sehr ungleiche WG-Genossinnen hinter die düsteren Geheimnisse in ihrem neuen Apartment an der Upper East Side und erleben diese nach.
Der Film ist so besessen wie eine der Protagonistinnen, die von den Geistern der jungen Opfer des pädophilen Milliardärs Jeffrey Epstein verfolgt wird – und lässt dabei eine Obsession für die italienischen „Giallo“-Thriller und den Psycho-Horror der 1970er-Jahre erkennen… mehr